Der Arbeitsmarkt ist voller Vorurteile – Serkan und Fatih kriegen eine Absage

image-11177-galleryV9-jxuqBei einem türkischen Namen haben Jobbewerber immer schlechtere Aussichten. Dies fanden Arbeitsmarktforscher an der Universität Konstanz bei einem aufwendigen Forschungsexperiment heraus. Sie schickten 528 Online-Bewerbungen los, immer mit einem eindeutig türkisch und einem eindeutig deutsch anmutenden Bewerbernamen. Der Name wurde den Bewerbungen immer zufällig zugelost. Die Wissenschaftler erfanden fiktive Studenten und bastelten ihnen Bewerbungen für ein 1,5 bis 6 Monate andauerndes Praktikum, wobei sie Namenslotto spielten. Hierbei gingen Serkan und Fatih meistens leer aus und Tobias und Dennis bekamen meist das Praktikum.

Die erfundenen Personen z.B. Fatih Yildiz und Tobias Hartmann sich sehr ähnlich sind, beide Anfang 20, studieren im 4. Semester Wirtschaftswissenschaften, beide in Deutschland geboren, haben deutsche Pässe, Deutsch ist ihre Muttersprache und ihre Schul- und Uni-Leistungen sind hervorragend. Diese Bewerbungen wurden an viele große und ein paar kleine Unternehmen geschickt. Der einzige Unterschied ist im Grunde der Name, der eine hat türkische Wurzeln und der andere deutsche. Aber genau damit hängt zusammen, was mit ihren Bewerbungen geschieht.

Mit dem falschen Namen hat man kaum eine Chance

Das Ergebnis der Untersuchung lässt nichts Gutes ahnen, selbst bei makellosen Qualifikationen

werden in Deutschland die Bewerber, wo eine türkische Herkunft vermutet wird, deutlich benachteiligt. So bekamen die Bewerber mit deutschen Namen 14 Prozent mehr zusagen, als die mit türkischen Namen. In kleineren Firmen ist die Diskriminierung sogar deutlicher, hier hatten die fiktiven Bewerbungen mit den deutschen Namen sogar 24 Prozent bessere Chancen, als die mit den türkischen Namen. Die Studie belegt für Deutschland, dass Bewerber mit ausländischen Namen eine viel schlechtere Chance auf dem Arbeitsmarkt haben und es eine Bewerber-Diskriminierung gibt.

Die Forscher vermuten allerdings, dass bei „mittelmäßigen Noten deutlich mehr diskriminiert wird“ und die Vorurteile noch krasser zum Vorschein kommen würden. Denn bei diesem Experiment wurde mit exzellenten Bewerbungen und Zeugnissen untersucht. Wenn „durchschnittliche Studierende“ sich auf eine Stelle bewerben würden, hätten dort die Serkan`s oder Fatih`s wahrscheinlich kaum noch eine Chance. Ähnliche Studien aus den USA, Schweden und Griechenland belegen eine Benachteiligung ethnischer Minderheiten – und oft fällt sie noch krasser aus, meist mit Diskriminierungs-Wahrscheinlichkeiten von bis zu 50 Prozent bei durchschnittlichen Bewerbern.

Der „Teufelskreis der Diskriminierung“ und der Abbau von Vorurteilen können nach Ansicht der Forscher erst geschehen, wenn benachteiligte Migrantengruppen die Möglichkeit bekämen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu demonstrieren. Dies könne allerdings nicht nur durch Gesetze erzwungen werden, es bedarf eines Umdenkens seitens der Arbeitgeber, so die Wissenschaftler.

Ausländische Studierende sollen mehr Studiengebühren bezahlen?

Ausländische Studierende aus Nicht-EU-Staaten sollen nach Ansicht von Andreas Pinkwart (FDP) und Jürgen Zöllner (SPD) höhere Studiengebühren zahlen.

Der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) fordern für wohlhabende ausländische Studierende aus Nicht-EU-Staaten höhere Studiengebühren. In England, Australien und USA sorgten die ausländischen Studierende für ein finanzielles Plus an den Universitäten, nur in Deutschland zahle man kräftig drauf, so Pinkwart der Wochenzeitung „Die Zeit“ gegenüber. Für EU-Bürger käme die Idee natürlich nicht auf, da sie weiterhin wie Deutsche behandelt werden müssten.

Nach den allgemeinen Studiengebühren ist dies ein weiterer Schritt in das „Zwei-Klassen-Bildungssystem“. Obwohl Tausende von Studierenden protestierten, zeigt sich, dass der Staat die Bildung immer noch als Ware und nicht wie gefordert als Menschenrecht sieht. Diese „neue“ Diskussion scheint nichts anderes darzustellen, als eine weitere institutionelle Diskriminierung, wenn z.B. ein japanischer Student mehr Studiengebühren bezahlen soll, als z.B. eine spanische Studentin. Die Forderung der Studierendenbewegung ist die generelle Abschaffung der Studiengebühren für alle! Bund und Länder sollten darauf hinarbeiten, die Studiengebühren ganz abzuschaffen, ausreichend Studienplätze zu gewährleisten, bessere Lehrbedingungen und gute soziale Infrastrukturen für ihre Studierenden zu schaffen.

NL

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