Jenseits des „Identitäts“-Bewusstseins ….

Ahmet Cengiz

Jeder, der die politischen und sozialen Kämpfe in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern beobachtet, begegnet auf irgendeine Weise folgender Auffassung als Wahrzeichen burgeoisen Denkens: Der Kapitalismus hat Mängel, aber es gibt keine Alternative zu ihm! Also ist jeder Vorstoß, das kapitalistische System zu überwinden, zum Scheitern verurteilt!

Diese Sichtweise ist zwar nicht neu, aber sie hat trotzdem etwas Neues an sich. Die historische Niederlage der internationalen Arbeiterklasse erhob diese klassische Anschauung der burgeoisen Propaganda auf das Nievau eines Axioms. also einer Idee, die nicht nachgewiesen werden muss, die an sich als sein eigener Beleg zu akzeptieren ist. Und wenn dieser Gedanke, der als Axiom suggeriert wird, einmal zugrunde gelegt wurde, werden Begriffe wie sozialistische Revolution, die Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt, Klassenkampf oder Klassenbewusstsein als befremdlich wahrgenommen werden. Darüber hinaus werden diejenigen, die diese Begriffe verteidigen, werden gar als ewig gestrige Romantiker dargestellt, die sich der Aussichtslosihgkeit ihres Widerstrebens gegenüber dem Neuen nicht bewusst sind.

Das ist noch nicht alles: die konkreten Formen, die die politischen und sozialen Kämpfe unserer Zeit angenommen haben, scheinen diesen Vergleich regelrecht zu bestätigen. Die Kämpfe dieser Tage finden in großem Maße über Begriffe und Themen wie “Volk”, “Nation”, “Religion”, “Ethnie”, “Kultur”, “Umwelt”, “Klima”, “Gender”, “Gesundheit”, “Pflege”, “Ernährung”, “Wohnen”, “Migration” u.ä. statt. Und so gut wie bei keinem dieser Kämpfe ist zu erkennen, dass die Arbeiterklasse als Klasse eine entscheidende Rolle spielt! Die Arbeiter beteiligen sich zwar an diesen Kämpfe. Aber wenn man von Gewerkschaften absieht, die ihre Mitwirkung auf halbherzige Pflichtübung reduzieren oder die Kämpfe als Ventil einsetzen, mit dem die Arbeiter Dampf ablassen können, machen die Arbeiter bei diesen Kämpfen als Einzelpersonen oder in sehr kleinen Gruppen mit. Doch diejenigen, die diesen Kämpfen aus ideologisch-politischer Sicht ihren Klassenstempel aufdrücken, sind die Kleinbürger und die Mittelschicht oder verschiedene Kapitalgruppen, die sich direkt gegenseitig untergraben. So werden Klassenbegriffe bei diesen Kämpfen nicht zur Sprache gebracht. Und somit werden die konkreten politischen und sozialen Kämpfe, deren Ursprünge in den Klassenwidersprüchen liegen, allen voran von den Teilnehmern nicht als Klassenkämpfe bezeichnet.

Da ist es unmöglich, sich nicht an diese Worte von Karl Marx zu erinnern: “Alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen.” Versuchen wir anhand einer Wirklichkeit, die auf den ersten Blick nichts damit zu tun zu haben scheint, auszuarbeiten, ob dies auch auf die heutige Situation zutrifft.

Eine Wirklichkeit, die nicht einmal ein fanatischer Verfechter des Kapitalismus zurückweisen kann, ist die außerordentiche Vertiefung der Arbeitsteilung in den entwickelten kapitalistischen Gesellschaften. Wenn wir irgendeinen kapitalistischen Großkonzern betrachten, wird dies offensichtlich. Bekanntlich weisen die heutigen Konzerne gigantische Vermögen und Millonen von Arbeitern in ihren Konzernstrukturen auf. Sie produzieren weltweit und jede Produktionsanlage steht um Hinlick auf die Planun und Organisation miteinander in Verbindung. Also erfordert die geografischen und räunliche Ausweitung aufgrund ihrer Natur eine außerordentliche Teilung der Arbeit.

