Einheit, Solidarität, Kampf

Die Errungenschaften der  internationalen Arbeiterbewegung sind zahlreich. Die Abschaffung der Kinderarbeit. Die Einführung des 8-Stundentags. Das Erkämpfen der Sozialversicherungen. Der Mindestlohn in vielen Ländern. Menschlichere und gesündere Arbeitsbedingungen. Keines dieser Errungenschaften wurde der Arbeiterklasse geschenkt. All diese Siege wurden nur durch erbitterten, teils blutigen, teils gewaltfreiem Kampf erreicht. Tausende Männer und Frauen sind für diese Ziele gestorben. Was diesen Kämpfen jedoch immer gemein war, war der große Zusammenhalt der Arbeiter.
Krisenjahre und Folgen
Nach drei “Krisenjahren” ist die Situation und Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und der Jugend schlechter gestellt als befürchtet, auch wenn die Regierung und die “Wirtschaftsexperten” das Gegenteil behaupten. Weltweit sind  Millionen Menschen in ihrer Existenz bedroht. Armut, Kriege und Umweltzerstörung haben erschreckende Dimensionen erreicht. Knapp eine Million Leiharbeiter und befristete Arbeiter wurden in Deutschland auf die Straße gesetzt. Millionen Beschäftigte müssen durch die Kurzarbeit Lohnverluste hinnehmen. Allein in der Automobilindustrie planen die Konzerne die Vernichtung von über 200.000 Arbeitsplätzen. Doch die Finanzbosse sind weiterhin fleißig am zocken, die Spekulanten machen munter weiter.
Gerade die Jugend leidet unter den herrschenden Bedingungen. Und das nicht erst seit Beginn der Krise. Tag täglich werden Hiobsbotschaften in die Welt gesetzt, dass die Kassen leer sind und kein Geld für Bildung und Soziales vorhanden sei. Auf der anderen Seite jedoch steigen die Ausgaben für Militär und Kriege. Nicht zu vergessen, sind hier die hunderte Milliarden für Banken und Versicherungen. Aber es sind nicht nur finanzielle Schranken, welche der Jugend im Wege stehen. Das marode und selektive Bildungssystem legt schon nach der 5. Klasse fest, welchen Stand junge Menschen in der Produktion dieser Gesellschaft einnehmen werden. Der Zugang zu den Hochschulen für Arbeiterkinder wird immer schwieriger. Die Unternehmer versprechen jedes Jahr mehr Ausbildungsplätze, aber es wurden in den letzten Jahren 15% aller Ausbildungsplätze vernichtet. Jedes Jahr erhalten Zehntausende keine Lehrstelle und der Bedarf steigt weiter an. Nur noch 50% der jungen Menschen werden nach ihrer Ausbildung übernommen.  Die Unternehmer wollen ihre Fachkräfte fertig bereitgestellt bekommen und kein Geld mehr für Ausbildung ausgeben. Dies ist ganz in ihrem Profitinteresse, schon heute werden 60% der Ausbildungskosten vom Staat bezahlt. In Folge dessen müssen mehr Jugendliche denn je (über 2,7 Millionen Jugendliche) von Hartz IV leben oder erniedrigende Pseudoangebote annehmen, wie etwa schlecht bis gar nicht bezahlte Praktika.
Einheit stärken
Nicht ohne Grund ist zu befürchten, dass die umfassendsten Auswirkungen erst noch bevor stehen. Die Rekordverschuldung der öffentlichen Haushalte wird täglich größer. Kommunen und Sozialversicherungssysteme stehen vor dem finanziellen Desaster. Das bedeutet den Umbau des Gesundheitssystems, die Erhöhung des Renteneintrittsalters, Einsparungen im Bereich der sozialen Infrastruktur (Schließung von Schwimmbädern, Büchereien und Theatern) und die weitere Privatisierung öffentlicher Einrichtungen (Krankenhäuser, öffentlicher Nahverkehr Bahn etc.).
Die reaktionäre Politik des Kapitals und ihrer Regierung wird weiter zunehmen. Repressionen gegen die Arbeitnehmerinnen und der Jugend, in Form von Kürzungen der Sozialleistungen, antisoziale “Reformen” in Gesundheit, wie die Einführung von Kopfpauschale und nachteilige Tarifverträge nach Innen, damit der Preis für die Ware Arbeitskraft weiter herabgedrückt wird und aggressives und kriegerisches Vorgehen nach Außen.
So werden die sozialen Lebensbedingungen der meisten Arbeitenden ständig schwerer, wogegen die privilegierten Schichten und Klassen der Gesellschaften weiter im Luxus leben wie Schmarotzer. Wenn die Medien des Kapitals von Aufschwung reden, dann meinen sie tatsächlich den Aufschwung für die Aktionäre, die den Profit unter sich aufteilen.
Nicht alternativlos
Der gemeinsame Kampf zur Verteidigung und Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und der politischen Rechte und Freiheiten ist richtig und bitter notwendig. Auch wenn von den bürgerlichen Politikern, Medien und Wirtschaftswissenschaftlern behauptet wird, dass der eingeschlagene Weg und die durchgeführten und geplanten Einschnitte alternativlos seien, so ist allein die Geschichte des 1. Mai der Beweis des Gegenteils. Wir sind nicht alternativlos! Hätten die Arbeiter dem Märchen des Kapitals über die Alternativlosigkeit stets Glauben geschenkt, so hätten wir heute nicht mal die selbstverständlichsten wirtschaftlichen und politischen Errungenschaften. Was auch nicht wahr ist, ist die Behauptung der in den Gewerkschaften politisch herrschenden Sozialdemokraten, dass wir diese Krise allein durch Kurzarbeit, Abwrackprämie und kooperative Mitbestimmung überwinden könnten. Leider wird es sich bald herausstellen, dass das Kapital es nicht schaffen kann, seine Profitraten ohne Massenentlassungen und Lohndrückerei zu bewahren. Ohne den Kampf um den Arbeitsplatz, um Auskommen und Bildung wird es nicht gehen.
Unter diesen Bedingungen ist daher die Einheit, Solidarität und der Kampf der Arbeiter und der Jugend wichtiger und notwendiger denn je. Der 1. Mai ist der Tag der Arbeiter, an dem sie als Klasse ihre Entschlossenheit gegenüber dem Kapital und den bürgerlichen Regierungen nochmals unterstreichen und verständlich machen. Je stärker diese Unterstreichung, um so verständlicher wird sie für das Kapital werden. Daher heißt es: Auf zum 1. Mai!

