Wohin geht die Anti-Globalisierungsbewegung – ATTAC?

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Die Probleme der deutschen Sektion der gung unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von den Streitereien der anderen Sektionen.
Vor 10 Jahren sah man sich selbst zunächst als ein Sammelbecken von Globalisierungsgegnern, später achtete man drauf, dass man nicht nur dagegen ist, sondern auch für eine „alternative Globalisierung“ steht. Die Wiederbelebung der Anti-Globalisierungsbewegung im Jahre 1990 hatte ihre Gründe, in den vielen, kleinen Kämpfen der werktätigen Massen und der Bevölkerung gegen die Politik des zügellosen Profitgiers in Entwicklungsländern. Die ideologische Führung aber lag in Europa, in bürgerlichen, demokratischen Kräften in den „führenden“ Industrienationen. Die politische Ausrichtung der Anti-Globalisierungsbewegung jedoch war eine „globale“ Protestbewegung, die gegen den „neoliberalen Konzepten“ eine Alternative bieten wollte.
In einer politischen Situation, wo die sozialistische Bewegungen immer schwächer wurden, der Druck auf die kommunistischen Parteien immer stärker wird, sahen viele in ATTAC ein Lichtblick für die Zukunft des linken politischen Willens.
Die „Köpfe der Bewegung“ -Intellektuelle im Umfeld der französischen „Le Monde Diplomatique“- schafften es, die „europäische Bewegung“ mit den lateinamerikanischen Bewegungen auf eine gemeinsame Linie zu bringen, die in den folgenden Jahren durch die breite Öffentlichkeit als „Alternative Sozialforen“ bekannt wurden. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Fundament von ATTAC in der Solidarität dieser Intellektuellen mit den werktätigen Massen bei den Generalstreiks im Jahre 1995 in Frankreich liegt.
Zwischen den Stühlen
Auf der einen Seite haben wir diejenigen, die im Grundsatz progressiv sind und auf der anderen Seite jene, die diese Bewegung lediglich in Aktionismus innerhalb des vorhandenen Systems einfangen wollen und somit hemmend wirken. Klassenkämpferische Begriffe und Fordrungen nach einer „disziplinierten“ Organisation, werden als stalinistische Methoden abgelehnt. Es geht sogar soweit, dass die gesamte Organisation frei von diesen sein müsse und wenn es nicht anders möglich ist, bekämpft man sich eben selbst. Genau wegen diesem Widerspruch steht die „neue Bewegung“ nicht im Focus der Herrschenden. Es kristallisierte sich immer mehr ein anti-sozialistischer Grundsatz, die dann auch zum Bruch der Bewegung mit dem sozialistischen Gedanken führte.
Der internationale Charakter der Globalisierungskritiker hat es ermöglicht, verschiedene Menschen aus verschiedenen Gesellschaften für eine gemeinsame Sache zu gewinnen. Die Führung der Bewegung übernahmen entweder jene, die in den einzelnen kapitalistischen Gesellschaften tätig sind und die Hoffnung auf ein Systemwechsel schon längst aufgegeben haben oder jene ausgebeutete, ihren Hoffnungen beraubte Menschen in Lateinamerika, die aber den Widerstand nie aufgegeben haben.
Die Bewegung im
Wendepunkt?
Die Anzahl derer, die meinen, dass die „Alternativen Globalisten“ eine neue Phase eingehen müssten, stetig an. Angeregt von den in Lateinamerika gewählten progressiven Parteien, die weitergehende Inhalte und Beschlüsse der einzelnen Sozialforen in ihre Regierungs- und Wahlprogramme aufnahmen, bekam die Bewegung an sich eine besondere Bedeutung. Es wurde offensichtlich, dass der „Gipfel-Tourismus“ und die Globalisierungsbewegung mit ihrem doch so hoch gehaltenen „überparteilichen, ideologiefreien“ Charakter längerfristig keine Erfolge mit sich bringen konnten. Im Grunde genommen ist das ein Selbstbetrug und von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Auch wenn sie den Glanz ihrer Geburtsstunde verloren hat, ist die „Alternative Globalisierungsbewegung“, weiterhin ein wichtiger Akteur der „Opposition“ es ei denn, sie beendet ihre internen Streitigkeiten und könnte sogar bei der Abwehr von imperialistischer Aggression von wichtiger Bedeutung werden. Immerhin hatten 150 Tausend Menschen sich am Sozialforum in Belen teilgenommen.

Fatıh Seyhan
Übersetzung : Cağri Tükel

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