Sei es im Konzern sowie in den angebundenen Zuliefererbetrieben, oder sei es bei der gesamten gesellschaftlichen Produktion, die außerordentliche Teilung der Arbeit (also die Vertiefung in der Arbeitsteilung) erscheint auf den ersten Blick viel kleinteiliger, voneinander unabhängiger und autonomer als früher. Aus der Nähe betrachtet wird deutlich, dass die Produktion heute im Vergleich zu früher noch viel ganzheitlicher und deutlich stärker miteinander verbunden ist. Darüber hinaus wird erkennbar, dass diese Zergliederung sich auf die vorhandene Ganzheitlichkeit stützt.

Andererseites erfordert die Vertiefung in der Arbeitsteilung technologische und wissenschaftliche Instrumente, also fortgeschrittenere Produktionsmittel, die die Ganzheitlichkeit der aufgeteilten Arbeit gewährleisten. Beispielsweise entspricht das erreichte Niveau bei der Arbeitsteilung stets dem Entwicklungsstadium von Transport- und Kommunikationsmitteln, die diese Teilung nicht mehr als eine Loslösung der einzelnen Teile erscheinen lässt. Somit bedeutet die Vertiefung bei der Arbeitsteilung gleichzeitig die Entstehung neuer Techniken, neuer Industriezweige, neuer Berufe wie auch einer neuen Kultur bei Kommunikation und Transport. Daraus folgt natürlich auch, dass die Alten überwunden, überholt und ausgesondert werden.

Was die Arbeitsteilung ermöglicht

Dabei ist das, was wir als Arbeitsteilung bezeichnen, im Grunde eine Abstrahierung. Sie zeigt sich lediglich bei konkreten Sachen: Das macht sich beispielsweise bemerkbar, wenn bestimmte Berufe im Zuge des Aufkommens einer neuen Technologie der Vergangenheit angehören, oder bestimmte Industriesektoren in ein anderes Land verelagert werden; oder – um ein aktuelles Beispiel zu nehmen, wenn etwa die E-Mobilitäts-Technologie altansässige Zuliefererbetriebe zerstören.

Das heißt, die Arbeitsteilung fördert zwei Fälle zutage: a) Mit der Teilung der Produktionsprozesse sehen sich diejenigen, die sich in den Teilprozessen befinden, als autonom und vom Ganzen getrennt an. b) Diejenigen, die beim Prozess der Vertiefung der Arbeitsteilung ihre alte Stellung verlieren, suchen den Grund für diesen Verlust nicht in der Wirklichkeit, die hinter der Arbeitsteilung steckt, sondern in dem Fakt (wie “Globalisierung”, “Technologie” etc.), an dem sie sich stets konkretisiert. Kurzum: Je tiefer die Arbeitsteilung reicht, desto stärker werden die Zerstückelung, die Losgerisssenheit, Unmittelbarkeit und das Chaos. Je stärker die Vertiefung der Arbeitsteilung verschiedene Bereiche zwischen dem gesellschaftlichen Leben und der Produktion umfasst, desto schwieriger wird es für die Subjekte in diesen Bereichen, die Wirklichkeit hinter diesen komplexen Zusammenhängen und Beziehungen zu verstehen, ihnen auf die Spur zu jommen und die eigene Rolle sowie die Rolle der anderen zu verstehen.

Es ist klar, dass hier nicht die Rede vor irgendeiner Arbeitsteilung ist, sondern dass es hier um die kapitalistische Arbeitsteilung geht. D.h. es geht also um eine Arbeitsteilung, welche nach der kapitalistischen Produktionsweise, deren einziges Ziel ist die Produktion von Mehrwert, also das Erzielen von Maximalprofit ist, gestaltet wird. Mit anderen Worten wird deren konkrete Form nicht davon bestimmt, was die Technologie oder Wissenschaft abstrakt ermöglicht, sondern von den Erfordernissen der Profitsteigerung, und zwar einer Profitsteigerung unter den Bedingungen internationaler Konkurrenz.

