Die Gülen-Gymnasien Deutschlands

Lange bevor die Debatte um türkische Gymnasien in Deutschland losgetreten wurde, hatte die Fethullah-Gülen-Gemeinde ihre Privat-Schulen aufgebaut. Rund 90 Prozent der Schüler an diesen Schulen, die in 14 deutschen Städten existieren, haben eine türkische Herkunft. Deshalb dürfte die Forderung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan nach türkischen Schulen in Deutschland die größte Zufriedenheit in der Gülen-Gemeinde ausgelöst haben. Sie betreibt weltweit in rund 120 Ländern Schulen und Kulturzentren. Auch Wirtschaftsunternehmen mit einem jährlichen Umsatz von ca. 26 Mrd. US-Dollar werden ihr zugerechnet.
Das Bildungssystem in Deutschland, stellt für die Einrichtung privater Schulen hohe Hürden. Die Überwindung dieser Schwierigkeiten und die Einrichtung der Privatschulen, “Işık Evleri – Lichthäuser” genannt, brauchten ihre Zeit und breiten sich nun wie ein Lauffeuer. Die Gülen-Bewegung, die ihre Aktivitäten in der Türkei unter die Losung stellt, “Unser Djihad ist die Bildung”, verfolgt nun diesen Weg auch in Deutschland.
Der erste Schritt war die Gründung von gebührenfreien Nachhilfekursen für Schüler. In Köln, Berlin, Stuttgart, München, Hamburg, Frankfurt/M und anderen Großstädten wurden Vereine gegründet, die diese Kurse anbieten. Ihre Gesamtzahl schätzt man heute auf über 150. Über die Schüler erreichte man somit auch einen großen Kreis von türkischen Familien, die man zu vielfältigen sozialen und kulturellen Aktivitäten der Vereine einladen konnte. Schützenhilfe erhielten diese Bestrebungen vom deutschen sozial selektierenden deutschen Bildungssystem, das Schülern mit Migrationshintergrund große Hindernisse in den Weg stellt. Eltern, die dem hohen Anteil der Migrantenkinder an Hauptschulen entrinnen wollten, sahen in den kostenfreien Nachhilfekursen der Gülen-Gemeinde die rettende Hand. Dieser Zulauf ermutigte sie, so dass sie in vielen Städten auch Kindertagesstätten einrichteten, an denen der Anteil türkischstämmiger Kinder fast 100 Prozent beträgt. Die Träger dieser Kurse und Kitas, die sich meistens nicht als Institutionen der Gülen-Gemeinde zu erkennen geben, legen großen Wert auf die vermeintliche Pflege des interreligiösen Dialogs, den auch Gülen sich auf die Fahne geschrieben hat.

Aus Nachhilfekursen entstehen Privat-Gymnasien
Heute zählt man in Deutschland 14 Privat-Gymnasien, die der Gülen-Bewegung zuzurechnen sind. Allein in Berlin hat der Trägerverein TÜDESB e.V. seit 2004 4 Kindertagesstätten, 1 Gymnasium und 1 Realschule eingerichtet. Das Gymnasium in Spandau nahm den Betrieb in diesem Schuljahr mit 310 Schülern auf. Im Jahr 2007 waren an den Schulen der Gülen-Gemeinde insgesamt 645 Schüler eingeschrieben.

Immer demselben Muster folgend
Die Schulen bzw. deren Träger, die in Stuttgart BIL, in Köln Dialog, in Mannheim Sema, in Ludwigshafen Forum, in Hannover VIB und in Hamburg Alsterring-Gymnasium heißen, folgten bei der Gründung immer demselben Muster. Zuerst gründet eine Gruppe von Akademikern, die sich “freiwillige Bildungshelfer” nennen, einen Verein. Dann werden mehrheitlich bei türkischen Ladenbesitzern Spenden gesammelt und anschließend beantragt man bei den zuständigen Kommunen bzw. Landesregierungen die Zulassung einer Privatschule. Auch wenn es in den einzelnen Ländern unterschiedliche Rechtsgrundlagen gibt, bekommt jede Schule nach drei Jahren Selbstfinanzierung staatliche Mittel. Mit den Zuschüssen können sie je nach Bundesland bis zu 90 Prozent ihrer Ausgaben decken. D.h. die Privaten-Schulen werden nach drei Jahren vom Steuerzahler finanziert.

Keine türkischen Schulen?
Die der Gülen-Gemeinde nahe stehenden Medien sträuben sich mit Händen und Füßen dagegen, dass diese Schulen als “türkische Schulen” bezeichnet werden. Viel mehr seien sie von Menschen türkischer Herkunft gegründete Schule, die sich an dem Lehrplan der Bildungs- Kultusminster der Länder orientierten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. So ist nur einer der 310 am TÜDESB-Gymnasium in Berlin-Spandau eingeschriebenen Schüler ein Deutscher. 90 Prozent der 152 Schüler am Dialog-Gymnasium in Köln sind türkischer Herkunft. Lediglich 8 Prozent der Schüler am VIB in Hannover haben eine andere Herkunft als die türkische.
Diese stellen alles andere dar als “Orte der Integration”. Die Erziehung der Schüler an diesen Schulen zu gläubigen Muslimen beschränkt sich nicht auf das Fach “Ethik”, die den Islam behandelt. Vielmehr werden die Schüler durch “soziale Aktivitäten”, die außerhalb des Unterrichts angeboten werden, zu Gemeindemitgliedern erzogen. Auf demselben Wege erreicht man auch die Eltern der Schüler, die sich vor Einladungen zu angeblich sozialen und kulturellen Aktivitäten nicht retten können.

