BRD – 1 % vs. 87 %

Eren Gültekin

Auch in diesem Jahr veröffentlichte die Organisation Oxfam rechtzeitig vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos ihre Studie zur sozialen Ungleichheit in der Welt, dies mit einem nochmal verschlechterten und erschreckenden Ergebnis.

Dem Bericht zufolge hat sich im letzten Jahr weltweit die Kluft zwischen Arm und Reich erneut vergrößert. Das Vermögen der reichsten Menschen ist im Jahr 2018 täglich (!) um 2,5 Milliarden Dollar (2,19 Milliarden Euro), somit auf insgesamt 900 Milliarden Dollar gestiegen. Dies bedeutet einen Zuwachs von genau zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. An der Spitze der reichsten Menschen der Welt ist Amazon-Chef Jeffrey Bezos mit 112 Milliarden Dollar, der mit weiteren 26 Milliardären genau so viel besitzt, wie die ärmere Hälfte auf diesem Planeten. Im Kontrast dazu: Das Einkommen und Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung ist im vergangenen Jahr um genau elf Prozent gesunken. Höchstens 5,50 Dollar haben 3,4 Milliarden Menschen pro Tag zur Verfügung. Noch schlimmer ist es für 736 Millionen Menschen, die in unvorstellbarer Armut leben und pro Tag mit weniger als 1,90 Dollar für sämtliche Ausgaben auskommen müssen – ein Umstand, der für viele von uns unvorstellbar wäre.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Deutschland, das zu den führenden Industrienationen dieser Erde gehört, Mitglied der G20 und G7 ist und zudem seit Jahren Export-Weltmeister wird, zeigt diese Schere ebenfalls sehr extrem. Das reichste ein Prozent hierzulande hat genau so viel wie die ärmsten 87 Prozent der arbeitenden Menschen. Die Superreichen konnten somit ihr Vermögen um 20 Prozent steigern und mit 15,8 Prozent liegt die Armutsquote auf dem höchsten Stand seit 1996. Frauen verdienen im 21. Jahrhundert in der BRD noch immer für dieselbe Arbeit im Durchschnitt 21,5 Prozent weniger. Nicht nur in Drittländern wie in Afrika leiden Kinder an Armut und Hunger, auch hier vor unserer Nase ist jedes fünfte Kind von Armut betroffen, was für viele unvorstellbar klingt aber die tatsächliche Realität ist, auch wenn Armut in Afrika nicht zu vergleichen ist mit der Armut in Deutschland. Es ist längst zur Normalität in Deutschland geworden, dass sogar Menschen mit einem festen Job nach getaner Arbeit auf der Straße Pfandflaschen sammeln oder einen Zweitjob verrichten müssen.

Reiche werden reicher, weil die Armen immer ärmer werden!

Wie kann es sein, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, dies von Jahr zu Jahr immer mehr steigt und die Schere immer weiter extrem auseinandergeht?

Eins ist klar, die Superreichen haben definitiv nicht wegen ihrem Fleiß Milliarden gehortet und für ihr Vermögen schwitzen müssen, wie die Arbeiterinnen und Arbeiter im Betrieb am Band oder diejenigen, die in der Pflege oder als Putzkraft arbeiten. Schon gar nicht wie die Menschen, die tagtäglich als Zeit- und Leiharbeiter zwar wie die Stammbelegschaft viel Kraft investieren müssen, im ständigen Konkurrenzkampf sind aber dennoch weniger Lohn bekommen. Genau aus diesem Grund geht die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander, weil das Reiche ein Prozent den von der arbeitenden Bevölkerung geschaffenem Mehrwert sich aneignet und nicht, weil sie es sich erarbeitet haben. Sie profitieren von der neoliberalen Umverteilung, dass wir uns in solch einem Zustand befinden. Hartz 4 und der Ausbau des Niedriglohnsektors haben uns das eingebrockt. Aber auch, dass Menschen mit unvorstellbar großem Vermögen kaum Steuern zahlen müssen, im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung. Natürlich sind es nicht die einzigen Faktoren jedoch die Wesentlichen.

Soziale Ungleichheit und neoliberale Politik ist der Nährboden für rechte Parolen!

Diese extreme Ungleichheit spiegelt die globalen Zustände wieder, die die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen derzeit darstellen. Das Resultat dieser Politik sind (Stellvertreter-)Kriege, sozialer Abstieg, Flucht und Auswanderung. Auch diese Quittung mussten wir alle mit dem Einzug der AfD in den Bundestag und in alle Länderparlamente zahlen. Nicht zuletzt die Hetzjagd auf offener Straße in Chemnitz gegen Menschen, die man für Nichtdeutsche hielt oder Verweigerung von Landeerlaubnis von Seenotrettern an europäischen Häfen zeigen, woher der Wind weht. Diese wachsende soziale Ungleichheit, die mit Hilfe der neoliberalen Politik geschaffen wurde, hat für das Erstarken rechter Strukturen den Nährboden geschaffen. Dieser Kurs trägt immer mehr dazu bei, dass die arbeitende Bevölkerung sich immer mehr untereinander spaltet und rechtspopulistischen Parolen der AfD Gehör verschafft. Somit kann die AfD für die soziale Ungleichheit die Schuld den Geflüchteten unterschieben. Aber soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit gab es lange vor den Flüchtlingen auch schon. Das Problem ist nicht erst seit paar Jahren bemerkbar, sondern liegt in der Natur des kapitalistischen Systems. Jedoch; dass man sich wehren kann, zeigt zurzeit auch die arbeitende Bevölkerung in Frankreich mit der Bewegung der,,Gelbwesten“. Seit Wochen sind sie auf den Straßen und zeigen ihre berechtigte Wut gegenüber Macron und seiner Kürzungspolitik. Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass es hierzulande genauso eine Bewegung geben muss. Zwar gibt es seit letztem Jahr einige soziale Bewegungen wie #wirsindmehr, Seebrücke, PAG usw. dennoch agieren sie nebeneinander und ohne die Hauptursache zu berücksichtigen – nämlich die soziale und Systemfrage zu stellen. Daher ist es wichtig, diese Bewegungen zu einigen und die soziale Frage in den Vordergrund zu rücken, um einerseits die derzeitigen Zustände erklären zu können und andererseits nach Alternativen zu suchen!