Wenn also die Existenz der kapitalistischen Klasse wahr ist, d.h. wenn diese riesigen Produktionsmittel das Eigentum einer bestimmten Menschengruppe sind und wenn deren Ziel ausschließlich darin liegt, ihren Gewinn zu vermehren, und wenn dieses Ziel eine schnellere und wirtschaftlichere Produktion als beim Konkurrenten erfordert, also wenn es erfordert, die Ausbeutung zu erhöhen und die Technologie und Wissenschaft in den Dienst dieses Ziels zu stellen, und wenn es infolge dieses Impulses und dieser Gier kein Fleckchen Erde, keinen Bereich im gesellschaftlichen Leben gibt, was noch nicht besetzt worden wäre, und als Folge von alledem die Arbeitsteilung in der Produktion außerordentlich verbreitet und vertieft ist, dann wird es in einer solchen Gesellschaft niemanden wundern, dass die herrschende Klasse eine Verhaltensweise entwickeln, die der Natur ihrer Klasseninteressen liegt. Diese Verhaltensweise besteht darin, dass die herrschende Klasse falsche ideologisch-politische Ziele vorgibt, für Verwirrung sorgt, die Erscheinung von Dingen vor ihren Kern stellt, die klassenverbundenen Ursachen der Geschehnisse unter den Teppich kehrt, die Leidtragenden der Probleme mit diversen Methoden verblendet, damit sie nicht erkennen, dass sie ein Teil einer großen Klasse mit denselben Interessen sind und dementsprechend handeln müssen. Deshalb versucht die herrschende Klasse die vielfältige Spaltung und Verleumdung zu verstärken.

Je stärker die Komplexität und Zersplitterung werden

Wenn das Kapitalverhältnis als ein bestimmtes gesellschaftliches Verhältnis eine Realität ist (niemand mit Verstand würde wohl dem widersprechen) und infolge dessen als ein Verhältnis sein Gegenüber, also die Arbeiterklasse erfordert, dann werden in einer vom Kapital beherrschten kapitalistischen Gesellschaft der Widerspruch und das Verhältnis zwischen diesen beiden Hauptklassen auch den Widerspruch und das Verhältnis zwischen allen Klassen und Schichten bedingen. Dieser Hauptwiderspruch, also der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital, zeigt sich heute viel mittelbarer als früher. Er zeigt sich nicht immer so offen und unmittelbar wie zu Zeiten von Tarifverhandlung in der „klassischen Industrie“. Er umfasst zugleich viele Bereiche der gesellschaftlichen Produktion und in Gestalt von unterschiedlichen Formen. Unser Beispiel über die Vertiefung in der Teilung von Arbeit konkretisiert, warum das obige Zitat von Marx, wonach „Erscheinungsform und das Wesen der Dinge” nicht unmittelbar zusammenfallen, heute einen viel größeren Bereich umfasst und damit unvermeidbar in viel komplexeren Erscheinungsformen auftritt. (Ein Beispiel: Der Kampf gegen die Rodung des Hambacher Forstes durch den RWE-Konzern war einerseits ein Kampf gegen die Umweltzerstörung. Andererseits war er der Ausdruck des Widerstands gegen die Zügellosigkeit von Konzernen und ihre Hegemonie gegenüber der Bundesregierung. Diese Arroganz der Konzerne dürfte wohl kaum vom aktuellen Kräfteverhältnis zwischen dem Arbeit und das Kapital zu abstrahieren sein.)

