„Die Uni gehört allen“ – Der Bildungsstreik geht weiter

Melis Ayyildiz

Eiseskälte und tobende Schneestürme schienen anfangs die Pläne für die Studierendendemo am 30. vereiteln zu wollen. Doch der Unmut über die Bildungssituation und der Wille, etwas an dieser zu verändern, ist größer als jede Naturkraft. Die unzufriedenen Studierenden ließen sich von dem Wetter nicht abhalten und gingen an diesem kalten Samstag ein weiteres Mal auf die Straßen, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen und ihr Missfallen an der Bildungsmisere publik zu machen. Doch nicht nur das Wetter sollte ein Problem darstellen, sondern die Demo stand durch die negative Presse von Anfang an unter einem schlechten Stern. Durch Horrorszenarien von gewalttätigen oder aggressiven Auseinandersetzungen und Komplikationen mit den Hundertschaften der Polizei wurde die friedliche Demonstration zur potentiellen Gefahrenquelle diskreditiert. Doch dieser Störfaktor war für die Studierenden und vereinzelt auch Schüler und Lehrkräfte kein Hindernis. Die Hauptforderung war der freie Zugang zum Studium, kurz „die Uni gehört allen“. Wie bei den Bildungsstreiks davor war vor allem die Abschaffung des Bachelor-/Mastersystems, der Studiengebühren sowie die Demokratisierung des Bildungssystems gefordert.
Die Hörsaalbesetzung der Frankfurter Goethe Universität Ende 2009 prägte bereits die Stimmung an der Uni. Als der studentischen Besetzung gewaltsam durch die Polizei ein Ende gesetzt worden war, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die nächste Protestaktion ankündigen würde. Denn seit dem gewaltigen Polizeieinsatz gleicht die Situation an der Uni einem Ausnahmezustand. Der Universitätsbetrieb wurde des öfteren durch Aussperrungen lahm gelegt, kritische Studierende müssen mit Strafverfahren und Zwangsexmatrikulationen rechnen und die Polizei –als würde ein Hund immer wieder an der gleichen Stelle sein Revier markieren- lässt sich regelmäßig auf dem Campus blicken. Doch die zunehmend polemischen Bemerkungen der Presse, die Protestierenden seien eine raufwütige und zu Vandalismus neigende Meute, werden die Bewegung nicht aufhalten können. Im Gegenteil, die letzte Demonstration lief weitgehend friedlich ab, der Demozug konnte jedoch die vorgesehene Route durch mehrfache Blockierung seitens der Polizei nicht  einhalten und musste nach über drei Stunden aufgelöst werden. Doch die Entwicklung in Frankfurt zeigt, dass es weitergehen wird und die kritischen Stimmen nicht verstummen werden.

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