Eine unabhängige Einrichtung?

„Verlängerter Arm von Erdogan“, „von Ankara finanzierte Imame“, „scheinheiliger Vorstand“, „undemokratischer Umgang mit Kritikern“ sind Vorwürfe an den türkisch-islamischen Verband DITIB. Politische Skandale der letzten Jahre verstärkten die Stimmung gegen die von der türkischen Religionsbehörde Diyanet finanzierte DITIB:

Mindestens 19 Imamen wurde Spionage von Regimekritikern vorgeworfen. Diese wurden, noch bevor Ermittlungen eingeleitet werden konnten, wieder in die Türkei abgezogen. Der Verband organisierte in DITIB-Moscheen Theateraufführungen mit als Soldaten verkleideten Kindern, die auf die türkische Fahne schworen und erklärten, Märtyrer werden zu wollen. Nicht zuletzt im September wurde die Kölner Zentralmoschee in Köln offiziell vom türkischen Präsidenten Erdogan ohne Beteiligung von deutschen Vertretern eröffnet. Oftmals wurde kritisiert, dass die DITIB zu Menschenrechtsverletzungen und undemokratischen Handlungen in der Türkei schweigt, diese sogar oftmals verteidigt und beschönigt.

Die deutsche Öffentlichkeit hat somit große Hoffnungen in die Vorstandswahlen der DITIB Anfang Januar gesetzt. Man dachte, dass die DITIB die Vorwürfe entkräften, sich Richtung Deutschland orientieren und einen Neuanfang starten würde. Pustekuchen! Am 4. Januar hatte der Beirat, zu dem auch der Präsident und der Vizepräsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet gehören, 14 Kandidaten für den Vorstand vorgeschlagen. Dann wählte die Mitgliederversammlung, die eine Mischung aus türkischen Diplomaten aus Europa oft ohne Deutschland-Bezug und hiesigen DITIB-Funktionären ist. Ein Neuanfang ist der neue Vorstand keinesfalls: 3 der 7 Vorstände, u.a. der Vorsitzende und sein Vertreter, sind türkische Beamte der Diyanet. Damit wird die DITIB nach wie vor eng vom türkischen Staat gesteuert. Kritiker erklären sogar, dass die gewählten Vorstandsmitglieder untereinander viel homogener sind, als jemals zuvor. Somit sollte man nicht davon ausgehen, dass sich irgendetwas zum Positiven entwickeln wird: Sogar im Gegenteil: Die DITIB wird eine stärkere Abkapselung türkeistämmiger Menschen in Deutschland befeuern und versuchen, eine Spaltung stärker voranzutreiben.

Daher sollten deutsche Behörden ihre Zusammenarbeit mit der DITIB auf den Prüfstand stellen und zusehen, dass sie als das wahrgenommen wird, was sie tatsächlich ist: Eine religiöse Einrichtung, deren Aktivitäten nicht vom deutschen Staat unterstützt werden sollten!