Aus den bisherigen Ausführungen wurden zwei Punkte deutlich: I. Heute gibt es keinen Bereich, in den das Kapitalverhältnis nicht eingedrungen wäre. Das wiederum bedeutet, dass Beschäftigte, die früher in Branchen und Berufen arbeiteten, welche keinesfalls mit der Arbeiterklasse in Verbindung gesetzt worden waren, heute der Arbeiterklasse beigetreten sind. Was sich verbreitet, ist zweifellos das kapitalistische Lohnarbeitsverhältnis. Das allerdings muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Beschäftigten in den genannten Branchen bzw. Bereufen (an Privatunternehmen beschäftigte Lehrer, Krankenschwestern, Ärzte, Rechtsanwälte, Piloten etc.) sich heute als Angehörige der Arbeiterklasse ansehen. Berufsbewusstsein und Klassenbewusstsein sind zwei Paar Schuhe. Schließlich widerspiegeln sich Veränderungen am sozioökonomischen Status nicht einszueins und umgehend am Bewusstsein. Eines der Beispiele, die zeigen, wie schmerzhaft und mittelbar diese Widerspiegelung sein kann, ist bei den aus der Türkei angeworbenen „Gastarbeitern“ zu sehen. Die überwiegende Mehrheit wurde aus der anatolischen Provinz herausgeholt und in die modernen Industriebeziehungen hineingezwängt. Während die meisten ehemalige Bauern waren, wurden sie hier zwar zu Arbeitern, allerdings dauerte es eine Weile, bis sie auch im Hinblick auf ihr Bewusstsein und ihre Kultur Arbeiter wurden.

II. Es liegt auf der Hand, dass die Wahrnehmung von Klassenverhältnissen und -interessen mit der steigenden Komplexität und Zerssplitterung heute ein tiefergehendes theoretisch-politisches Verständnis voraussetzt. Es überrascht nicht, dass Arbeiter, die unter Bedingungen der schwachen Arbeiterbewegungen in der „klassischen Industrie“, also unter Bedingungen, unter denen die offenen Kämpfe der Arbeiter als Klasse nicht verbreitet waren, Teil der Arbeiterklasse wurden, sich jedoch nicht als solches wahrnehmen und somit ihre eigenen Kämpfe – genauso wie die bürgerliche Propaganda – nicht als Klassenkämpfe auffassen.

Die vielseitigen Folgen der historischen Niederlage der Arbeiterklasse sind noch längst nicht überwunden. Das sorgt dafür, dass diese beiden hauptsächlichen Gründe es dem Kleinbürgertum und der Mittelklasse ermöglichen, den von der steigenden Zügellosigkeit der Finanzkapital herausgeforderten politischen-sozialen Kämpfen überdurchschnittlich stark ihren Stempel aufdrücken können. Man darf allerdings nicht vergessen, dass dieser Einfluss nur unter den gegebenen Bedingungen diese Rolle spielt. Unter anderen Bedingungen würden sie eine entgegengesetzte Rolle spielen – nämlich eine Rolle, bei der sie die Arbeiterklasse und ihren Kampf bereichern und deren intellektuelle Kapazität erhöht.

„Identitäts“-Bewusstsein und Identität

Sicherlich ist jede Art von „Identitäts“-Bewusstsein (Nationalität, Religion, Geschlecht, Beruf usw.) ist ein Bewusstsein, das man sich im Vergleich zum Klassenbewusstsein viel leichter aneignen kann. Den Begriff „Identität“ verwenden wir hier in ihrem eigentlichen Sinne (im Sinne von „identisch sein“). Es ist klar, dass wir ohne die Kategorie „Identität“ nicht imstande wären, widerspruchlos zu denken. Ein Denken, das sich nicht auf diese Kategorie stützt, wäre ein „prä-logisches“ Denken. Andererseits stellt dieselbe Kategorie Hindernisse vor ein Denken, das Widersprüche zulässt. (Dialektische Denkweisen beruhen im Übrigen darauf, dass diese Hindernisse, eben unsere Erfahrung, dass die Dinge, die wir als „identisch“ betrachtet haben, sich zugleich als Nicht-Identische erweisen, überwunden werden.)

