Entwicklungshilfe auf Sparflamme

Im September 2000 nahm sich die UNO Großes vor. Vertreter von 189 Ländern verpflichteten sich erstmals dazu, innerhalb von 15 Jahren überprüfbare Ziele im Kampf gegen die Armut zu erreichen. Vom 20. bis 22. September 2010 zogen nun die Staats- und Regierungschefs – darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama – in New York Zwischenbilanz.

Mileniumsziele im Überblick
Die acht festgeschriebenen Ziele sind anspruchsvoll: Extreme Armut halbieren, Grundschulbildung für alle, Gleichstellung der Geschlechter fördern, Kindersterblichkeit verringern, Müttergesundheit verbessern, Aids und Malaria bekämpfen, Umweltschutz verbessern und weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen. Zudem wurden die Ziele mit konkreten Vorgaben und Indikatoren belegt. Zumindest in Afrika südlich der Sahara wurden, daran gemessen, kaum Fortschritte erzielt.
Nach einer simplen Milchmädchenrechnung wurde die weltweite Armut deutlich vermindert: Ganz einfach durch Trickserei: Als arm gilt laut Weltbank, wer weniger als 1,25 US-Dollar oder umgerechnet rund einen Euro pro Tag zur Verfügung hat. Und durch das schnelle Wirtschaftswachstum in China und Ostasien sank der Anteil der extrem Armen an der Weltbevölkerung von 42 auf knapp 26 Prozent, was durchaus nicht heißen soll, dass diese nun sehr reich sind. Sie erfüllen das Kriterium von 1 Euro pro Tag zu Leben. So einfach ist es! Voraussichtlich wird auch ein Drittel der Entwicklungsländer 2015 das Ziel nicht erreichen, allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen. Fast jeder fünfte Mensch weltweit ist ein Analphabet. Auch sind kaum Erfolge in der Gleichstellung der Geschlechter und in der Bekämpfung von AIDS- und Kindersterblichkeit erzielt worden.
„Traurig“ gaben die Industrienationen an, die Ziele bis 2015 nicht erfüllen zu können. Dabei reichen die landwirtschaftlichen Produktionskapazitäten bereits heute aus, um eine Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen zu ernähren, wie sie die UN für das Jahr 2050 prognostiziert haben.

Entwicklungsländer sollen Mittel besser einsetzen
Deutschland ist mit seinem Beitrag zum Kampf gegen Hunger und Armut in der Welt in Verzug. Bundeskanzlerin Merkel versprach beim Millenniumszwischengipfel in New York aber weitere Anstrengungen. Sie forderte zudem die Entwicklungsländer auf, die Mittel besser einzusetzen. Merkel verlangte eine stärkere Eigenverantwortung der Empfängerländer. „Der Entwicklungsprozess liegt in erster Linie in der Verantwortung der Regierungen der Entwicklungsländer. Sie haben es in der Hand, ob Hilfe effizient erfolgen kann“, sagte sie. In der Hinsicht irrt sich Frau Merkel stark und sicherlich auch bewusst. Oder soll man von der Kanzlerin einer Industrienation erwarten, dass sie nicht weiß, dass die Entwicklungshilfe, die von großen Wirtschaftsmächten an arme Länder vergeben wird, nicht wieder von den Monopolen und Konzernen genau dieser Geberländer in Form von Subventionen oder Ausbeutung der Bevölkerung wieder verschluckt wird? Oder warum sollte Merkel immer mehrere Hundert Wirtschaftsvertreter im Schlepptau haben, wenn sie Staatsbesuche in andere Länder macht?
(NeuesLeben)

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