Über die Verwirklichung der Integration

integration

Ein Artikel über die Integration der Migranten und deren “Integrationsunwilligkeit” war längst fällig. Mit der “spätrömischen Eselei” des Guido Westerwelle bezüglich der Bedeutung des Karlsruher Hartz-IV-Urteils scheint ein günstiger Moment für differenzierte Betrachtungen gekommen zu sein.

Was hat nun das Eine mit dem Anderen zu tun? Zugegeben, inhaltlich eher wenig, doch die Art und Weise, wie der von der Metallzeitung (IG Metall) zurecht als “Pflaume des Monats” gekrönte Guido hier agiert hatte, offenbarte wieder einmal einen Charakterzug der bürgerlichen Politik. Nämlich, grundlegende Tatsachen mit einer ebenso perfiden wie kalkulierten Kampagne zu verdrehen!

Integration als das Allgemeine

Erfreulicherweise war Westerwelle mit seiner Ambition, die noch im Januar als “Mövenpick-Partei” entblößte FDP, als die “dem Volk die Wahrheit sagende” Partei darzustellen, nicht sehr erfolgreich gewesen. Sogar der von Westerwelle am politischen Aschermittwoch unternommene Versuch, “von einer spätrömischen Eselei bei gleichbleibender Lautstärke ein wenig abzurücken” (Heribert Prantl in der SZ vom 18.02.10), wurde ihm nicht abgekauft. Das alles ist positiv; doch Gleiches geschieht nicht immer, wenn über die Integration der Migranten und deren “Integrationsunwilligkeit” debattiert wird!

Selbstverständlich hat dieser Mangel nichts mit den Deutschen schlechthin zu tun, die die Migranten eben mit Argwohn betrachten bzw. begegnen. So eine Feststellung ist oberflächlich, entspricht auch der viel komplexeren Wirklichkeit nicht. Das eigentliche Problem ist hier, dass das Durchschauen von allgemein gesellschaftlichen Problemen, insbesondere sozialen Problemen erschwert wird, wenn diese explizit kulturalisiert werden. Ohne Zweifel erleichtert diese Erschwerung die Demagogie darüber.

Zunächst zur Methode des Ganzen. Nach dem Duden bedeutet Integration: “Wiederherstellung eines Ganzen; Wiederherstellung einer Einheit [aus Differenziertem]; Vervollständigung”. Die Frage ist, ob dieser allgemeine Begriff ihre Unmittelbarkeit verliert, wenn von der “Integration der Migranten” gesprochen wird. Anscheinend ja; denn die Integration bezieht sich hier auf die Migranten. Doch, wie sieht es mit dem Begriff die „Migranten” selbst aus? Auch dieser Begriff ist allgemein. Dieser allgemeine Begriff würde seine Unmittelbarkeit verlieren, wenn er auf die Nicht-Migranten; d.h. im konkreten Fall auf die Deutschen bzw. die Mehrheitsgesellschaft bezogen wäre. Beim genaueren Hinsehen ist aber zu erkennen, dass auch dieser Bezug uns nicht weiterbringt, weil auch die “deutsche Mehrheitsgesellschaft” zu unmittelbar, also allgemein ist.

Von der “Integration der Migranten” zu sprechen ist daher insofern nichts sagend, weil es alles sagend ist! D.h. die Debatte auf dieser Ebene zu führen, bedeutet nichts weiter, als sich stets an Teilwahrheiten zu halten, ohne das Wahre gesagt zu haben, das bekanntlich “das Ganze“ ist. Genauso, wie in der populistischen “Eselei” eines Westerwelles auch eine Teilwahrheit zu finden ist, wenn er, auf die Existenz von „unwilligen“ Menschen hinweisend, Demagogie betreibt.

Diese Menschen gibt es, doch deren Zahl ist angesichts des gesellschaftlichen Ausmaßes und der wirklichen Hintergründe der Arbeitslosigkeit völlig unbedeutend. Wobei dann auch noch über die Ursachen zu diskutieren wäre, weshalb Menschen derart ihren Mut und ihre Kraft verlieren; wieso also eine kapitalistische Gesellschaft derartige Hoffnungslosigkeit produziert.

