„Radikale Reform des Bildungssystems“

Schüler, Studierende und Auszubildende in NRW fordern eine radikale Reform des Bildungssystems. „Unsere Bildungssituation muss sich konkret verbessern, sowohl qualitativ als auch materiell. Die Politiker müssen unsere Sorgen endlich ernst nehmen, damit wir eine Chance auf gute Bildung und Ausbildung haben“, erklärten Sprecher der Initiative „Wähl deine Bildungsperspektive“. Sie kündigten an, dass sich die Initiative mit ihren Forderungen aktiv in den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen einmischen werde. An der Initiative beteiligen sich die DGB-Jugend NRW, LSV-NRW, Landes-Asten-Treffen, Aktionsbündnis gegen Studiengebühren und verschiedene Verbände der Arbeiterjugendbewegung.
Aktionswoche vom 19. bis 22. April
In dieser Woche finden viele verschiedene Aktionen, Proteste und Diskussionsveranstaltungen und ein dezentraler Demonstrationstag am 22. April statt. In vielen Städten in NRW wollen Azubis, Schüler und Studierende zusammen auf die Straße, um ihren Forderungen erneut Ausdruck zu verleihen und ihren Unmut über die herrschende Bildungspolitik in NRW zu zeigen. Die Initiative fordert ein radikales Umdenken in der Bildung und möchte vor den Landtagswahlen am 9. Mai den Protest der vorangegangenen Bildungsstreiks auf die Strassen tragen.

„Eine Schule für Alle“
Die Schülerinnen und Schüler fordern ein längeres gemeinsames Lernen für alle Kinder und Jugendlichen. “In einem Schulsystem, in dem in verschiedene Schulformen unterteilt wird, werden Ungerechtigkeiten nur noch verstärkt. “ meint Benedikt Haumer von der LandesschülerInnenvertretung NRW. Er setze sich auch dafür ein, dass die Schulzeitverkürzung zurückgenommen wird. Mit der Verkürzung des Gymnasiums von neun auf acht Jahren sei der Schulalltag für Schülerinnen und Schüler teilweise unerträglich, da sie in kürzerer Zeit immer mehr lernen und gleichzeitig täglich immer länger in der Schule bleiben müssten. Ein Wechsel zwischen den Schulformen werde zusätzlich erschwert.
Die Schüler kritisieren, dass bei den verbindlichen Empfehlungen in der vierten Klasse Kinder aus Akademikerfamilien bei erbrachten gleichen Leistungen nachweislich häufiger eine Empfehlung für eine höhere Schulform als Arbeiterkinder erhalten. Nicht selten wird dies von Lehrern damit begründet, dass die Eltern dieser Kinder sich schon darum kümmern und im Zweifelsfall auch Nachhilfe bezahlen werden. In einer kompletten Umwälzung des mehrgliedrigen Schul- und Bildungssystems werde dem entgegengetreten.
„Verbesserung der Ausbildungsqualität in Betrieben und Berufskollegs“
Für die Gewerkschaftsjugend ist die Qualität der beruflichen Ausbildung am Berufskolleg ein drängendes Thema. Sie fordern materiell und personell besser ausgestattete Berufskollegs mit guten Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer. “Die Auszubildenden sind es leid in maroden Gebäuden mit veralteter Ausstattung und fehlenden Lehrkräften zu lernen”, so Antonia Kühn von der DGB Jugend NRW. Die Gewerkschaftsjugend setze sich dafür ein, das duale Ausbildungssystem in Betrieb und Berufskolleg zu sichern. Immer wieder kommt es zu Verstößen geltender Gesetze in der Ausbildung. In einigen Branchen kann von Qualität der Ausbildung keine Rede sein. Die Gewerkschaftsjugend fordert daher unabhängige Stellen, die die Unternehmen regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf sanktionieren.

Studiengebühren abschaffen
Die Studierenden sind sich einig, dass die Ziele von Bologna mit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge nicht erreicht wurden. Christiane Schmidt vom Landes-Asten-Treffen beklagt: “Viele Studiengänge sind nicht studierenswert und durch diese Reform unstudierbar geworden. Daran hat sich auch nach den letzten Bildungsstreik-Protesten nichts verbessert.” Die Studierenden fordern einen freien Zugang zu den Hochschulen und sprechen sich für eine sofortige Abschaffung der Studiengebühren aus.

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