BP und die Verantwortung der US-Regierung für die Ölkatastrophe

Immer noch strömen gewaltige Mengen an Rohöl aus dem Bohrloch am Grund des Golfs von Mexiko. Während der für die Umweltkatastrophe verantwortliche BP-Konzern (British Petrol) anfangs verharmlosend von 1000 Barrel pro Tag sprach, kamen von der US-Regierung beauftragte Wissenschaftler schon bald auf mindestens 5000 Barrel (800 Tausend Liter) pro Tag. Auch das ist nach neueren Schätzungen noch weit untertrieben. Ian MacDonald, ein Ozeanograf der Florida State University, schätzt die täglich austretende Menge an Rohöl aufgrund von Satellitenbildern auf bis zu 26000 Barrel (4 Millionen Liter). Wenn Mensch bedenkt, dass ein Tropfen Rohöl, 600 Liter Wasser verschmutzt, ist der Ausmass der Katastrophe mehr als beängstigend.

Ölstrom wird noch anschwellen
BP-Vertreter haben bei Anhörungen im US-Kongress auf Nachfragen eingeräumt, dass der Ölstrom möglicherweise auf 60000 Barrel pro Tag anschwellen könnte. Weil das Öl inzwischen von starken Meeresströmungen erfasst wird, kann es bald auch in den offenen Atlantik gelangen und damit vom Golfstrom über weite Teile der Ozeane verteilt werden.
Angesichts der wachsenden Empörung in der US- und der Weltbevölkerung sieht sich die US-Regierung gezwungen, BP zumindest in Worten viel radikaler zu kritisieren. Präsident Obama verkündete, man werde BP und die anderen beteiligten Firmen „zur Verantwortung ziehen“. Die US-Regierung sehe sich verpflichtet, BP zu zwingen, „das Leck zu schließen, die angerichteten Schäden zu reparieren und die Amerikaner auszuzahlen, die einen finanziellen Schaden erlitten haben“. Was Obama und andere Verantwortliche der US-Regierung aber verschweigen: Zu der jetzigen Katastrophe konnte es nur deswegen kommen, weil die Missachtung selbst minimaler Sicherheitsvorkehrungen und eine bedenkenlose Genehmigungspraxis für Meeresbohrungen durch die Regierungsbehörden seit Jahren System haben.Obwohl gesetzlich vorgeschrieben, hat die Behörde für Rohstoffverwaltung MMS (Minerals Management Service) in Hunderten Fällen darauf verzichtet, Stellungnahmen der Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA für die Öl-Bohrgenehmigungen einzuholen. Die MMS hat auch „routinemäßig“ ihre eigenen Biologen und Techniker mundtot gemacht. Warnungen vor Sicherheits- und Umweltrisiken bei Ölbohrprojekten im Golf von Mexiko und in Alaska seien immer wieder in den Wind geschlagen worden, sagten mehrere Wissenschaftler der „New York Times“.
Sie seien von MMS-Funktionären gedrängt worden, die Ergebnisse ihrer Studien nachträglich abzuändern, wenn diese vor Unfällen oder Umweltschäden gewarnt hätten.

Doppelmoral
Der Chef der US-Küstenwache, Admiral Thad Allen, setzt ungeachtet der offiziellen Regierungskritik weiter auf „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit BP. Er „vertraue“ BP-Chef Tony Hayward, meinte Allen, der die Maßnahmen im Kampf gegen das austretende Öl leitet. „Wann immer ich mit ihm spreche, bekomme ich auch eine Antwort.“ Schön! Aber mit Antworten wird man das herausströmende Öl auch nicht stoppen. Es müssen klare Taten folgen, komme was wolle.
Sogar jetzt versuchen die gierigen BP-Funktionäre, den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten, auf Kosten der Umwelt und der an und von der Küste lebenden Bevölkerung. Trotz an BP gerichteter „ernster“ Worte schließt selbst Obama nicht aus, dass weitere Bohrungen in der Tiefsee genehmigt würden, da der Golf von Mexiko für die US-Energieversorgung wichtig sei.
Das unterstreicht, dass die Ölkonzerne mit der US-Regierung ihre verhängnisvolle Politik zur Sicherung der Maximalprofite und der strategisch wichtigen Ölversorgung fortsetzen wollen – und dafür die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit in Kauf nehmen. Egal, wie scharf die Worte vom „Friedensnobelpreisträger“ sein sollten: Auf die Umwelt kommt es den Verantwortlichen sowieso nicht an!
(NEUESLEBEN)

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