Die Sache ist noch lange nicht gegessen

Seit dem Ausbruch der Krise stehen Arbeiter unter immensen Druck. Die Kapitalbesitzer und die Regierung versucht mit allen Mittel die Lasten der Krise auf die arbeitende Menschen aufzubürden. In fast allen großen und mittleren betrieben sind Kündigungen und Kürzungen vorgesehen. Doch die Arbeiter wehren sich gegen diese Vorhaben. In den vergangenen Monaten gab es in vielen Betrieben Aktionen und Streiks, unter anderem auch bei Daimler in Bremen. In diesem Zusammenhang sprachen wir mit Gerhard Kupfer, Betriebsrat bei Daimler in Bremen.

Ihr habt am 22. Januar und am 2. Februar zweimal die Arbeit niedergelegt. Warum?
Grund sind die sogenannten Umstrukturierungen, die der Vorstand für den ganzen Konzern bereits im Dezember beschlossen hat. Die Sindelfinger Kollegen haben sofort reagiert, es gab mehrtägige Streiks, von den Kollegen zum Teil selbst organisiert. Damals schon gab es hier die Meinung, dass wir in Bremen mitstreiken müssen. Das wurde von „oben“ her bewußt verhindert und die Betroffenheit der Werke als rein örtliche Sache behandelt. Und ganz schnell hat man in Sindelfingen den sehr entschlossenen Streik abgewürgt mit der Beruhigungspille „Beschäftigungssicherung“. Die Kollegen dort haben vom Vorstand den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen versprochen bekommen, natürlich nur, wenn die „wirtschaftliche Lage“ es erlaubt. Dieses an sich schon leere Versprechen wurde den Bremern verweigert. Deshalb sind sie, von Kollegen und Vertrauensleuten selbst organisiert, am 22. Januar in den Streik getreten und haben eine Demonstration rund um`s Werk gemacht. Trotz der offenen und verdeckten Sabotage aus den eigenen Reihen, gingen gut 1.500 Kollegen mit großer Entschlossenheit raus. Diese spontane Aktion hat so viel Schubkraft entwickelt, dass am 1. Februar fast 20 Stunden lang kein Auto mehr vom Band lief. An diesem Tag tagte die Einigungsstelle und die Kollegen verlangten ganz eindeutig: Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen – ohne Wenn und Aber. Also über 7.500 Kollegen haben demonstriert und die Arbeit nieder gelegt für diese Forderung. Was als Ergebnis in der Nacht dann raus kam, war nicht einmal ein leeres Versprechen, sondern war rein gar nichts. Der sogenannte Interessenausgleich ist das Papier nicht wert, auf dem er stand. Deswegen gibt es weiter große Unruhe im Betrieb, weil die Kollegen das, angesichts ihrer Kampfbereitschaft, überhaupt nicht nachvollziehen können. Sie sagen: In Sindelfingen gab`s eine Beruhigungspille, bei uns wird Scheiße als Bonbon verkauft. Die Sache ist also noch lange nicht gegessen für uns. Wir bleiben bei unserer Forderung: Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ohne Wenn und Aber!
Ein große Lehre ist jedenfalls: Wir dürfen die Spaltung zwischen den Werken nicht nocheinmal zulassen.


Ist die Diskussion um die Beschäftigungssicherung nicht irreführend?

Wir haben die Diskussion um die Beschäftigungssicherung immer als ein Mittel betrachtet, den Belegschaften vor den großen Massenentlassungen möglichst viel abzupressen. Beschäftigungssicherung kann es im Kapitalismus nicht geben, weil sie absolut der kapitalistischen Logik, den ökonomischen Gesetzen des Kapitalismus, widerspricht. Und trotzdem müssen wir den Kampf führen gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Arbeiter. In diesem Kampf kann dann leichter aufgeräumt werden mit den großen Illusionen, die die Kollegen weitgehend noch in dies Beschäftigungspakte mit dem Kapital haben. Auch die Gewerkschaftsspitze wird ja nicht müde, auch das letzte Hemd der Arbeiter für die erhoffte Reparatur des Kapitalismus herzugeben. Deswegen ist der Kampf, auch über die Betriebszäune hinweg, notwendig für uns, wie die Luft zum Atmen. An diesem überbetriebliche Kampf arbeiten wir sehr stark.

Du fliegest mit einer kleinen Delegation nach Ankara, zu den Tabakarbeitern. Was ist so wichtig das gleich eine Delegation gebildet habt?

Für uns war es sehr schnell klar, dden Tekel-Kollegen unsere Solidarität zu überbringen. Sie kämpfen an einem anderen Abschnitt einer gemeinsamen Front. Es ist also Teil unseres Kampfes hier. Sie sind Teil unserer Klasse und sie kriegen von ihrem Gegner das CS-Gas ab, das wahrscheinlich hier in Deutschland produziert wird. Also ist das auch unser Kampf. Wir haben ein zweisprachiges Transparent gemacht, auf dem steht: Wer seine Lage erkannt hat, wie sollte der aufzuhalten sein? (Bertolt Brecht). Nach unserer Rückkehr werden wir unseren Kollegen Bericht erstatten.

Interview: Serdar Derventli

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