ver.di gegen Schließung des Altonaer Museums

Der Hamburger Senat hat auf seiner Sparklausur – einstimmig – beschlossen, dass die historischen Museen Hamburgs die Hälfte des Sparbeitrages der Kulturbehörde erbringen sollen, das sind 3,445 Millionen Euro. Die Einsparung macht mehr als ein Viertel des Gesamthaushaltes der bereits unterfinanzierten Stiftung Historische Museen Hamburg aus. Der Senat hat dazu unter Missachtung der selbständigen Stiftung und der wissenschaftlichen Leitung der Museen die Schließung des Altonaer Museums und die Verlagerung seiner Objekte an andere Standorte beschlossen. Dazu erklärt Roland Kohsiek, zuständiger ver.di-Fachbereichsleiter für Bildung, Wissenschaft und Forschung: „Dies bedeutet schlicht und einfach einen Anschlag auf die historischen Museen und die historischen Sammlungen dieser Stadt: Denn die Historischen Museen Hamburgs verlieren ein Viertel ihres Etats und ihres Personals, aber nicht ein Viertel ihrer Aufgaben.“
Kultursenator Stuth erklärte auf der Personalversammlung am 27.9.2010, wie die Pläne umgesetzt werden sollen und welche Auswirkungen sie haben werden:
– Das Altonaer Museum soll Anfang 2011 geschlossen werden.
– Das Gebäude soll von Objekten und Einbauten geräumt und dann verkauft oder vermietet werden – zu einem erwarteten Erlös von 1,8 Mio. Euro. Ein Viertel der Ausstellungsfläche der Stiftung Historische Museen geht dadurch verloren
– Die ca. 70 Beschäftigten, die in der Stiftung dem Altonaer Museum zugeordnet werden können, sollen zum 1.1.2011 über den internen Arbeitsmarkt in andere Behörden der FHH vermittelt werden.
– Die Stiftung Historische Museen Hamburg verliert ab 2011 mit 3,44 Mio. Euro pro Jahr den Gesamthaushalt des Altonaer Museums, bekommt also ein Viertel weniger Zuwendung von der FHH.
– Gleichzeitig sollen das Jenisch-Haus und das Rieckhaus weiter betrieben und die vom Altonaer Museum verwahrten Sammlungen an anderen Standorten gezeigt werden, beispielsweise im Museum für Hamburgische Geschichte, wo kein Platz dafür ist.

Dazu Kohsiek: „Nach Evaluierung und jahrelangen Diskussionen um die Museen Hamburgs zeigt sich, dass die Verantwortlichen im Senat über kaum Sachkenntnis verfügen und noch weniger ein Verständnis von den Aufgaben des Museums und den Wert der historischen Sammlungen Hamburgs haben.“

Das Gedächtnis der Stadt in Objekten und Dokumenten, die durch Wissenschaftler/innen der Museen erst kenntnisreich eingeordnet werden, wird durch ein Kappen der Mittel um ein Viertel nachhaltig und unwiederbringlich geschädigt.

„Das mag dem Kultursenator unwichtig erscheinen, der die Kunstmuseen bevorzugt“, so Kohsiek. „Aber allen anderen, die aus der Geschichte ihrer Vorfahren in Hamburg etwas wissen wollen – für ihre eigene Auseinandersetzung – , sind darauf angewiesen, dass die historischen Sammlungen zuverlässig bewahrt, getreulich gepflegt, erforscht und zugänglich gemacht werden, seien es

– GewerkschafterInnen, die lernen wollen, wie Tabakarbeiterinnen in „Mottenburg“ durch einen gemeinsam bezahlten Vorleser sich weiterbildeten und organisierten;
– JournalistInnen und LeserInnen, die erfahren wollen, wie in Altona die in Hamburg herrschende Pressezensur umgangen wurde;
– Lohnabhängige, die wissen wollen, wie die Beschäftigten in der Landwirtschaft und Fischindustrie Altonas früher lebten und sich wehrten;
– Mieter, die begreifen, dass der städtische Wohnungsbau in Hamburg vor allem durch Selbsthilfe über Genossenschaften entstand und nicht als Wohltat des Senats;
– ArchitektInnen, Bürgerinitiativler und BürgerInnen der Stadt, die wissen wollen, wie in Altona der Bau von Zufahrtsschneisen zum Elbtunnel verhindert und der Abriss des Altonaer Bahnhofs und des Bismarckbades eben nicht verhindert werden konnte.“

ver.di, die Beschäftigten in den Museen und die Kultur interessierten Menschen der Stadt werden die Pläne des Senates nicht hinnehmen:
Kohsiek: „Gerecht geht anders – wir lassen uns unsere Geschichte nicht nehmen – verhindern wir den Anschlag auf das historische Gedächtnis der Stadt – Altonaer Museum bleibt!“