Gestern wie heute – Hand in Hand für Gleichberechtigung

Auf Initiative von Clara Zetkin im Jahre 1910 steht der Internationale Frauentag seit nunmehr 100 Jahren für den unermüdlichen Einsatz von Frauen für ihre Gleichberechtigung. Der 8. März steht für das Recht der Frauen auf Gleichstellung, für ihre körperliche Unversehrtheit und das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben.

Von der Vergangenheit….

Erstmals am 8. März 1857 traten Textilarbeiterinnen in New York in einen Streik. Sie gingen für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und für die Senkung der Arbeitszeiten von 16 auf 10 Stunden auf die Straßen. Genau 50 Jahre später, am 8. März 1908, legten 129 Arbeiterinnen der Textilfabrik Cotton in New York zusammen mit anderen Arbeiterinnen für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ihre Arbeit nieder.

…zur Gegenwart

Die Frauenbewegung zu Beginn der 70`er Jahren konnte viele Rechte erkämpfen. Frauenrechtlerinnen plädierten stets für die ökonomische Selbständigkeit und Selbstbestimmung von Frauen. Es war kein einfacher Weg oder kann sich noch jemand an diese Tatsachen erinnern: Die Vernachlässigung der weiblichen Haushaltspflicht war bis vor 30 Jahren ein ausreichender Scheidungsgrund (!), Arbeitsverträge von Frauen erhielten nur per Unterschrift ihrer Ehemänner ihre Gültigkeit. Gleichzeitig hatten Ehemänner das Recht, Arbeitsverträge ihrer Ehefrauen zu kündigen. Diese mittelalterliche Rechtslage hat die deutsche Frauenbewegung schließlich in den 70`er Jahren aufgebrochen, welches ein wichtiger Sieg für Frauenrechte darstellt. Frauenarbeit ist heute zwar eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit, dennoch gibt es weiterhin unzählige Formen ihrer Benachteiligung. Frauen verdienen bis 23 Prozent weniger Lohn als Männer, wohlbemerkt auch sehr häufig bei gleicher Tätigkeit. Ihre Arbeitsbedingungen sind prekär: Frauen gehören zu den Geringverdienenden, sie stellen den Großteil der Minijobber und Teilzeitkräfte dar. Mit der Einführung von Hartz-Gesetzen wurde ihre Verarmung schließlich massiv vorangetrieben. Doch Frauen wehren sich, so wie es der Arbeitskampf der Gebäudereinigerinnen eindrucksvoll zeigte und in vieler Hinsicht lehrreich war.

Rolle rückwärts

Das Leben von Frauen beinhaltet heute nicht mehr das Gebären und Umsorgen von Kindern. Dennoch werden immer wieder Debatten mit der Tradition „alter Werte“ laut, in denen arbeitende Frauen als Rabenmutter verpönt werden. Frauen müssen sich auch heute gegen überkommene Rollenzuweisungen wehren, die sie zurück in das alte Familienbild drängen wollen. Ein aktuelles Beispiel stellt die geplante Einführung des Betreuungsgeldes dar, das durchweg ein sozial- und gleichstellungspolitischer Rückschritt ist. Statt das Angebot an Kita-Plätzen auszubauen, flächendeckende Kinderbetreuung zu garantieren, will die CDU-FDP Regierung die Aufgabe der Erziehung völlig auf die Schultern der Frauen wälzen. Der Protest gegen dieses frauenfeindliche Vorhaben benötigt mehr Unterstützung und breitere Beteiligung.

Migrantinnen

Gerade Migrantinnen sind aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sozialen Herkunft und schließlich aufgrund ihrer nationalen Herkunft einer Reihe von Diskriminierungen ausgesetzt. Aktuelle frauenpolitische Forderungen müssen daher die konkreten Problemlagen und Bedürfnisse der Migrantinnen aufgreifen und einschließen. Dazu gehören die erleichterte Anerkennung von Berufs- und Bildungsabschlüssen, die im Ausland erworben wurden, sowie ein vom Ehemann unabhängiges Bleiberecht. Aber auch der Ausbau von beruflichen und sprachlichen Förderangeboten für Migrantinnen zählt zu diesen.

Für die Rechte der Frauen

Die Geschichte von Menschen, die sich für ein besseres, menschenwürdiges Leben eingesetzt haben, ist gleichzeitig die Geschichte der Frauen. Kein anderer Tag als der 8.März symbolisiert das Streben und das Handeln der Frauen für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. In einer Welt, in der Kriege toben, Millionen von Menschen in Armut leben und Diskriminierungen gegen Frauen weiterhin bestehen, ist gerade mehr denn je wichtig, auf Grundlage gemeinsamer Forderungen zusammen zu kommen und dafür zu kämpfen.

Sidar Aydinlik-Demirdögen (Vorsitzende des Bundesverbandes der Migrantinnen)

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