Neukölln Unlimited

„Dadurch dass meine Mama und mein Papa getrennt lebend sind, ist ja schon einiges kaputtgegangen in der Familie. Man hat schon einiges verloren und das muss nicht sein, dass der Rest auch geht. Das ist wie so ein Trauma. Man möchte nicht alles auf einmal verlieren.“, sagt Lial, als sie über ihre Familie spricht und den Wunsch ihre Familie zusammenzuhalten. Denn „Neukölln Unlimited“ ist die Geschichte der Geschwister Lial (19), Hassan (18) und Maradona (14). Alle drei sind talentierte Musiker und Tänzer, die aus Libanon kommen und seit ihrer Kindheit in Berliner Bezirk Neukölln leben. Sie fühlen sich in den Straßen von Neukölln wie zu Hause. Doch obwohl sie nichts anderes kennen als diese Straßen, ist die Familie dieser Jugendlichen seit 16 Jahren von der Abschiebung bedroht. Sie haben gehört, dass die Familie bleiben darf, wenn sie ihren Lebensunterhalt selber sichern kann, das ist auch der Grund, warum für die Geschwister ein Kampf beginnt. „Hätten sie mich 2004 abgeschoben, wär ich jetzt wahrscheinlich tot nach den drei Kriegen. Nach zwei Kriegen mit Israel und so. Das ist ein Krisengebiet und da kann man einfach keine Leute abschieben.“, sagt Hassan, der die Abschiebung nicht verstehen kann. Jeder von ihnen muss nun versuchen, ihre Talente für ihren Lebensunterhalt zu nutzen. Doch ein Konkurrenzkampf herrscht zwischen Lial und Hassen. Denn Lial, das älteste Kind der Familie, fühlt sich für ihre Mutter und jüngeren Geschwister verantwortlich.
Obwohl ihre Popband noch keinen Durchbruch schafft, gibt sie nicht auf. „Ich will beweisen, dass auch muslimische Mädchen coole Musik machen können“, sagt sie und lässt sich nicht abschrecken. Hassan hingegen arbeitet als Sozialarbeiter im Neuköllner Jugendclub und ist auch Mitglied in diversen Tanzensembles. Seitdem der Vater nicht mehr mit der Familie zusammenlebt, hat er die Vaterrolle übernommen. „Ich glaube jeder kennt den Moment, in dem man erkennt, dass man kein Kind mehr ist.“, beschreibt Hassan den Moment, als die Polizei vor der Tür stand, um die Familie abzuschieben. Obwohl Maradona wie ein Problemfall aussieht, ist er sehr eingeschüchtert. Die erste Abschiebung der Familie hat er mit 9 Jahren erlebt und ist deshalb sehr verunsichert. Auch für ihn ist der Tanz der Weg für ihn.
Der deutsche Dokumentarfilm ist seit dem 8. April in den Kinos. In dem Film werden die Geschwister von den Filmemachern durch den Stadtteil Neukölln begleitet. Ob in der Schule, zu Hause oder in der Freizeit. Die Dokumentation, die vom rbb in Zusammenarbeit mit Arte koproduziert wurde, hat bereits den Gläsernen Bär für den besten Feature Film im Rahmen der Berlinale 2010 gewonnen. Auch in der Presse hat der Film für viele Stimmen gesorgt, so die Tageszeitung: “‘Neukölln Unlimited’ ist wie eine Gegenrede zu Thilo Sarrazin: Wie sollen Leute wie die Akkouchs sich in den deutschen Alltag integrieren, wenn ihnen eine Tür nach der anderen vor der Nase zugeschlagen wird? Und wieso ist die Mehrheitsgesellschaft, wieso sind die Behörden und die Politiker so blöd, ihre gewaltigen Anstrengungen nicht wahrzunehmen?”
(NeuesLeben)

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