„Wahre Helden werden in Zeiten der Finsternis geboren“

Erdal Eren ist ein 17 jähriger junger Revolutionär, der am 12.Dezember 1980 seitens der Militärjunta in der Türkei, mit scheinheiligen und erfundenen Behauptungen- einen Soldaten erschossen zu haben- hingerichtet.

Die Verteidigung von Erdal EREN

Herr Ankläger,
wir sind heute mit einer Art der Anklage konfrontiert, die in der Türkei und in der gesamten Welt noch nicht erlebt wurde. Die Tatsache, dass man so schnell zu einem Urteil kommen will, bevor überhaupt klar wurde, was geschehen ist, zeigt, dass Sie lediglich der Form halber etwas machen, um so ein von oben vorbestimmtes und befohlenes Urteil in die Tat umzusetzen. Dass das gegen mich gerichtete Urteil durch auf höchster Stufe befindliche Kriegsrechtskommandanten gefasst wurde, ist so offensichtlich, dass man sogar die normalsten Rechtsnormen mit Füssen getreten hat. Und ihr Gericht ist nicht nur ein Gericht, das dieses System schützt, sondern es ist auch ein Gericht, das den hierarchischen Befehlen des Militärs unterliegt. Und sie haben hier keine andere Aufgabe als die des Befehlsempfängers, der die Forderungen seines Gottes in die Tat umsetzen muss. Dies alles ist so offensichtlich, dass es ausreicht, allein die verfahrenstechnische Seite des Gerichtsverfahrens anzusehen.
Die herrschende Klasse und ihre Diener versuchen jede Bewegung, die gegen das Ausbeutungs- und Unterdrückungssystem gerichtet ist, in Blut zu ersticken. Hierfür lässt man sich die unmöglichsten Dinge einfallen. Und jeder, der für die Befreiung des Volkes kämpft, jeder, der sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung wehrt, ist diesen Dingen ausgesetzt. Sie als Gericht sind nichts anderes als ein Zahnrad dieser Maschine. Dass das gegen mich gerichtete Urteil ein vorgefasstes Urteil war, ist offensichtlich. Und wenn der Oberbefehlshaber der Streitkräfte gleich nach dem Vorfall erklärt, „wir hatten lange keine Hinrichtung mehr, einige Personen müssen hingerichtet werden“, dann meint er damit, das gegen mich ausgesprochene Urteil. Es ist die offene Darlegung der Befehle, die Sie diesbezüglich erhalten haben.
Die herrschende Klasse und ihre Diener glauben mit meiner Hinrichtung ihr Bedürfnis nach Blut befriedigen zu können. Doch ich habe während des Geschehens nicht absichtlich einen Soldaten getötet. Dass ich unter den gegebenen Bedingungen einen Soldaten töte, widerspricht meinem politischen Glauben. Bleibt zu sagen, dass, wenn ich hätte töten wollen, ich in der Lage war, dieses fortzusetzen. Wie aus allem deutlich wird, habe ich in Panik zweimal in die Luft geschossen. In meiner Pistole waren fünf Kugeln. Und außerdem hatte ich noch ein Ersatzmagazin. Und obwohl fast alle Soldaten sich in meiner Reichweite befanden, habe ich weder den Getöteten, noch einen anderen von ihnen getötet. Ich habe geschossen, ohne es zu wollen. Anführen sollte man auch, dass auch die Soldaten in dieser Panik zur Genüge geschossen haben.
Die Tatsache, dass es ein Kriegsrecht gibt, ist schon als solches ein Angriff auf das Volk und auf die Jugend. Mit der Begründung, dass sie dem „Halt“-Befehl der Kriegsrechteinheiten nicht folge geleistet hätten, sind Dutzende von Bürgern und Revolutionären durch die Gendarmerie  und Polizei ermordet worden. Der Tod von Sinan Süner, der einen Tag vorher von der Polizei ermordet worden war, war der Anlass meiner Teilnahme an der bekannten Versammlung. Sein Tod ist einer von den genannten Morden. Heute in einer Zeit, in der die herrschende Klasse und das Kriegsrecht jedes demokratische Recht mit Füßen treten, ist es unser Recht, bei der letzten Ehrenpflicht unseren hinterlistig ermordeten Genossen gegenüber, die Gesetze nicht zu beachten. Das einzige, was keine Existenzberechtigung hat, ist das Kriegsrecht selbst. Wir Revolutionäre sind keine Terroristen oder Anarchisten, wie wir in euren festgefahrenen Gedanken aussehen. Wir Revolutionäre haben kein anderes Ziel, als die Befreiung des Volkes der Türkei von jeglicher Unterdrückung und Ausbeutung.
Anarchie zu verbreiten und Terror auszuüben, ist etwas, was im Wiederspruch zu unserer Überzeugung steht. Im Gegenteil, der größte Terrorist und Mörder ist dieser Staat selbst. Das Blut, das aus dem Volk und der Jugend, die durch die Kräfte des Staates ermordet wurden, fließt,  ist der Beweis dafür.
Ihr könnt heute die Revolutionäre, zu denen ich dazu gehöre, anklagen und mit der Todesstrafe bestrafen, ganz so, wie die Befehle, die Sie erhalten, dieses besagen. Aber dieses wird nicht für alle Zeiten so bleiben. Es wird ganz sicher der Tag kommen, an dem das Volk an eurer Stelle steht und das von euch beschützte System anklagt und die richtige Entscheidung trifft.

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