Kurzum, die Methode mit der wir es zu tun haben, ist, dass die Unmittelbarkeit (“Integration”) dazu benutzt wird, um durch aussprechen von Teilwahrheiten (“Integrationsunwilligkeit”) das Allgemeine (“Integration der Migranten in die Mehrheitsgesellschaft”) zu überlagern bzw. zu verzerren. Durch eben diese Überlagerung bzw. Verzerrung des Allgemeinen durch das Einzelne wird vor allem die Wahrheit dem deutschen und nicht-deutschen “kleinen Mann” vorenthalten.

Formelle und reale Integration

Nun wissen wir aber, dass „der gewöhnliche Ausdruck“ dazu beiträgt, „die wesentliche Natur der Sache in Schatten zu setzen“. Ja, mehr noch, “dass nämlich in ihrer Bestimmung vielmehr das Gegenteil von dem liegt, was der Ausdruck besagt“ (Hegel).

Wie also die Integration bestimmen? Dass dieses konkrete Setzen politisch nicht unmittelbar ist, liegt auf der Hand. D.h. letztendlich erfolgt die inhaltliche Bestimmung des Begriffs auf der Grundlage der jeweiligen, die Klasseninteressen widerspiegelnden Weltanschauung.

So ist es z.B. kein Zufall, dass der bürgerlichen Auffassung der “Integration von Migranten” überhaupt ein idealistisches Weltbild zugrunde liegt. Der Idealisierung der Integration geht nämlich die Idealisierung der deutschen Gesellschaft vor. Obwohl es durch die soziale Wirklichkeit schon längst auf den Kopf gestellt ist, wird das idealistische bürgerliche Selbstbild Deutschlands zum Maßstab für die Integration des Migranten gemacht. Erinnert sei hier nur an die Debatten über die „Leitkultur“ und allerlei Verinnerlichungsanordnungen von bürgerlichen Werten.

Ein anderes Beispiel ist die Gleichung: Integration = Teilhabe. Erfolgreiche Integration = gerechte Teilhabe. „Teilhabe, das ist für mich die tiefere Bedeutung von Integration“, sagt der Integrationsminister des Landes NRW, Armin Laschet. Klingt schön und wohlwollend.

Doch wenn erfolgreiche Integration gerechte Teilhabe bedingt, dann stellt sich die Frage, wie die hier suggerierte Chancengerechtigkeit erreicht werden kann. Sie formell zu gewähren und real zu erreichen sind zweierlei; wobei in Deutschland nicht mal das Formelle (also gleiche Rechte für alle) ganzheitlich gewährt ist.

Eine interessante Widersprüchlichkeit offenbart sich uns hier: Zum einen ist eine reale Chancengerechtigkeit in der bürgerlichen Gesellschaft eine Phrase, weil sie nur formell, aber nicht real bestehen kann (Man sollte sich von der bürgerlichen Politik nicht in die Irre führen lassen. Obwohl sie in Wirklichkeit den Interessen des Kapitals dient, umhüllt sie dies mit ihrer kritisierenden Moral, die wesentlich nichts weiter darstellt, als eine moralisierende Kritik von real sozial-ökonomischen Verhältnissen. So ist die Forderung nach Chancengerechtigkeit für sich genommen nicht falsch. Andererseits ist aber zu berücksichtigen, dass in einer in Klassen geteilten kapitalistischen Gesellschaft die Gewährung von formeller Chancengerechtigkeit nicht gleichbedeutend ist mit realer Chancengerechtigkeit! Dafür bedarf es die Aufhebung des Kapitalverhältnisses, das überhaupt das ganze gesellschaftliche Leben bestimmt. Trotzdem ist aber der Kampf um formelle Chancengerechtigkeit nicht sinnlos, weil sie, obwohl zwar noch nicht die Lösung selbst, aber indem sie die Form der Lösung darstellt, überhaupt den gesamten Kampf um die reale Lösung ebnet). Zum anderen aber ist diese formelle Wirklichkeit nicht mal für viele Migranten real; d.h. Chancengerechtigkeit existiert für sie weder formell noch real. Und für Migranten, die deutsche Staatsbürger geworden sind, besteht die Chancengerechtigkeit zwar formell, aber sie ist für sie in doppeltem Sinne nicht wirklich real; zum einen aufgrund der widersprüchlichen sozialen Wirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft und zum anderen aufgrund der eigenen ethnisch-kulturellen Herkunft (z.B. Benachteiligung von Migranten im Berufsleben, trotz des deutschen Passes und trotz der gleichen beruflichen Voraussetzungen).

