Kräfte bündeln gegen Arbeitslosigkeit und Armut

Sehr vieles drehte sich um die Lasten der Wirtschaftskrise und die spezielle Situation der Migranten, als sich vom 12. bis 14. Februar in Düsseldorf 120 Delegierte und 50 Gäste in Düsseldorf zur 16. Bundesmitgliederversammlung der DIDF trafen. „Kräfte bündeln gegen Arbeitslosigkeit und Armut“ hieß das Motto im 30. Jahr der DIDF-Gründung.

Gemeinsamer Kampf der Werktätigen wichtiger denn je
Der DIDF-Vorsitzende Hüseyin Avgan sagte in seiner Eröffnungsrede: „In Zeiten der Krise verschlechtert sich nicht nur die wirtschaftliche Situation der arbeitenden Menschen, sondern auch die sozialen und politischen Angriffe nehmen zu.“ Er warnte vor reaktionären und rassistischen Kräften, die ihre Spaltungs- und Teilungsbemühungen verstärken werden. „Sowohl die herrschende Politik, wie auch reaktionäre türkische Kräfte und Organisationen nutzen die Situation aus, um die Menschen zu teilen oder Ängste zu schüren.“ Die Beschlüsse der Delegierten würden den gemeinsamen Kampf voranbringen, so Avgan.
Die Delegiertenversammlung war auch deshalb von einer besonderen Stimmung getragen, weil sie im Jubiläumsjahr stattfindet. Die Föderation der demokratischen Arbeitervereine (DIDF) wurde vor fast 30 Jahren als Dachverband von Vereinen aus der Türkei gegründet. Ihr gehören heute viele Mitgliedsvereine und –gruppen. Die DIDF versteht sich als eine demokratische, überparteiliche, unabhängige, aber keine unpolitische oder unparteiische Organisation. Vielleicht der wichtigste Grundsatz der DIDF: Es wird keine Trennung von Nationalität, Sprache, Geschlecht oder Religion gemacht.
„Die Lasten der Krise werden jetzt schon auf Arbeiter abgewälzt“
Die Delegierten der Mitgliedsvereine diskutierten, wie die Krise sich jetzt schon auf das Leben von Arbeiterinnen und Arbeiter auswirkt. “Unser Firmenvorstand lud die Belegschaft zu einem Treffen ein. Der Vorstand habe beschlossen, 900 Personen zu entlassen. Sie sagten uns: Wer freiwillig geht, kriegt eine Abfindung, wer bleibt, hat es selber zu verantworten”, so ein Arbeiter, der die Situation in seinem Betrieb beschrieb. Zustimmung kam von anderen Delegierten, die in ihren Betrieben ähnliches erlebt hatten. Die Konferenz beschloss, gemeinsam mit den Gewerkschaften den Kampf gegen Entlassungen und Lohndumping stärker zu unterstützen. Zudem will die DIDF breit für die Protestaktionen gegen die Krise am 20. März in Essen und Stuttgart mobilisieren. Viele Anwesende hatten schon auf den Betriebsrätekonferenzen, die zwei Wochen vorher von der DIDF in Duisburg und Stuttgart durchgeführt wurden, über die anstehenden Demonstrationen diskutiert.
“Die Kommunen sind pleite”
Eine Delegierte schilderte die Situation in ihrer Stadt folgenderma§en: “Meine Tochter geht zwei mal in der Woche im Verein schwimmen. Seit mehreren Wochen ist sie schon krank, weil die Kommune die Heizungen abgedreht hat. Die sagen, dass sie sparen müssen. Der Staat verschenkt oder verbürgt mehrere Milliarden für Banken und Konzerne und kürzt bei den Kommunen und die wälzen ihre Ausgaben auf uns ab! Warum holen die sich das Geld nicht bei denen, die sowieso alles haben?” führte die 3-fache Mutter fort.
Die Situation der Türkeistämmigen
Eines der Hauptthemen war die soziale und politische  Situation der MigrantInnen. Dabei redeten die Delegierten auch über die Rolle der reaktionären türkischen Organisationen. Sie machten darauf aufmerksam, dass die DIDF heute mehr als denn je vor der Aufgabe stünde, gegen Spaltung und Ausgrenzung intensiver vorzugehen. „Wo wir doch gerade jetzt unsere Kräfte bündeln, den gemeinsamen Kampf für eine bessere Zukunft stärken müssen, versucht die herrschende Politik unter dem Deckmantel von Kulturkämpfen, Integrationsunfähigkeit, und Terrorgefahr einen Keil zwischen Migranten und Deutsche zu schieben“, warnte Düzgün Altun vom Bundesvorstand der DIDF. Er forderte, denjenigen politischen Kräften unter den Migranten auf die Finger zu schauen, die, die „aufrichtigen Gefühle“ der Muslime missbrauchen. „Das Ganze allein von der Perspektive des Glaubens und der Kultur zu betrachten, wäre fatal. Die verschiedenen Religionen und Kulturen können miteinander auskommen, insofern die gemeinsamen Interessen erkannt und in den Vordergrund gestellt werden. Dafür stehen wir als DIDF ein.“ Der gemeinsame Kampf mit den Verbündeten der müsse gestärkt werden. Altun verlangte, die Gewerkschaften zu stärken und sich in Betrieben und Schulen sowie Universitäten noch mehr zu engagieren.
„DIDF ist sehr attraktiv für Jugendliche“
Auch wurde die Jugendarbeit der DIDF auf der Konferenz diskutiert. Neben positiven Beispielen für erfolgreiche DIDF-Jugendarbeit wurde auch über Schwächen und Mängel gesprochen. Unter anderem wurde über den Einfluss der religiösen und nationalistischen Organisation diskutiert und wie man diesen, durch die Hervorhebung der eigentlichen Gemeinsamen sozialen wie politischen Probleme entgegen wirken kann. Die Ausrichtung der DIDF-Jugendarbeit in der Basis soll in der kommenden nächste Zeit gestärkt werden. Das hatte die DIDF-Jugend schon auf ihrer eigenen Konferenz drei Wochen zuvor beschlossen. Die DIDF-Jugend will in den nächsten Monaten verstärkt in Schulen und Ausbildungszentren aktiv werden, um auch diese Gruppe an den Bildungsstreiks und Aktivitäten im April und Juni zu beteiligen. Die jungen Delegierten haben sich für die zukünftige Arbeit vorgenommen, in kulturellen und sportlichen Bereichen vielfältige Veranstaltungen in verschiedenen Städten durchzuführen. Am Ende des Kongresses wurden fünf junge Delegierte in den Bundesvorstand der DIDF reingewählt.

