Seenotrettung ist kein Verbrechen, die Vernichtung der Lebensgrundlage in Afrika schon!

„Gutmenschen können es nicht verstehen, weil sie hinter ihren abgezäunten Gärten Biofleisch grillen und keine Ahnung davon haben, was es heißt, mit einem niedrigen Lohn eine Familie zu finanzieren, während sogenannte Flüchtlinge alles von unseren Steuergeldern in den A….. geschoben bekommen. Man soll sie einfach absaufen lassen und wir hätten diese Probleme nicht!“ Solche und ähnliche Kommentare findet man nahezu unter jedem Artikel, der das Thema Flüchtlinge behandelt. Vor allem ist die Diskussion jetzt wieder entfacht, weil die deutsche Kapitänin des Rettungsschiffes „Seawatch 3“ der gleichnamigen Hilfsorganisation in Italien als Schleuserin und als Kriminelle verhaftet wurde. Ihr drohen 10 Jahre Haft, weil sie knapp 50 Menschen vom Meer geholt und nach 2 Wochen vor Lampedusas Küste endlich am Hafen angelegt hat – unerlaubt.

Zunächst einmal noch zu dem oben zitierten Kommentar: Mal abgesehen davon, dass die soziale Schere zwischen arm und reich lange vor den Flüchtlingen auseinanderklaffte und Niedriglöhne, Hartz IV und sozialer Abstieg Teil des Systems sind, ist es eine falsche Annahme, Flüchtlinge würden alles bekommen, was dem deutschen Arbeiter vorenthalten bliebe. Das ist ein Mythos, den „Rechtspopulisten“ in die Welt setzen, um ihre Unmenschlichkeit zu kaschieren. Denn sie leben davon, dass sie Hetzen und Hass schüren, gerne auch mit falschen Fakten.

Nun zu der Verhaftung der Kapitänin Rackete: Wenn Menschen, die nicht tatenlos zusehen möchten, wie andere Menschen ertrinken, selber die Initiative ergreifen und Menschen aus dem Meer fischen, Gutmenschen sind, was sind dann eigentlich ihre Kritiker? Bösmenschen?

Zumindest Salvini verdient diese Bezeichnung und will an Rackete ein Exempel statuieren, um Seenotrettung zu unterbinden, aber auch „um Flüchtlinge abzuschrecken, sich auf die gefährliche Mittelmeerreise zu begeben“. Salvini spielt den Bademeister, der zur Mutter des ertrunkenen Kindes spricht: „Tut mir leid, ich durfte Ihren Sohn nicht retten, sonst würden noch mehr Kinder motiviert werden, vom Dreier ins tiefe Wasser zu springen!“

Lange genug hat Deutschland die EU-Grenzstaaten wie Italien mit dem Flüchtlingsproblem alleine gelassen. Das aber darf keinesfalls bedeuten, dass Italien Seenotrettung kriminalisieren und Flüchtlinge ersaufen lassen darf. Politische und gemeinsame Lösungen müssen gesucht und gefunden werden.

Denn das eigentliche Dilemma ist nicht, ob das Schiff in Lampedusa-Italien hätte anlegen dürfen oder nicht mit der Konsequenz, dass die Kapitänin verhaftet wird, sondern die Frage, warum diese Menschen sich auf diesen gefährlichen Weg über das Meer machen und wie man dafür sorgen kann, dass sie in ihrer Heimat eine Bleibeperspektive haben. Wenn Europa die Lebensgrundlage in Afrika zerstört, durch Waffenverkäufe Gewalt und Krieg sät, Ausbeutung und Vernichtung der dortigen Industrie und Landwirtschaft fördert und Warlords und Diktatoren finanziert, damit sie die Ausbeutung ihrer Reichtümer billigend mitmachen, werden immer mehr Menschen nach Europa kommen, egal, wie viele Menschen Europa noch ertrinken lässt.