Die „neue“ Pisa-Studie

Mustafa Kücük

Die neue Pisa-Studie liegt vor. Deutsche Schüler haben ihre Position leicht verbessert! Und schon werden wieder Jubelschreie laut. Doch demonstrativ übersieht man wieder: Der Einfluss der sozialen Herkunft auf Leistungen ist weiterhin sehr groß. Wie gut Schüler sind und aus welcher gesellschaftlichen Gruppe sie kommen, dazwischen gab es in Deutschland immer einen Zusammenhang. 18 Prozent der Leistungsunterschiede werden auf soziale Herkunft zurückgeführt. Klar ist: Wer auf eine Schule in einem schwachen Umfeld geht, hat mehr als 100 Pisa-Punkte Rückstand zu einem günstigen Schulumfeld. Wenn ein Schüler auch noch aus einer sozial schwachen Familie kommt, ist der Einfluss des Schulumfelds auf seine Leistungen groß – und in Deutschland ist er so groß wie nirgendwo sonst in den untersuchten Ländern. Die Ergebnisse weisen daraufhin, dass viele Schüler gleich doppelt benachteiligt sind. Besonders betroffen von den Mängeln des deutschen Bildungssystems sind Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern beide nicht in Deutschland geboren wurden. Sie schneiden deutlich schlechter ab, als ihre Mitschüler – der Abstand beträgt 56 Punkte. Die gleiche Entwicklung gibt es bei Schülern, die zu Hause nicht Deutsch sprechen. Ihr Rückstand auf andere ist um die Hälfte zurückgegangen – liegt allerdings immer noch bei 60 Punkten und ist damit hoch. Schüler aus Ländern, deren Schulsystem eine möglichst lange gemeinsame Schulbildung garantieren, schneiden im Mittel überdurchschnittlich gut ab – und ihre Leistung hängt vergleichsweise wenig von ihrer sozialen Herkunft ab. Je früher dagegen die erste Aufteilung auf die jeweiligen Zweige erfolgt, desto größer sind bei den 15-Jährigen die Leistungsunterschiede nach sozioökonomischem Hintergrund. Also, kann jemand ernsthaft sagen, warum die Politiker die Augen davor schließen? Das „Problem“ liefert die Lösung gleich mit, aber das scheint wohl nicht im Interesse der Machthabenden zu sein!

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