Grüße an die Antifaschisten nach Dresden
Die Delegiertenversammlung bekundete ihre Solidarität mit der antifaschistischen Demonstration gegen  den Nazi-Aufmarsch in Dresden. Als Gast der Versammlung sprach Falk Mikosch (VVN/BdA). Er sagte: „Unsere Aufgabe ist die Schaffung einer Einheitsfront, die nicht nur die faschistische Option blockiert, sondern gleichzeitig eine erfreuliche Option eröffnet. Zwingend notwendig ist das Zusammenrücken und die Zurückstellung zweitrangiger Differenzen. Alle Antifaschisten, welcher Herkunft und Glaubensrichtung auch immer, sollten sich zusammenschließen. Letztendlich geht es ja auch darum den Antifaschismus mit der sozialen Frage zu verbinden.“

„Deutsche Aufrüstung muss aufhören“
Willi Hofmeister (Friedensforum) betonte in seiner Grußrede, dass es bei den Kriegen, an denen Deutschland beteiligt ist, nicht um das „humanitäre Völkerrecht“, sondern um die Durchsetzung des Zugriffs der reichen kapitalistischen Staaten auf die Rohstoffsressourcen gehe. Weiter sagte er: „Krieg ist und bleibt ein Verbrechen an der Menschheit und ist zugleich der größte Terror. Rüstung bedeutet Vorbereitung zum Krieg und ist die Verschwendung an Ressourcen, die der nächsten Generation fehlen werden.” Er forderte die Bundesregierung auf, die Soldaten aus Afghanistan zurückzuziehen und Geld nicht für Aufrüstung auszugeben.

„Öffentlich statt privat“
Der  dritte Gastredner war der Landesvorsitzende der Linken in NRW, Wolfgang Zimmermann. Er griff die Krisenpolitik der etablierten Parteien an. „Alle herrschenden Kräfte und etablierten Parteien versuchen die Auswirkungen dieser Krise zu verheimlichen.“ Zimmermann forderte eine gebührenfreie Bildung. „Wir sind für die Abschaffung der Studiengebühren, eine gebührenfreie Kita, wir sagen öffentlich statt privat, und es darf keine Privatisierung öffentlichen Eigentums geben.“

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: