Das Sparen ist für viele Menschen eine Utopie!

Eren Gültekin

31 Prozent der Haushalte in der Bundesrepublik können ihr Geld nicht zurücklegen. Das ist ein Anstieg um 4 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Dies ergab eine Studie, die von der ING-DiBa in Auftrag gegeben wurde.

Doch wen wundert`s, dass viele zig Millionen Menschen nicht ausreichend Geld haben, um auch noch was bei Seite zu legen?

Bereits die Studie zur sozialen Ungleichheit der Organisation Oxfam vor einigen Wochen hat dies erkennen lassen. Den Hauptgrund für das nicht sparen können tragen mit Sicherheit prekäre Arbeitsverhältnisse bei niedrigen Löhnen. Auf der einen Seite konnten die Superreichen ihr Vermögen um 20 Prozent steigern und im Kontrast dazu liegt die Armutsquote mit 15,8 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1996.

Sparen-Studie

Unter untersuchten 13 europäischen Ländern hat Deutschland den zweithöchsten Anteil an Menschen ohne jegliche Ersparnisse, und steht somit gleich hinter Rumänien. Trotz der Tatsache, dass Deutschland eines der führenden Industrienationen und seit Jahren Export-Weltmeister ist. Es ist auch interessant, dass sich dieser Wert in Deutschland zum Vorjahr um 4 Prozent erhöhen konnte während die anderen 12 europäischen Länder im Schnitt nur um 1 Prozent höher lagen, als im Vorjahr. 63 Prozent der Befragten gaben als Grund hierfür an, dass ihr Einkommen zu gering sei,während nur 10 Prozent der Befragten angaben, dass es zu „unerwarteten Ausgaben“ oder zu „Ausgaben für Dinge, die nicht zum Grundbedarf gehören“ gekommen sei.

Der Grund liegt auf der Hand

Die Welt schreibt dazu fast schon verhöhnend: „Ob der Verdienst der Nichtsparer wirklich zu gering ist, wurde nicht erhoben.“ Da wird wieder der Mensch unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen zum seines Schicksals Schmied erklärt. Der Grund für das Nicht-Sparen-Können vieler Menschen liegt aber doch eindeutig auf der Hand und ist längst kein Geheimnis. Nicht mal die Bundesregierung oder die SPD als Regierungspartei kommt heutzutage drum herum, sich dieser Tatsache zu stellen. Deutschland ist mit dem größten Niedriglohnsektor in Europa auf Platz 1 mit über einer Millionen Leiharbeiter und 2 Millionen Minijobbern, viele von ihnen Hartz-IV-“Aufstocker“, d.h. müssen vom Staat Gelder bekommen, obwohl sie Vollzeit arbeiten. Der teure Wohnungsmarkt und die immer mehr steigenden Mieten sind ebenfalls ein wichtiger Grund, weshalb viele am Monatsende wenig Geld bis zu gar nichts mehr zur Verfügung haben. Viele Rentnerinnen und Rentner oder auch viele, die noch nicht in Rente sind, machen sich Sorgen, ob sie im Ruhestand überhaupt auskommen werden. Rentner, die Zeitungen austeilen oder Pfandflaschen sammeln, sind keine Seltenheit mehr.

Eine utopische Vorstellung für die Jugend

Studierende und junge Auszubildende die aufgrund des Studiums oder der Ausbildungsstelle aus dem Elternhaus in eine andere Stadt ziehen müssen, haben es besonders schwer. Studierende die Tag für Tag den stressigen Leistungserwartungen entsprechen müssen und denen das Bafög nicht reicht, arbeiten noch zusätzlich neben dem ganzen Stress. Parallel dazu steigt auch die Anzahl der Studierenden, die einen Studienkredit beantragen, weshalb sie sich nach dem Studium in einem Schuldenberg wiederfinden. Bei Azubis ist es nicht wirklich besser. Die haben meist ein viel zu geringes Einkommen und müssen schauen, wie sie mit dem Geld um die Runden kommen, gar sich finanziell vom Elternhaus unterstützen lassen müssen, um ihre Miete und ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung bezahlen zu können. Bei Jugendlichen, die aus einer Arbeiterfamilie kommen, ist dies nochmal härter, da sie auf die Unterstützung vom Elternhaus verzichten müssen, da die Eltern selbst das Monatsende sehnsüchtig erwarten.

Allein Erziehende Eltern mehrfach belastet

Eine weitere Gruppe sind Alleinerziehende, meist Frauen, mit einer doppel- gar dreifach Belastung. Zum einem kommt der diskriminierende Gehalt auf dem Arbeitsmarkt: Für die selbe Arbeit bekommen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer und zum anderen müssen Alleinerziehende auch noch ihre Kinder versorgen, was beim besten Willen nichts kostengünstiges ist. Die Oxfam-Studie zeigte auf, dass in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Dies zeigt, dass Deutschland weit entfernt ist von einer Gesellschaft, die ihre Schwachen und schwächsten Glieder beschützt und ihnen Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

Wir brauchen eine soziale Politik statt mehr Aufrüstung

Auch wenn „wir“ als die Nation der Sparer gelten und im internationalen Vergleich auf den oberen Rängen sind, zeigt es deutlich, dass die Medaille auch eine andere Seite hat und die soziale Ungleichheit gewaltig groß ist. All diese Missstände sollten eigentlich ein Appell an die Politik und Wirtschaft sein. Doch bei der Sache geht es nicht Ethik und Moral.

Um am Ende des Monats wirklich Geld zur Verfügung haben zu können, erfordert es mehr an sozialen Wohnraum, kostenfreie, öffentliche Verkehrsmittel, Zugang zu Bildung und medizinische Versorgung sowie kulturelle und Freizeitangebote, die sich auch jeder leisten kann, sowie ein Gehalt, von dem jeder Leben kann. Aus keinem anderen Grund sind unsere Nachbarn mit ihren gelben Westen wochenlang auf die Straßen gegangen, um auf diese gesellschaftlichen Missstände zu antworten und ein Ende neoliberaler Politik zu fordern. Eines ist klar: Genug Geld und Reichtum für alle Menschen ist ausreichend da, doch die Umverteilung für ein menschenwürdiges Leben wird von diesem System nicht angestrebt. Stattdessen liegt der derzeitige Fokus bei der Militarisierung und Aufrüstung. Bis zum Jahr 2024 sollen die europäischen Nato-Mitglieder zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Aufrüstung ausgeben, was Deutschland bereits jetzt schon überschritten hat. Diese Beziehungen zwischen Aufrüstung, der sozialen Ungleichheit und dem Nicht-Sparen-Können müssen wir erkennen und die Gesellschaft dementsprechend komplett verändern!