Die Kluft in der Gesellschaft wird größer!

Suphi  Sert
Zu dieser Erkenntnis kommt die 16. Jugendstudie des Ölmoguls Shell. Wonach die Elite-Jugend unseres Landes, trotz Wirtschaftskrise optimistischer in die Zukunft blickt und die aus sozialschwachen Haushalten stammende Jugend eine immer unsicherere Grundhaltung annimmt.
Seit fast 60 Jahren veröffentlicht Shell alle vier Jahre eine Jugendstudie. Vor kurzem wurde die 16. Studie von den Sozialwissenschaftlern Professor Dr. Mathias Albert, Professor Dr. Klaus Hurrelmann, Dr. Gudrun Quenzel und einem Expertenteam des Forschungsinstitutes TNS Infratest verfasst. Hierzu wurden über 2.500 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren zu allen möglichen Bereichen des Lebens befragt.
Im allgemeinem sagt die Studie das aus, was die Menschen dazu bewegt auf die Straße zu gehen und zu Protestieren: „Die Kluft zwischen arm und reich hat sich vertieft“. Verwunderlich scheinen die Ergebnisse daher nicht zu sein, auch wenn auf dem ersten Blick sich ein anderes Muster zeigt. Der Anteil der optimistisch in die Zukunft blickenden  Jugendlichen scheint deutlich gestiegen zu sein „trotz Wirtschaftskrise“(2010: 59%; 2006: 50%). Ein Ergebnis von dem sich auch der Verfasser und Forscher Mathias Albert selbst überrascht zeigte, er war sich sicher, „dass die Krise der Jugend auf die Stimmung schlägt“. Leider ist nicht jeder Jugendliche so zuversichtlich, wie die Studie auf den ersten Blick suggeriert. Die unterschiedlichen sozialen Verhältnisse spiegelt auch die Stimmungslage unter der Jugend wieder.

Wer Geld hat, hat auch Zuversicht
Die zuversichtlicheren jungen Menschen in der Studie stammen aus sozial stärkeren Familien. Das heißt, man könnte hier die Vermutung anstellen, sie vertrauen dem kapitalistischen System, welches ja auch die Banken und großen Konzerne seit Beginn der Weltwirtschaftskrise nicht im Stich gelassen hat. Das System hat lediglich die Lasten der Krise auf die sozialschwachen und armen abgewälzt und tut dies zurzeit mit dem geplantem „Zukunftspaket (Sparpaket)“ ebenso weiter.
Auf der anderen Seite des Ufers sieht die Lage einwenig anders aus. Die Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien sind pessimistischer als vor vier Jahren, was ihre Zukunft anbelangt. Hier sind lediglich 33% zuversichtlich was ihre Zukunft betrifft, also nur jeder dritte ist optimistisch. Zudem zeigt sich die steigende Kluft zwischen arm und reich in der Studie, bei der „Frage nach der Zufriedenheit im Leben“. Hier sind nur 40% der Jugendlichen aus sozial schwachen Familien zufrieden, wobei es bei den Jugendlichen aus reicherem Elternhaus fast 75% sind. Diese Kluft ist zwar nix neues, aber sie wird immer größer, so auch der Forscher Albert.

Politische Jugend
Die Studie wird zudem seit Jahrzehnten als ein Gradmesser für die Werteorientierung der Jugend gesehen. Hier zeigt sich, dass die Familie eine noch nie dagewesene Bedeutung gewonnen hat. „90 Prozent der Jugendlichen loben das Verhältnis zu den eigenen Eltern“ und 69% der Befragten wollen eigene Kinder. Ergo, im Punkto „Erziehungsmethoden“ der Eltern hat sich einiges in den letzten Jahren zum Positivem getan, so auch der Jugendforscher Wolfgang Gaiser.
Die Forscher verzeichneten erstmals seit den 90ern eine „Repolitisierung“, insgesamt sei ein Anstieg von politisch Interessierten auf 37% zu verzeichnen, noch 2002 waren es lediglich 30%. Das Interesse an Politik bei den 12 bis 14 jährigen habe sich im Vergleich vor vier Jahren fast verdoppelt auf 21%  und bei den 15 bis 17 jährigen gäbe es einen Anstieg von 20 auf 33%. An der Tatsache, dass die meisten Jugendlichen sich immer noch „links von der Mitte“ einordnen habe sich auch nicht verändert.
Diese Erscheinung könnte  mit den Bildungsprotesten und der eigenen Aktivität in dieser Bewegung zusammenhängen. Da die Mehrheit der Jugend in der Bildungsstreikbewegung aus den mittleren bis höheren Schichten bestand und der Anstieg des politische Interesse bei Jugendlichen aus diesen Schichten, nach der Shell-Studie zu verzeichnen ist.
Auch diese Studie belegt, dass der Bildungserfolg in keinem anderen Land wie in Deutschland so stark von der Herkunft abhängt. Neu ist, dass sozial benachteiligte Jugendliche, welche auch noch einen Migrationshintergrund haben auf die meisten Vorurteile bei den 12 bis 25 Jährigen treffen.

Kein Vertrauen in politische und wirtschaftliche Institutionen

Wesentlich mehr Jugendliche als vorher können sich vorstellen, an politischen Aktionen teilzunehmen, 44%  würden für oder gegen etwas Demonstrieren gehen und 77 % etwas unterschreiben. Hingegen ist das Ansehen von Parteien und Regierung immer noch sehr niedrig. Weniger vertrauenswürdig erscheinen neuerdings große Unternehmen und Banken, hier zeigt sich also doch die Wirtschaftskrise. Stark hat sich auch die Haltung der Jugend gegenüber der militärischen Verteidigung deutscher Interessen Verändert. Bei der 14.Shell-Studie war nicht einmal jeder dritte gegen Auslandseinsätze und heute sind 53% gegen deutsche Soldaten im Ausland.
Natürlich sind Studien nicht völlig „neutral“. Es kommt immer auf die Fragen, wie, wo und bei wem diese gestellt werden. Auch die renommierte Shellstudie ist nicht gänzlich wertefrei, und unkritisch zu studieren. Doch eine gewisse Tendenz unter den Jugendlichen ist ihr schon abzulesen.
Man kann die Studie auch anders lesen. Was sind das für Zukunftsaussichten wenn, sogar 41% der „besser gestellten“ Jugendlichen keine gute Aussichten über ihre Zukunft haben. Bei den Jugendlichen, die aus finanziell und sozial benachteiligten Familien kommen ist die Lage immer noch dramatisch. 77% haben keine Zukunftsperspektiven auf eine Besserung. Und besonders auf die kommt es doch an, wenn man von „Aufschwung“ oder „Besserung“ reden möchte.
Was aber in den vergangenen drei Jahren sich langsam aber stetig abzeichnete, und zwar unter der Jugend die gewachsene Aufmerksamkeit auf die gesellschaftlichen Missstände und folglich auch das gestiegene Engagement für eine Veränderung, für eine andere Politik, ist auch in der Studie wieder zusehen. Nicht umsonst werben alle bürgerlichen Parteien mit allen Mittel und Verdrehung der Tatsachen, um die Gunst der Jugend. Die Frage ist was machen die Linken und kämpferischen Kräfte daraus. Lobpreisen können sie sich wohl auch nicht.

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