Wir sehen also, wie der Widerspruch zwischen dem formellen Anspruch und der realen Wirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft im Falle der Migranten (und somit in der Frage der Integration) eine Verdoppelung erfährt. Wie der Migrant sich selbst in der Mehrheitsgesellschaft sieht, wie er die Mehrheitsgesellschaft selbst wahrnimmt und wie er glaubt, von ihr wahrgenommen zu werden; wie die Mehrheitsgesellschaft den Migranten sieht, welchen Platz sie ihm in ihr gibt und wie sie glaubt, von ihm selbst wahrgenommen zu werden… All dies wird durch die besagte Verdoppelung verzerrt.

Bürgerlicher Horizont als das Absolute

Fatal daran ist jedoch, dass die ethnisch-kulturellen Unterschiede hier als der Grund dieser Verdoppelung erscheinen, obwohl sie doch eigentlich nur dessen Formbestimmungen sind. Der Kulturalisierung der sozialen Probleme durch die bürgerliche Politik, entspricht die Sozialisierung der Kultur seitens der Migranten selbst. Durch die bürgerliche Politik wird die Kultur des türkeistämmigen Migranten als ein Hindernis bzw. Grund seines sozialen Misserfolges angeführt (DER SPIEGEL: ‚Warum die Türken sich nicht integrieren, während andere erfolgreich sind‘ etc.). Der sozial benachteiligte Migrant indessen, flüchtet angesichts seines realen negativen sozialen Zustandes in diese von der bürgerlichen Politik problematisierte Kultur und Religion. Ja, seine Kultur und Religion wird sogar ein Ort der gesellschaftlich sozialen Regeneration für ihn. Derartige sozial und politisch bedingte aktive (äußerliche) und reaktive (innerliche) Festsetzungen in der Kultur und Religion, fördert auf beiden Seiten (den Deutschen und Migranten) die Stärkung der jeweiligen reaktionären und nationalistischen Kräfte. Es besteht eine das Zueinander polarisierende, die Erklärung des Einen durch den Anderen begründende negative Wechselwirkung. Die seit einigen Jahren betriebene politische Eindimensionalisierung des türkeistämmigen Migranten als Muslim ist z.B. ein konkretes Ergebnis dieser negativen Wechselwirkung. Es mag sein, dass das politische Christentum nicht nur im Sinne der Nächstenliebe, sondern auch aus politischem Kalkül heraus wohlwollend in dem Muslim sich selbst erkennt. Doch das Sich-selbst-erkennen-in-dem-Anderen gilt viel stärker für die bürgerlichen Regierungen, die ihre jahrelang betriebene Integrationspolitik ausblendend, gerne Phrasen über die Erstarkung „des islamischen Fundamentalismus“ unter den Migranten dreschen, ohne sich selbst dort erkennen zu wollen.