Anders ausgedrückt, sollte nicht vergessen werden, dass die Kategorie der Identität zwar erforderlich ist, dass sie allerdings eigentlich eine Kategorie ist, die die „leere Form“ eines Dings (ob ein Objekt oder eine Idee) in der betreffenden Situation beschreibt. So kann sich jemand beispielsweis mit der Nation, Religion oder dem Geschlecht identifizieren. Diese Angaben zur „Identität“ beinhalten zwar eine Menge Information, allerdings keine über den sozio-ökonomischen Status der Person. Dagegen besteht der Witz der Klassen-Kategorie darin, dass sie auf den gegeben Produktionsverhältnissen, also auf der Form der Organisation von Produktion in jener Gesellschaft beruht. Da es kein Leben ohne Produktion geben kann, beschreibt die Klassen-Kategorie nicht die „leere Form“. Sie steht über allen „Identitäten“ einer in einer Klassengesellschaft lebenden Person. Und sie zeigt genau auf, welche tatsächliche Stellung und Besonderheiten sie in der Gesellschaft hat. Ob sie hungert, arbeitslos ist oder arbeitet, ob sie Auskommen und eine sichere Zukunft hat, ob sie ein eintöniges kulturelles Leben führt – all diese Fragen können nicht außerhalb der Klassen-Kategorie begründet werden.

Die Klassen-Kategorie konkretisiert die Unterschiede in den zahllosen Identitäten auf der Grundlage dieser Angaben. D.h. sie umfasst die Identität und den Unterschied gleichzeitig und füllt die „leere Form“ der Identität mit einem konkreten Inhalt. Beispielsweise kann der Unterschied in der Identität von dere Nationalität (oder Religion) nur im Vergleich mit einer anderen Nationalität (Religion) angehört, gemacht werden. Beispielsweise mit Aussagen wie „ich bin Türke“, „sie ist Deutsche“ oder „ich bin Moslem“, „sie ist Christin“.

Wenn im politisch-sozialen Kampf die Unterscheidungen und damit verbunden die Aufstellung und Parteinahme von verschiedenen Reihen nicht auf der Grundlage von Klasse, sondern von „Identitäten“ passieren, bedeutet das, dass hier entweder die gesellschaftlichen Widersprüche verdeckt werden, oder Probleme, die im Kern eine Klassengrundlage habe, äußern sich in Form von bestimmten „Identitätsfragen“. Es erfordert zwar besondere Anstrengungen, allerdings ist es unumgänglich, in beiden Fällen die Klassenverhältnisse und -interessen zu konkretisieren – insbesondere dann, wenn die Arbeiter und Werktätigen nicht wollen, zum Füllmaterial für die „leeren Formen“ anderer Klassen und Gruppen zu werden.

Die ganze Kunst besteht darin, im Enzelnen das Allgemeine zu erkennen. D.h. es kommt darauf an, den Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital und dessen Auswirkungen selbst in Ereignissen, Fakten und Kämpfen zu erkennen, die auf den ersten Blick nicht im Zusammenhang damit stehen, und diese auch für Arbeiter und Werktätigen sichtbar zu machen. Das bedeutet nicht, dass man bei der Betrachtung von entsprechenden Vorkommnissen und Kämpfen sich mit der Feststellung begnügt: „dem liegt die Klassenfrage zugrunde!“ So einfach ist es nicht. Man darf also die Klassenbeziehungen nicht als eine äußere Wirklichkeit dem konkreten Gegenstand des Kampfes entgegen stellen. Ganz im Gegenteil muss man das Thema in seiner Tiefe beherrschen und die Klassenbeziehungen in seinen inneren Zusammenhängen herausstellen. Ohne diese Anstrengung können diese Kämpfe, die sich voneinander unabhängig entwickeln und die jeweils ihre Berechtigungsgrund haben, nicht zusammengeführt und gegen das gemeinsame Ziel (also gegen die Herrschaft des Kapitals) ausgerichtet werden.

Abschließend bleibt festzuhalten: In Klassengesellschaften wie dem Kapitalismus kann aus Sicht der Arbeiter und Werktätigen kein einziger politisch-sozialer Kampf weder Wurzel schlagen, noch die Sache am Wurzel packen, wenn er sich nicht auf die Klassenwirklichkeit und das Klassenbewusstsein stützt.