Gülen-Gemeinde ist kein Wohlfahrtsverband
Die Gülen-Bewegung startete ihre Aktivitäten in Deutschland Anfang der 90er Jahre und stellt heute eine nicht unbedeutsame wirtschaftliche und politische Macht dar. Während die anderen Gruppierungen ihre Konkurrenten in der Anzahl der eigenen Moscheen zu übertrumpfen versuchten, wählte die Gülen-Bewegung den Weg der Einflußnahme durch Bildung. Allerdings spielte auch bei ihr der Wohlfahrtsgedanke eher keine Rolle. Es muss deshalb zu Bedenken geben, dass die Politik in Deutschland eine Bewegung unterstützt, die eine auf religiösen Grundlagen basierende Gesellschaft zum Ziel hat.
Kommunen und Landesregierung sowie die Bundesregierung, die die soziale Ungerechtigkeit und Diksriminierung im Bildungssystem nicht beseitigen, delegieren ihre Aufgaben an Private wie die Gülen-Bewegung weiter.

Wer unterstützt Gülen?
Zu den Unterstützern der “freiwilligen Bildungshelfer” gehören Kommunen und Landesregierungen. Die Schulgebäude und –gelände werden den Privatschulen der Gülen-Bewegung von Kommunen im Regelfall kostenlos zur Verfügung gestellt. Bei der Eröffnung der Schulen sind meistens Ministerpräsidenten und Oberbürgermeister zugegen. Auch zu anderen Anlässen wie Iftar-Essen im Bundestag oder Türkisch-Olympiade an Universitäten lassen sich hochkarätige Gäste gerne einladen und machen damit die Gülen-Bewegung hoffähig. Für den NRW-Integrationsminister Armin Laschet sind die Gülen-Schulen keine Orte der Abgrenzung sondern offen für alle. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir glaubt, dass an diesen Schulen die Demokraten der Zukunft herangezogen werden.
YÜCEL ÖZDEMİR

Die Verbindungen und Ziele der Gülen-Gemeinde

Worin liegen die Gefahren, die von der Fethullah-Gülen-Bewegung und deren Aktivitäten ausgehen? Oder anders gefragt: Warum muß man sich den internationalen Aktivitäten dieser „Gemeinde“ entgegenstellen?
Fethullah Gülen lebt seit Jahren in den USA, hat keine Einwände gegen die internationale Politik der US-Administration und verfolgt eine damit im Einklang stehende „türkisch-islamische“ Politik. Diese Feststellungen liefern ausreichend Gründe, um die eingangs gestellte Frage zu bejahen. So führten die Aktivitäten Gülens, die mit der US-Strategie im Einklang stehen, sowie der ernst zunehmende, immer mehr erhärtete Verdacht der Zusammenarbeit mit der CIA dazu, dass Rußland diese Aktivitäten verboten hat.
Geduldige und schleichende Machtübernahme
Wenn man die obigen Fragen allerdings lediglich anhand der „gemäßigten“ und angeblich modernen Lehrpläne der Gülen-Schulen in über 120 Ländern beantwortet, wird diese Antwort unvollständig und irreführend sein. Das Hauptmerkmal der Bestrebungen der Gülen-Bewegung ist, dass sie eine geduldige, langwierige und schleichende gesellschaftliche Organisierung und anschließende Machtübernahme in der Türkei vorsieht. Dabei ist ihr jedes Mittel recht. Gestärkt durch die Ergreifung der Staatsmacht soll im nächsten Stadium auf dem damaligen Territorium des Osmanischen Reiches der „türkische Islam“ aufgebaut und der neue Staat später auf neue Gebiete ausgeweitet werden. Wie auch in Predigten Gülens auf „passende“ Art beschrieben, soll der türkische Islam weite Gebiete vom Balkan bis Kaukasus, von Vorder- bis Südostasien, den Nahen Osten und Nordafrika umfassen. Sie ist längst zu einer starken Finanz- und Wirtschaftsmacht geworden und macht auch keinen Hehl daraus, dass sie als eine organisierte Kraft starken Einfluß im türkischen Innen-, Justiz- und Bildungsministerium sowie in der Armee und Polizei hat.
Die von Gülen geführte Gemeinde basiert darauf, dass der Glaube, der eigentlich reine Privatsache sein müsste, instrumentalisiert und mißbraucht wird. Die Gülen-Bewegung instrumentalisiert den Glauben mit der Hauptlosung, dass unter Vorherrschaft des sunnitischen Islams alles Böse von der Welt vertrieben wird.
Jedes Mittel ist recht
Die wirtschaftlichen Hintergründe gesellschaftlicher Probleme werden von der Gülen’schen Islam-Lehre genau so verleugnet wie die Realität, dass wir in einer Klassengesellschaft leben. Die Herrschaft der Kapitalisten über die Arbeiter und Werktätigen und die Ausbeutung werden als „unumstößlich“, quasi als islamisches Gebot ausgegeben und folglich sind sie kampflos hinzunehmen. An die Adresse der Kapitalisten wird die Forderung gerichtet, dafür zu sorgen, dass die Arbeiter Auskommen haben sollen. Darin schöpft sich die „integrierende Kraft“ der Gülen-Bewegung aus. Alle Mittel, die dem Erreichen des Endziels dienlich sind, sind dieser Sekten-Organisation eben recht. ()