Dieser Umstand (der Verdoppelung) ist es eben, der den bürgerlichen Demagogen das Handwerk erleichtert und der ihm die Möglichkeit gibt, ohne viel Aufwand die „Integrationsunwilligkeit“, die wenn überhaupt vor allem ein Resultat der formellen als auch realen Integrationsdefizit ist, lediglich als die Ursache des Defizits hinzustellen – Um es kurz auszuführen: Das Argument „Integrationsunwilligkeit“ wird sogleich zur eine Tautologie sobald es von in Verantwortung stehenden bürgerlichen Politikern selbst anklagend ins Feld geführt wird. Es spricht die politisch Verantwortlichen nicht frei, wenn eine Gruppe von Menschen „unwillig“ geworden sind; umgekehrt wird daraus ein Schuh: Die Tatsache „Unwilligkeit“ ist ein Indiz des Misserfolges der betriebenen Politik. Diesen Indiz als einen Grund zur Fortführung der Politik zu machen, die eigentlich das Angeklagte überhaupt erst mit hervorgebracht, ist entweder Dummheit oder politisches Kalkül, das Interesse an dem Fortbestand des angeklagten Missstandes hat! Andererseits: „Unwillig“, „widerwillig“ oder „nicht wollen“ sind geistige Haltungen bezogen auf bestimmte objektive Zustände. Wenn hier keine besonderen psychologischen Probleme vorliegen (und das will man ja nicht einer ganzen Gruppe von Menschen unterstellen, oder?!), dann kann es sich bei diesen geistigen Haltungen nur um eine Reaktion auf die bezogenen objektiven Zustände handeln. Ob diese Reaktion richtig oder falsch ist, ist etwas völlig anderes. Die Reaktion auf diese objektiven Zustände aber, als die Ursache dieser Zustände selbst anführen, ist nicht redlich. “Wollen zu können ist das größte Glück“ sagte mal der englischer Philosoph Hobbes. Bitte schön: Da soll mal uns ein bürgerlicher Politiker einen rationellen Beweis liefern, warum hier geborene Migrantenkinder nicht das „größte Glück“ erstreben wollten!

Doch zurück zum Thema. Weil der erwähnte Widerspruch zwischen der bürgerlichen Ideologie und der realen Wirklichkeit der kapitalistischen Gesellschaft in der Frage der Integration eine ethnisch-kulturelle Formbestimmung erfährt und weil diese Formbestimmung die wirklichen sozialen und wirtschaftlichen Probleme doppelt verzerrt,  kann eine richtige Bestimmung von Ursache und Wirkung nur durch eine mühsame Rück-Vermittlung (bzw. doppelte Vermittlung) erreicht werden. Rück-Vermittlung bedeutet hier, „Entkulturalisierung“ von sozialen, politischen und wirtschaftlichen Problemen oder umgekehrt gesagt, die Bestimmung von Ursachen, die ethnisch-kulturelle Unterschiede zu sozialen, politischen und wirtschaftlichen Problemen mutieren lassen.

In seiner Allgemeinheit kann daher die Integration von Migranten, wenn überhaupt, als die (Wieder)herstellung eines formellen Ganzen auf der Grundlage von gleichen Pflichten und Rechten für Alle bedeuten. Indessen darf aber dabei nicht vergessen werden, dass die bürgerliche Integrationspolitik nicht mal dies von alleine wird wollen können (Der berühmte „Unwille“ ist eher hier ausfindig zu machen!).

Der Kampf um gleiche Rechte und Pflichten für Alle ist daher nicht unbedeutend, denn diese gehören zu den primären Vorbedingungen einer realen Integration. Doch für die Lohnabhängigen, die mit den werktätigen Migranten objektiv eine soziale Klasse bilden, kann es damit nicht getan sein. Hier gilt es, die Hegemonie des bürgerlichen Horizonts zu brechen.

Verwirklichung der Integration

In Anbetracht der historischen Ansprüche wie „Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit“ stellt die bürgerlich-kapitalistische Wirklichkeit mit ihrer Massenarbeitslosigkeit, Armut, Rassismus, Kriegen etc. eine Bankrotterklärung dar. Die Existenz von Millionen Menschen, die nicht gleiche Rechte haben, ist nur ein weiterer Indiz dieser Bankrotterklärung. Doch dieses „Unvermögen“ ist geleitet von Klasseninteressen des Kapitals. So wie es Arbeitslose braucht, um den Preis der Ware Arbeitskraft zu drücken, so braucht es auch stets eine Gruppe von Menschen mit eingeschränkten Rechten. Ihre Existenz ist für das Kapital nicht nur wirtschaftlich von belang, um z.B. die Löhne nach unten zu drücken und die Konkurrenz unter den Arbeitern forcieren zu können, sondern auch politisch von großer Bedeutung, um eben Sündenböcke zur Reproduktion von Vorurteilen zu haben, dadurch das gemeinsame Handeln der Lohnabhängigen erschweren und auch die wirklichen Ursachen von sozialen Missständen verschleiern zu können. Also als Medium fürs falsche Bewusstsein!

