Ein Comedian mit „Migrations-Vordergrund“!

d8Abdelkarim_Pressefoto_300dpi_2010

Deine Shows sind ganz anders, als das was man bisher aus der Medienwelt kennt. Du bedienst dich nicht einfach nur an Klischees, sondern verpackst sie sehr geschickt in eine Story. Spielst du auf die Missstände in unserer Gesellschaft an, wenn du Themen wie „Integration“ oder den „Unterschied zwischen Deutschen und Migranten“ behandelst?
In erster Linie möchte ich Leute zum Lachen bringen und unterhalten. Dabei möchte ich aber nicht einfach nur Witze erzählen, sondern so viel wie möglich wahre Storys rein packen. Die lustigsten Geschichten schreibt nun mal das Leben. Und so kommt es oft vor, dass der Zuschauer bei der ein oder anderen Story denkt „ Dieses Problem ist mir durchaus bekannt!“ oder „ Alter krass, isch kenn diese!“ Wenn ich mal ein gesellschaftliches Problem anspreche, dann ohne es zu wollen. Den Lösungsvorschlag überlasse ich gerne dem Zuschauer. Ich habe schon einige Lösungsvorschläge per email erhalten (z.B. Entwaffnung der Polizei).

Warum Kriminalisierst du dich als Migrant oft in deiner Show? Hast du eine Vergangenheit von der wir nix wissen?
Ich fürchte ich habe sogar eine Vergangenheit, von der ich nichts weiß. Ab und zu passiert es mir auf der Bühne und ich erzähle Sachen, die ich selber schon vergessen hatte, die dann aber auf einmal „huchmäßig“ das Rampenlicht suchen. Zum Glück ist es so, dass die Geschichten von den Zuschauern immer anders aufgefasst werden. Je nachdem woher der Zuschauer kommt, ist es für ihn einfach ne lustige, erfundene Story oder doch eine Story, die wirklich so passiert sein könnte. Es gibt zum Beispiel tatsächlich Deutsche, die mir nicht glauben wollen, dass viele Südländer nur Türsteher geworden sind, weil sie wissen, dass sie am Wochenende eh nirgendwo reinkommen würden.
Eine deiner Shows ist durch deinen bisherigen Bildungsweg geprägt, wie schwer war es wirklich für dich von einer Hauptschule zur Universität und dann auf die Bühne zu kommen?
Das war zwar nicht unbedingt leicht, aber trotzdem viel leichter als man als Aussenstehender denken könnte. Ich hatte das Glück, dass ich in der Hauptschule ausschließlich coole, kompetente, handelnde LehrerInnen hatte. Aus meiner 10. Klasse in der Hauptschule ist soweit ich weiß keiner auf der Strecke geblieben. Das lag an ehrgeizigen Schülern und Lehrern mit viel Fingerspitzengefühl, die die Energie der Schüler in die richtige Richtung gelenkt haben.

Mittlerweile genießt du ja einen bestimmten Bekanntheitsgrad, war es schwer für dich als „Bürger mit Migrationshintergrund“ in der Szene durchzusetzen?
Ich habe zwar bis jetzt einige Sachen erreicht, die ich mir immer gewünscht habe, aber durchgesetzt habe ich mich bis jetzt nicht. Es gibt zig gute Comedians und je nachdem was die Zuschauer bewegt und was sie sehen möchten, ist mal der im Kommen und mal ein Anderer. So gesehen ist die Herkunft egalstens. Die Zuschauer lachen nicht über die Herkunft, sondern über die Story. Ein Vorteil bei mir lag mit Sicherheit darin, dass ich als Marokkaner eine neue Farbe ins Spiel gebracht habe. Eins habe ich jedoch lernen müssen: Wenn ich unlustige und langweilige Storys erzähle, lacht trotzdem keiner…da hilft auch nicht der NEUE-FARBE-INS-SPIEL-BRING-BONUS.

Du verdrehst gerne negativ besetzte Begriffe wie „Migrationshintergrund“ in „Migrations-Vordergrund“, was bezweckst du damit? Bzw. was meinst du?
Beim Wort „Migrationshintergrund“ ist es einfach so, dass ich diesen Begrifflichkeitswahn einfach nur lustig finde und mich darüber täglich amüsieren kann. Da sitzen irgendwelche gebildeten Menschen, die es ja an sich auch gut meinen, aber sie erfinden komische Wörter und diskutieren dann an den Problemen des Alltags vorbei. Um mal beim Beispiel zu bleiben: Einem Ali ist es am Wochenende egal, ob er als Türke gilt oder als Deutscher mit Migrationshintergrund. Er will einfach nur feiern.

In deiner letzten Show gehst du auf den Generationsunterschied ein(Wie man sich früher und heute als Jugendlicher gegenseitig disst), die einem das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht lässt. Versuchst du damit die Jugend von heute zu erreichen, was an ihrem Verhalten zu verändern?
Wie schon gesagt überlasse ich Lösungsvorschläge gerne den anderen. Comedy ist ja ein Geben und Nehmen:) Mit dieser “Diss-Nummer” wollte ich u.a. den Jugendlichen und Kids von heute zeigen, dass wir früher als Kinder auch hart und asphalt-straßenmäßig drauf waren und uns mit dissen sehr wohl auskennen. Gegen “Sag`mal Wolle!” hat kein Diss eine Chance.

Woher nimmst du die Storys für deine Comedy-Shows? Fallen die dir einfach so mal ein? Oder erlebst du diese Sachen tatsächlich?
Die Inspiration für 90 % meinr gags stammt aus dem Leben. Wenn ich Rapper wäre, würde ich sagen “Mein Ghostwriter ist das Leben.” Viele Geschichten erzähle ich einfach so wie sie passiert sind. Bei vielen aderen Geschichten muss ich dann nachhelfen, damit sie lustig werden. Die erfinde ich dann einfach zu Ende, damit sie bühnentauglich werden. Und ganz wenige Geschichten sind komplett frei erfunden (zum Beispiel ein sprechender Stuhl).

Du bist jetzt seit drei Jahren auf der Bühne und am 28. März trittst du in deiner Heimatstadt Bielefeld auf. Was ist das für ein Gefühl?
Das ist ein richtig cooles Gefühl. Ich freue mich schon jetzt riesig auf die Show! Auch die Zuschauer können sich freuen, denn Comedy ist LIVE am Schönsten! Man lacht nicht den Fernseher an, sondern man lacht mit zig anderen Comedyfans und genießt die Stimmung. Ganz besonders freut mich, dass wir drei richtig gute Comedians für die Show gewinnen konnten. Es wird also ein Pointenfeuerwerk der Superlative!!!

Was sind deine Ziele für die
Zukunft?
Mein nächstes Ziel ist mich verbessern und an meinem ersten Soloprogramm arbeiten. Also Daumen drücken nicht vergessen:)))

Bielefeld NeuesLeben

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: