„Der Arbeitgeber will den Kollegen nur das Geld aus der Tasche ziehen“

Borbet ist ein deutscher Hersteller von Leichtmetall-Rädern und beliefert BMW, Ford, Daimler, VW usw. Vor dem Arbeitsgericht Solingen wurde nun ein Arbeitsgerichtsverfahren aufgenommen. Hierbei geht es darum, ob der Betriebsrat der Solinger Produktionsstätte seine Arbeit weiterhin machen darf oder abgesetzt wird. Bei der Güteverhandlung zwischen der Firma Borbet und dem Betriebsrat von Borbet bzw. dem Ausschlussverfahren gegen den Betriebsrat der Firma Borbet haben sich etliche Kollegen versammelt, um sich mit ihrem gewählten Betriebsrat zu solidarisieren. Wir sind vor dem Gericht und eine lange Güteverhandlung findet statt. Das Ergebnis: Der Betriebsrat wurde nicht aufgelöst, sondern das Verfahren wurde jetzt nunmehr ruhend gestellt und ein arbeitsgerichtliches Meditationsverfahren wird entsprechend eingeleitet. Das, so höre ich, habe die IG Metall im Vorfeld bereits vorgeschlagen, aber der Arbeitgeber sei nicht drauf eingegangen, so die Kollegen. Nun, nach dem Vorschlag des Arbeitsgericht sei der Vorschlag sowohl von der Betriebsräte-Seite als auch von der Arbeitgeber-Seite angenommen worden. Ich treffe Marko Röhrig, Geschäftsführer der IG Metall Remscheid-Solingen und er beantwortet meine Fragen.

YÜCEL ÖZDEMIR

Warum waren heute so viele Kollegen und Beschäftigte hier?

Zum Einen gibt es eine Betriebsöffentlichkeit. Wir hatten letzten Freitag Betriebsversammlung. Ich habe die Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, die Freischicht haben, heute sich hier solidarisch zu zeigen, denn wer einen Betriebsrat aushebeln will, greift eine komplette Belegschaft an und wer die Belegschaft angreift, greift in diesem Fall auch die IG Metall an. Deswegen ist es wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen sich mit ihrem gewählten Betriebsrat solidarisch zeigen und hinter ihm stehen, denn heute steht nicht nur der Betriebsrat alleine vor Gericht, sondern eben die komplette Belegschaft. Zum Anderen wird das Thema auch öffentlich wahrgenommen.

Die Kanzlei Schreiner + Partner vertritt die Seite der Arbeitgeber. Wie sind die Erfahrungen der IG Metall mit dieser Kanzlei?

Ich will mich da relativ kurz fassen. Diese Kanzlei ist bekannt bei der IG Metall als Union Busting Kanzlei. [Union Busting (Gewerkschafts-Zerstörung) ist die systematische Bekämpfung und Unterdrückung von Gewerkschaften, Betriebsräten und Personalräten]. Das heisst, wir haben regelmäßig und an mehreren Stellen mit dieser Kanzlei zu tun und immer dann, wenn es gegen Betriebsräte oder gegen einzelne Kollegen aus dem Betriebsrat geht, nehmen Arbeitgeber immer ganz gerne diese Kanzlei, die ja auch bekannt dafür ist, solche schwierigen Situationen für die Arbeitgeber zu meistern. Mehr brauche ich auch dazu nicht sagen: Ich komme mit denen nicht ganz klar, was wohl in der Natur der Sache liegt, da man bei denen wenig von Betriebsräten und Gewerkschaften hält.

Wie wird es nun mit Borbet weiter gehen?

Ich hoffe, dass das Meditationsverfahren zeitnah eingeleitet und auch zum Erfolg gebracht wird. Wir haben noch viele viele Baustellen im Betrieb. Der Arbeitgeber hat zwischenzeitlich das alte Schichtsystem aufgekündigt, ein Viereinhalb-Schichtsystem, was vor ein Paar Jahren eigentlich nach allen ergonomischen Grundsätzen gemeinsam erarbeitet worden war. Der Arbeitgeber will bei Borbet ein Fünf-Schichtsystem einführen und wenn man sich die ersten Entwürfe der Arbeitgeberseite anschaut, dann gruselt es uns als IG Metall. Dieses neue Schichtsystem vermag vielleicht ein bisschen mehr Freizeit bringen, wie der Arbeitgeber behauptet, was ich aber bisher nicht so wirklich sehe. Aber eins ist klar, es ist weniger ergonomisch als das bisherige System und am Ende wird, wenn der Arbeitgeber sich mit all seinen Forderungen durchsetzen sollte, für die Kollegen richtig viel Geld verloren gehen.

Offiziell lauten ja die Vorwürfe gegen den Betriebsratsvorsitzenden ja anders.

Wir als IG Metall sind der Meinung, dass das schon etwas mit den laufenden Verhandlungen zu tun hat. Es ist jetzt eine Einigungsstelle eingeleitet worden bezüglich des Schichtsystems. Das, was hier alles gemacht worden ist, ist eigentlich ein Ablenkungsmanöver, um zum einen den Betriebsrat und zum anderen die Belegschaft zu spalten und von dem eigentlichen Thema abzulenken, nämlich das Borbet hier vorhat, den KollegInnen in die Tasche zu greifen.

Wie viele Kollegen von Borbet sind bei IG Metall organisiert?

Wir geben nie genaue Zahlen bekannt, aber ich kann sagen, es ist einer der besser organisierten Betriebe, die wir in der Geschäftsstelle haben, zumindest was den Bereich der Fertigung betrifft. Dort sind wir fast 90 Prozent organisiert. Also wir sind gut aufgestellt bei Borbet.

Wir haben viele Strömungen auch bei Borbet, das heisst bei der Betriebsratswahl gab es insgesamt sieben Listen, die sich aus unterschiedlichen Gründen zusammen gesetzt haben. Das hat auch teilweise kulturelle Hintergründe. Aber am Ende geht es darum, Betriebsratsarbeit für alle Kolleginnen und Kollegen anständig zu gestalten, für sie das beste herauszuholen und da muss sich auch jede Strömung und jede Liste immer wieder an die Nase packen und sich fragen ‚Von wem bin ich gewählt worden, für wen will ich hier etwas erreichen?‘.

Wie ist die Beziehungen der Arbeiter aus verschiedenen Nationalitäten denn im Betrieb? Gibt es Konflikte, die daraus resultieren?

Borbet ist ein Multikulti-Betrieb. Auch ein Grund warum ich immer wieder gerne da bin, weil das ist ja auch ein bisschen Vielfalt, die man da erlebt. Das ist nicht immer einfach, mit vielen unterschiedlichen Kulturen zusammen arbeiten, aber es macht unheimlich Spaß und man kann aus allem etwas ziehen und ich glaube, das ist auch eine Stärke dieses Betriebsrates, dass er sich nämlich aus vielen zusammensetzt, auch aus vielen Listen, aber auch dass die Kollegen einzelner Nationen sich von ihren Kollegen dort vertreten fühlen.