Daher kann die Integration von Migranten für die Klasse der Lohnabhängigen nicht nur eine formelle bleiben, sondern sie muss zugleich realer Natur sein. Wie ist das zu verstehen? Die Verwirklichung der Integration kann sich ja nicht so vollziehen, dass die Gruppe der Migranten in die Mehrheitsgesellschaft als Ganzes integriert wird. In einer kapitalistischen Gesellschaft kann der Weg der Verwirklichung der Integration nur der sein, dass sich die einzelnen Migranten in die jeweiligen, ihren konkreten sozialen Stand entsprechenden Klassen und Schichten der Mehrheitsgesellschaft integrieren. Nur so wird die Unmittelbarkeit der Integration aufgehoben und konkret gesetzt. D.h. aber auch, dass die Aneignung der Kultur der Mehrheitsgesellschaft durch die Migranten nicht eine allgemeine „Deutsche Kultur“ schlechthin sein kann, sondern eine bestimmte, eben die jeweilige Kultur und das Bewusstsein der entsprechenden Klasse und Schichten der Mehrheitsgesellschaft. In dieser Bestimmtheit, in dieser konkreten Setzung wird sie überhaupt allgemeine „deutsche Kultur“.

Nun wissen wir von Marx, dass „das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt“ und nicht umgekehrt. Dass diese Bestimmung nicht grob mechanisch, sondern über Umwegen erfolgt, sollte klar sein. Bei einem Migranten jedoch, der z.B. ein Arbeiter ist, haben wir noch das zusätzliche Problem, dass bei ihm die Bestimmung des Bewusstseins durch das gesellschaftliche Sein viel verzerrter erfolgt, vielmehr Umwege durchmacht, als bei einem deutschen Arbeiter. Umgekehrt gesagt: Integrationsdefizite verzerren und erschweren die bestimmende Vermittlung zwischen dem gesellschaftlichen Sein und das Bewusstsein.

Die reale Integration bedeutet für die Arbeiterklasse daher vor allem die Realisierung ihrer Einheit. Entscheidend und wichtig hierbei ist jedoch der Aspekt, dass diese Einheit nicht reduziert werden darf auf die jeweilige, spontan anstehende Aktionseinheit, so ungeheuer wichtig sie auch ist. Die Einheit, also die reale und bestimmte Integration, ist eine Einheit, die sich zugleich auf ein bestimmtes Bewusstsein von der Klasse bezieht und zur ihrer Bildung hinarbeitet. Solch ein Bewusstsein von der eigenen sozialen Klasse impliziert das Bewusstsein der Identität der Interessen als Klasse. Die Identität der Interessen statt Interessen der Identitäten bedeutet eben in dieser Bestimmtheit, Entwicklung des Klassenbewusstseins.

Der Prozess der realen Verwirklichung der Integration von lohnabhängigen Migranten bedeutet daher wesentlich nichts anderes, als die allgemeine Entwicklung des Klassenbewusstseins unter den einheimischen und ausländischen Arbeitern überhaupt. Schließlich kann nur ein über den bürgerlichen Horizont stehendes Klassenbewusstsein, jene polarisierend wirkende ethnisch-kulturellen Unterschiedlichkeiten depolarisieren und sie auf der Grundlage der Identität der Interessen zu einem neuen Ganzen verschmelzen.

Dass dies alles nicht von alleine geschehen kann, dass die beiderseitige bewusste und aufklärende Arbeit hier unabdingbar ist und eine vielseitige Förderung von kultureller Öffnung und gegenseitiger Akzeptanz bedingt und dass in diesem Zusammenhang allen voran den Gewerkschaften, aber auch allen fortschrittlichen Kräften eine viel stärker koordinierte und die bisherige Praxis überholende Aktivität zu kommt, ist unbestreitbar.

Und last, but not least: Es ist eben auch ein Prozess, der noch durch so mancher „Eselei“ stets von Neuem durchkreuzt sein wird! Doch dies ist ein Umstand, der nur verdeutlicht, wie wichtig es ist, solche den tendenziellen Prozess umkehrenden Gegentendenzen, die im Kapitalismus unausweichlich sind, gemeinsam Paroli zu bieten.

GAZİ ATEŞ

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: