Veranstaltungsreihe für Solidarität mit Hayat TV

Vom 26.-28. November fanden in Berlin, Hamburg und Duisburg Solidaritätsveranstaltungen mit Hayat TV statt. Das Motto der Veranstaltungsreihe war “Das ist unser Leben”. Nach Aussage der Veranstalter, allesamt Mitgliedsvereine der DIDF in den drei Städten, sollte die Veranstaltungsreihe dazu dienen, den Aufruf für ein gleichberechtigtes Zusammenleben als Gegengewicht zu der diskriminierenden und ausgrenzenden Integrationsdebatte zu verbreiten. Deshalb bekamen Medien wie der oppositionelle Fernsehsender Hayat TV, unsere Zeitung “Neues Leben” und die Tageszeitung “junge Welt” ein Forum, auf dem sie ihre Sicht zu der Debatte darlegen konnten. Im Berliner Aufruf wurde diese Wahl mit folgenden Worten begründet: “Die derzeitige Integrationsdebatte in Deutschland dient der Verbreitung von Rassismus und Ausgrenzung. Mit tatkräftiger Unterstützung der Mainstream-Medien tragen Sarrazin, Seehofer und Co. mit ihren stigmatisierenden Thesen und Forderungen dazu bei, die Menschen nach Religionszugehörigkeit und ethnischer Herkunft zu spalten. (…) In diesem Land gibt es aber nicht nur Sarrazins und die Springer-Medien. Es gibt auch viele, die sagen, dass die Grenze nicht zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund oder zwischen Christen und Muslimen verläuft, sondern zwischen Arm und Reich. Mit unserem Fest gegen Rassismus und Ausgrenzung möchten wir diesen eine Stimme verleihen und ein Forum bieten.”
Diesem Aufruf folgten dann in Berlin, Hamburg und Duisburg rund 3.000 Menschen. Sie lauschten nicht nur den Liedern der bekannten Sängerin aus der Türkei, Sevval Sam, sondern konnten auch den Redebeiträgen der Chefredakteure von Hayat TV, Aydin Cubukcu sowie von “junge Welt”, Arnold Schölzel. Cubukcu sagte, “Millionäre haben mehrere Fernsehsender. Millionen von Arbeitern haben aber einen einzigen – das ist Hayat TV”. Er rief die Zuschauer zur Solidarität mit dem Sender auf, der sich seit über drei Jahren mit bescheidenen Mitteln gegen die “großen” Sender in der Türkei behauptet. (NEUESLEBEN)

Interviews aus Duisburg:

Mahmut Acici, (Kiekert Betriebsratsmitglied)
Hayat TV war bei unserem Kampf immer mit uns. Ich bin hier, weil auch diesen Sender unterstütze. Wir haben im Betrieb für diese Veranstaltung mobilisiert. Zuerst gab es unter den Kollegen Bedenken und Vorurteile, doch mittlerweile haben wir diese zum größten Teil überwunden und viele sind mit zur Veranstaltung gekommen.

Murat Pehlivan (Uniweg Betriebsratsmitglied)
Ich kenne Hayat TV seit einem Jahr. Dessen bin ich auch froh, weil dieser Sender wirklich unsere Interessen und Probleme anspricht, ohne die Menschen zwischen Nationalitäten, Religionen, Hautfarbe oder Geschlecht zu trennen oder zu spalten. Hayat TV unterscheidet sich auch von den anderen Sendern dadurch, dass sie nicht Arbeitgeber, sondern Arbeiter nah ist und unsere Forderungen bekannt macht. Diese Veranstaltung aber ist nicht nur Solidarität für Hayat TV, sondern auch eine Solidaritätsveranstaltung unter den Arbeitern selber.

Gülten Ucar (Kiekert Betriebsratsmitglied/ Vorsitzende Duisburg DIDF)
Wir haben die Veranstaltung organisiert, weil Hayat TV unsere Sprache spricht, unser Leben in seine Sendungen wiederspiegelt. Wir haben sowohl im Betrieb wie auch in der ganzen Stadt für diese Veranstaltung mobilisiert, und die Reaktionen und Resonanz war erfreulich. Das Ergebnis sehen wir heute. Eine gelungene Veranstaltung, hunderte Menschen sind hier und es herrscht eine tolle Stimmung.

Derya Kilinc, 23 Jahre, Studentin in Berlin
Ich bin durch eine Studentin der DIDF-Berlin auf die Verstanstaltung aufmerksam geworden. Mich haben vor allem die Inhalte sehr angesprochen. Man versucht einer Ausgrenzung und Ausländerfeindlichkeit entgegenzuwirken. Ich kenne ähnlich gestaltete Veranstaltungen aus meiner Heimatstadt Hamburg, aber diese war viel professioneller organisiert. Es war rund um ein sehr schöner Abend. Meine Erwartungen haben sich erfüllt, ja sogar übertroffen. Ich würde mir wünschen, dass die DIDF auch an Schulen und Hochschulen präsenter ist, um ihre Arbeiten und Ziele auch dort fortzusetzen.

Monika Bergen
Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen, eine schöne Mischung aus politischer Information, Aktion und musikalischer Darbietung. Mich persönlich hat sie – endlich, möchte ich sagen – mit Hayat TV und der deutsch-türkischen Zeitung ‚Yeni Hayat – Neues Leben‘ bekannt gemacht. Eine Chance dafür, dass mein Türkisch endlich besser wird?!
Es war ermutigend, so viele engagierte und fröhliche Menschen zu sehen und mit einigen ins Gespräch zu kommen. Enttäuscht war ich allerdings doch darüber, dass von den ‚autochthonen Deutschen‘, die selbst zumeist großen Wert auf die Beteiligung von Einwanderern an ihren Veranstaltungen legen, nur wenige den Weg in die ‚Urania‘ gefunden hatten. Ob  w i r  da vielleicht ein ‚Integrationsproblem‘ haben? Jedenfalls darf uns nichts davon abhalten, gemeinsam gegen Vorurteile, Stereotype und Verleumdungen anzugehen und unsere Gesellschaft, die so erfreulich viele verschiedene Gesichter hat, in diese Richtung zu bewegen. Dazu war der Abend ein gelungener Schritt.

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