Geld und Leid, die Geschichte vom Fleisch

Kiki Tsartsaris

In einem Schlachthof in München wurde das Fleisch von über 600 bereits geschlachteten Schweinen verbrannt. Wieso? Ein Hygienefehler. Vor der Schlachtung ist die Untersuchung eines Amtsveterinärs der Tiere nicht erfolgt. Was für eine Verschwendung. Bei vielen Menschen löste das „mächtig Kopfschütteln“ aus. Die Nachfrage der Menschen nach Fleisch steigt stetig und somit muss die Produktion von Fleisch immer schneller und billiger geschehen. Hier kommt die Massentierhaltung ins Spiel.

Massentierhaltung meint im Allgemeinen die Zucht von Nutztieren in Großbetrieben, das bedeutet viele Tiere auf engem Raum. Auf vier Quadratmeter kommen z.B. vier Schweine, bei einem Körpergewicht von bis zu 110 kg. Ziemlich eng, schmutzig und überhaupt nicht artgerecht. Die Tiere sehen das Tageslicht kaum und sitzen ununterbrochen in ihren eigenen Ausscheidungen. Mithilfe von energiereichem Kraftfutter wachsen die Tiere schneller und werden dann im Alter von ca. 6 Monaten geschlachtet, obwohl sie in der Natur erst mit 4 Jahren vollständig ausgewachsen wären. Diese übermäßige Belastung ihrer jungen Körper und die unhygienischen Verhältnisse der Einrichtungen, führen zu schweren Erkrankungen (z.B. Schäden an Haut, Herz, Lunge und Magen) und teilweise auch zum frühzeitigen Tod. Um dem entgegenzuwirken werden zur Vorsorge häufig Antibiotika eingesetzt. Wenn sie die richtige Größe und das richtige Gewicht erreicht haben, werden Tiere mit CO2 Gas oder mit Elektrizität „betäubt“ und am Hinterbein aufgehängt. Mit einem Schnitt durch die Brust soll das Schwein nun ausbluten, teilweise immer noch bei Bewusstsein. Ein grausames Ende passend zu einem ebenso grausamen Leben.

Dabei zeigen viele Studien, dass der übermäßige Konsum von Fleisch erhebliche gesundheitliche Folgen mit sich zieht. Der hohe Fett- und Cholesteringehalt begünstigen Fettleibigkeit und Ablagerungen in den Blutgefäßen und erhöhen somit das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Auch das Risiko an Diabetes mellitus Typ II und Krebs zu erkranken steigt erheblich. Medikamente und Hormone, die den Tieren gegeben werden, nehmen wir unfreiwillig über deren Fleisch auf, auch die Antibiotika,wodurch sich resistente Keime bilden.

Fleisch und Umwelt

Der Begriff globale Erwärmung und der damit verbundene Klimawandel wird groß diskutiert und ist in aller Munde. In vielen Städten in Deutschland gehen nun Schüler auf die Straße, um darauf aufmerksam zu machen. Eine Bewegung, die sehr nötig ist und hoffentlich auch die ältere Generation wachrüttelt.

Was hat aber die Massentierhaltung mit der Umwelt zu tun? Drei Faktoren sind dabei entscheidend.

  1. Produktion von Treibhausgasen: Die Tiere stoßen bei der Verdauung Methangas aus, Wiederkäuer, wie Rinder, dabei mehr als andere. Es verweilt bis zu 20 Jahre in unserer Atmosphäre und ist um ein vielfaches schädlicher als CO2. Alleine 2017 wurden in Deutschland 745 Millionen Tiere geschlachtet, die alle Emissionen verursacht haben. Die Massentierhaltung schadet dem Klima somit mehr, als der weltweite Verkehr zu Land, Wasser und in der Luft.

  2. Flächennutzung: Mehr als 70 Prozent vom weltweit landwirtschaftlich bebauten Land wird für das Futter der Tiere verwendet. Leider reicht das aber nicht aus und es müssen immer wieder neue Flächen für den Anbau geschaffen werden. Der Regenwald Südamerikas leidet dabei besonders – mittlerweile sind 70 Prozent des vorher bewaldeten Landes gerodet worden. Der Lebensraum vieler Tiere wird dadurch zerstört und führt zu vermehrtem Artensterben. Mit den Ernteerträgen könnte man stattdessen den Hunger der Welt stillen und einem großen globalen Problem ein Ende setzen.

  3. Verschwendung und Verschmutzung von Wasser: Die Bewässerung vom Futtermittel, der Bedarf der Tiere an Trinkwasser, das Reinigen der Ställe und die Weiterverarbeitung vom Fleisch benötigen viel Wasser. So viel, dass am Ende auf nur ein Kilo Rindfleisch umgerechnet über 15.000 Liter kommen. Die verwendeten Medikamente, Pestizide und Ausscheidungen können von Kläranlagen teilweise nicht ausgefiltert werden oder gelangen direkt ins Trinkwasser. Damit leidet die Bodenqualität ebenso wie unsere Gesundheit.

Betrachtet man die negativen Folgen für Mensch, Tier und Umwelt, stellen sich einige die Frage warum die Massentierhaltung noch immer so betrieben wird. Wer profitiert davon?

Etwa 39 Milliarden Euro fließen jährlich in das Geschäft der Massentierhaltung in Form von Subventionen für Betrieb und Land. Zugunsten der Futtermittelindustrie dürfen keine Speisereste an die Tiere verfüttert werden, sondern nur spezielles Kraftfutter. Bauunternehmen, die Pharmaindustrie, die Abfall- und Verpackungsindustrie verdienen ebenfalls einige Scheine dabei.

Das Interessanteste dabei ist: das viele produzierte Fleisch wird nicht mal ganz konsumiert. Es wird wochenlang gelagert und ist im Prinzip schon durch die vielen Subventionen abbezahlt. Dadurch häuft sich nicht nur das Fleisch, auch Produkte, wie Milch und Butter türmen sich zu Bergen. Was in Deutschland und anderen Industrieländern dann nicht verkauft werden kann, trotz des Billigpreises, wird dann in Entwicklungsländer wie Afrika exportiert. Es zerstört den dortigen Markt und Kleinbauern können ihr Geschäft nicht halten, gleichzeitig aber ist es dort zu teuer für den ärmeren Teil der Bevölkerung und sie müssen darauf verzichten. Alles was nicht mehr verkäuflich ist, wird einfach weggeschmissen. Das alles unterstützen wir unweigerlich mit unseren Steuergeldern.

Die Lobby der Agrarindustrie schafft es tagtäglich die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Es gibt bereits Kämpfe gegen die Massentierhaltung und die aktuelle Agrarpolitik. Dabei geht es uns alle etwas an, wie unsere Lebensmittel hergestellt werden, schließlich landen sie am Ende auf unserem Teller. Natürlich sollten wir dementsprechend auch hinterfragen, was für Fleisch wir konsumieren und auch reduzieren. Vor allem brauchen wir aber mehr Transparenz über die Herkunft und Herstellung unserer tierischen Lebensmittel und der Profit von Großkonzernen darf nicht über das Wohl der Menschen, Tiere und der Umwelt gestellt werden. Und vor allem darf diese Profitgier nicht durch unsere Steuergelder mitfinanziert werden. Statt 39 Milliarden Euro in die Massentierhaltung zu stecken, sollte dieses Geld lieber in die artgerechte Tierhaltung und Landwirtschaft investiert werden.