„Sie reden von Frieden, Sie führen Krieg“

Die Antikriegs-und Friedensbewegung ruft zu gemeinsamen und vielfältigen Aktivitäten in Bonn auf. Unter dem Motto „Sie reden von Frieden, Sie führen Krieg – Truppen raus aus Afghanistan!“ werden am 3. und am 4. Dezember 2011 eine bundesweite Demonstration sowie eine internationale Konferenz stattfinden. Diese sollen ein kraftvolles Zeichen gegen die menschenfeindliche Politik des Krieges setzen. Des Weiteren sind Aktionen des Zivilen Ungehorsams für den 5. Dezember geplant, dem Tag der internationalen Afghanistan Regierungskonferenz. Zur Vorbereitung der Proteste findet am 15./16. Oktober in Bonn eine Aktionskonferenz statt, wo die genaue Ausgestaltung der Aktivitäten diskutieren und die vielfältigen Aktionen, soweit notwendig, koordiniert werden soll.

10 Jahre Afghanistan-Krieg

Wenige Stunden nach den Anschlägen auf die Twintowers des World Trade Centers am 11. September 2001 standen für die USA und die Weltgemeinschaft fest, wer der Feind war: Afghanistan! Nicht einmal einen Monat nach den Anschlägen wurde der Startschuss für den Krieg gegen das Land am Hindukusch gegeben. Die Militäroperationen der USA und Großbritanniens unter dem Motto „Enduring Freedom“ begannen am 7. Oktober 2001. Das offizielle Ziel des Krieges war die „Demokratisierung“ des Landes, die Befreiung afghanischer Frauen, Installierung von Menschenrechten. Kurze Zeit nach der Besatzung marschierten NATO-Truppen aus insgesamt 47 Staaten ins Land ein und führen bis heute unter der Bezeichnung ISAF einen brutalen Krieg gegen die Bevölkerung.

Die Rechnung ging nicht auf

Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. Man ging davon aus, dass man innerhalb weniger Tage mithilfe modernster Waffen das Land unter völlige Kontrolle stellen könnte. Die Nord-Allianz eroberte – unterstützt durch NATO-Bombardierungen bis Mitte November- die Hauptstadt Kabul. Die Taliban wurden von der Macht und später bis an die pakistanischen Grenze zurückgedrängt. Wer diesen militärischen Erfolg als Sieg auf ganzer Linie interpretierte, musste kurze Zeit später seine Fehleinschätzung einsehen. Denn bis heute leisten die Taliban-Truppen erbitterten Widerstand. ISAF-Truppen sind verantwortlich für zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung. Die Infrastruktur des Landes wurde fast vollständig zerstört. Von einer Demokratisierung ist das Land weit entfernt. Armut und wachsende Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor auf der Tagesordnung. Die von NATO-Staaten an die Macht gehievte Karzai-Regierung konnte diese Entwicklungen nicht verhindern, sondern ist dafür mit verantwortlich.

Die Lage hat sich verschlimmert

Nach Schätzungen internationaler Beobachter verloren in den letzten 10 Jahren ca. 70.000 Afghanen ihr Leben. Auch wenn in ISAF-Berichten immer wieder die Rede von getöteten Taliban ist, sind viele Tausend von ihnen unschuldige Zivilisten. Durch den Einsatz von Uran-Munition sind viele Gebiete verseucht. Die Hauptleidtragenden des Krieges sind wie immer Frauen und Kinder. Den größten Schaden fügte der Krieg der Zivilbevölkerung zu.

Gewinner sind die Konzerne

Die Bundesregierungen seit 2001, die den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan als „zivile Wiederaufbauhilfe“ lancieren, können mit ihrer Propaganda nicht darüber hinwegtäuschen, dass 90 Prozent der „zivilen Hilfe“ in die Kassen westlicher Konzerne fließen. Sollte die Bundesregierung mit dem Abzug der Truppen wie angekündigt 2013 beginnen, werden die deutschen Ausgaben für diesen Krieg nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ca. 36 Milliarden Euro erreichen. Der Großteil dieser Summe wird in den Bilanzen der Rüstungskonzerne auf der Haben-Seite geführt.

Proteste gegen den Krieg nicht verstummt

Die Proteste in den kriegführenden Ländern wie USA, Großbritannien und Deutschland gingen in diesen 10 Jahren weiter. Auch in Deutschland forderte die Friedensbewegung den sofortigen Abzug der Bundeswehr-Truppen aus Afghanistan. Während nach Meinungsumfragen über drei Viertel sich für einen Abzug der Bundeswehrtruppen aus Afghanistan aussprachen, wurde im Bundestag Jahr für Jahr mit Stimmen von CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen die Zustimmung des Parlaments zum Afghanistan-Einsatz verlängert.

Am 10. Jahrestag des Kriegsbeginns gingen in Berlin und anderen Städte Hunderte von Menschen auf die Straßen.

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