Kurze Geschichte des 1.Mai

Schon am 1. Mai 1886 kämpften Hunderttausende amerikanische Arbeiter für dieses Ziel. In Chicago kam es hierbei zu blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, mit mehreren Toten auf beiden Seiten. Sieben Arbeiterführer wurden in folgenden Prozessen zum Tode verurteilt. Dementsprechend vorsichtig war die Arbeiterklasse, allen voran die Sozialdemokratische Partei und Gewerkschaften in Deutschland bei den Demonstrationen zum 1. Mai 1890. Etwa Hunderttausend, größtenteils in Berlin und Hamburg, legten die Arbeit nieder. Doch viele Kapitalisten antworteten mit Entlassungen und schwarzen Listen. Wer auf solch eine Liste kam hatte es schwer wieder eine Anstellung zu erhalten. Doch dem Gedanken des „Tag der Arbeit“ tat dies keinen Abbruch. Schon 1918, mit dem Ende des Kaiserreichs, wurde der 1. Mai zum nationalen Feiertag in Deutschland erklärt und die Gewerkschaften als offizielle Vertretung der Arbeiterschaft anerkannt. Darüber hinaus wurde auch das Ziel des 8-Stundentags erreicht. Die aufkeimende Wirtschaftkrise und die beginnende Massenarbeitslosigkeit lieferten die Themen für den 1. Mai in den 1920ern. Als der sozialdemokratische (!) Polizeipräsident von Berlin, 1929 ein Verbot der Maidemonstrationen erwirkte, setzte sich die KPD über das Verbot hinweg. Die von der SPD geführte Preußische Regierung gab der Polizei den Befehl mit aller Härte gegen die Demonstranten vorzugehen, welche nicht gewillt waren auf ihr gutes Recht zu verzichten. Am 1. Mai und den darauf folgenden Tagen wurden 33 Demonstranten getötet, hunderte verletzt, über 1.200 Personen verhaftet! Dieser Tag ging als „Blutmai“ in die Geschichte ein. 1933 wurde der 1. Mai  durch die faschistische NSDAP zum „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ ausgerufen. Schon am Folgetag wurden die freien Gewerkschaften von der SA und SS zerschlagen. Der 1. Mai hatte somit seinen Klasseninhalt und kämpferischen Charakter verloren und stand im direkten Gegensatz zum Gedanken des „internationalen Tag der Arbeit“ welcher 1890 ausgerufen wurde. Der erste freie „Tag der Arbeit“ wurde erst wieder 1946 nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus gefeiert.

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