Der Spieß wird umgedreht

Die Konzerne und die IHK haben derzeit alle Hände voll zu tun. Angelika Weies, Geschäftsführerin der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, beklagte sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Arbeitsagentur und der IHK Industrie- und Handelskammer über die nicht ausreichende Qualifizierung der Neubewerber. Was für ein Zufall, dass alle zugleich, sei es der DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben oder auch Josefine Steiger, die Leiterin des Ausbildungsservice der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, und deren Kollegen in Dortmund vom selben Schicksal betroffen sind.
„Es sei aber ein bundesweites Problem der die Betriebe beklagt“ so Josefine Steiger.
„Nicht Lehrstellen, sondern Bewerber sind knapp“ so Wansleben weiter. Aber genug mit den Kommentaren der Kammern. Eines liegt auf der Hand: Betriebe und die IHK haben alle Hände voll damit zu tun, die Misere auf dem Ausbildungsmarkt auf die Jugend abzuwälzen. Wir verfolgen seit der Krise und auch davor, dass die Zahl der zur Verfügung gestellten Ausbildungsplätze von Jahr zu Jahr drastisch zurückgegangen ist.
Aber laut der IHK, die gerne für Konzerne und Betriebe die Bauchrednerpuppe spielt, heißt es, dass im Schulabgangsjahr 2009 jeder fünfte Betrieb noch offene Stellen zu Verfügung hatte, weil sie nicht genügend qualifizierte Jugendliche gefunden haben.
Zahl der Ausbildungsplätze um 10% zurückgegangen
Hier wird eindeutig versucht mit aller Kraft den Spieß umzudrehen. Einige Tage vor der Pressekonferenz und den Interviews der IHK Vorstände hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) neue Ausbildungszahlen veröffentlicht. Die Ausbildungsbilanz des BIBB zeigt uns, dass wir im Sommerabschlussjahr 2009, 870 000 Schulabgänger hatten, aber bundesweit standen den Schulabgängern nur 566 000 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Wie Paradox ist es in so einem Fall von dem IHK Hauptgeschäftsführer zu behaupten, dass nicht Lehrstellen, sondern Bewerber knapp sind. In den vergangen Jahren wurden mehrmals falsche Zahlen von der IHK aufgedeckt, auch unter anderem von der DGB.
Anfang des Jahres wurde von der DGB in einer Pressemittelung auch betont, dass die Zahlen der Ausbildungsplätze im Jahr 2010 um 10% zurück gehen werden. Wie unerhört von der IHK einige Tage nach der Veröffentlichung des BIBB, das mit seinen Zahlen mit einem Defizit von etwa 300 000 fehlenden Ausbildungsplätzen rechnet- und das nur im Jahr 2009! Wir haben mittlerweile bundesweit über 2,5 Millionen Jugendliche zwischen 20 bis 29 Jahren, die ohne eine Berufsausbildung auf dem Arbeitsmarkt in prekären Jobs arbeiten, arbeitslos sind oder auch Hartz 4 beziehen. Es ist alles aber kein Zufall; denn genau in diesen Tagen und auch in den nächsten Monaten wird noch oft versucht werden die Jugendlichen in den Mittelpunkt der Probleme zu ziehen. Seit Monaten versucht man die Weltwirtschaftskrise schön zu reden, sie sogar zu leugnen oder auch von ihrem Rückgang zu sprechen. Immer wieder werden neue Zahlen veröffentlicht, dass die Krise vor allem im Metall-Bereich brodelt. Die Herrschenden versuchen die Probleme auf den Einzelnen selbst zu konzentrieren. Aber das Problem an sich ist kein Problem oder die Schuld des Einzelnen. Das die Krise eine kapitalistische ist, ist kein Geheimnis; das heißt auch, dass es nicht die Schuld des einzelnen Jugendlichen ist keinen Ausbildungsplatz zu finden. Es ist die Schuld des bestehenden Systems, das nicht mehr im Stande ist auf den eigenen Beinen zu stehen. Immer wieder versucht das Kapital und der Staat die Schuld auf den Einzelnen selbst abzuwälzen, deshalb ist es auch kein Zufall, dass die IHK die Schuld auf die Jugend schiebt und sie als unqualifiziert abstempelt.

Yusuf As

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