Amazon-Chef: Nach wie vor ’schlechtester Chef der Welt‘

Eren Gültekin

Jeff Bezos, ein Name den man regelmäßig hört. Kein Wunder, mit einem geschätzten Vermögen von 121 Milliarden US-Dollar ist der Amazon-Chef schon längst vor dem ehemals reichsten Microsoft Besitzer Bill Gates an der Spitze des Rangs als reichster Mensch der Welt Dauergast.

2.489 US-DOLLAR IN DER SEKUNDE

Bezos, dessen Vermögen größtenteils in Amazon-Aktien liegt, verdient rund 8,9 Millionen US-Dollar pro Stunde. Diese Berechnung basiert auf dem Jahresvergleich seines Nettovermögens. Um es mit einem durchschnittlichen amerikanischen Arbeiter zu verdeutlichen: Der Amazon-Chef verdient allein pro Sekunde 2489 Dollar somit doppelt so viel wie ein amerikanischer Arbeiter pro Woche; mit 149533 Dollar pro Minute beispielsweise dreimal so viel wie eine durchschnittliche US-Arbeiterin in einem Jahr.

In weniger als 15 Minuten hat Bezos bereits mehr verdient, als ein durchschnittlicher amerikanischer Bachelor-Absolvent in seinem gesamten Leben (insgesamt 2,19 Millionen Dollar, eine Absolventin übrigens nur 1,32 Millionen US Dollar).

VERDREIFACHUNG DES UMSATZES 2013-2019

Nicht umsonst wurde der Amazon-Chef im Jahr 2014 vom internationalen Gewerkschaftsbund zum

„schlechtesten Chef der Welt“ gekürt. Immer wieder ruft die Ver.di zu Streiks bei dem Online-Händler auf. Dieser beschäftigt mehr als 20000 Menschen in mittlerweile 35 Standorten im gesamten Bundesgebiet. Der deutsche Markt ist der wichtigste Markt im Ausland für den Riesen, der stetig wächst. Allein 2018 lag der Umsatz in Deutschland bei 19,9 Milliarden Dollar, 17 % mehr als im Jahr zuvor.

Häufig geriet der Konzern in Deutschland zu recht in Kritik aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und auch der Bezahlung in den Amazon-Lagern. Hierzu betonte Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Vorstand, dass die Beschäftigten mit den Streiks „auch die Willkür eines Handelsunternehmens beenden, das seine Beschäftigten mit Arbeitshetze und umfassenden Kontrollen unter Druck setzt“. Seit über 6 Jahren führt die Gewerkschaft den Arbeitskampf gegen den großen Konzern. Dieser widerrum hat sich in den Jahren sehr verändert, so z.B. eigene innerstädtische Expressauslieferstationen (Prime Now Hubs). Somit versucht sich Amazon von den großen Paketdiensten wie DHL, Hermes, UPS und DPD zu lösen und unabhängig zu agieren. Statt das Geld in die großen Paketdienste zu investieren, hat Amazon in Deutschland seit 2016 Sortier- und Verteilzentren eröffnet und eigene Zustelldienst „Amazon Logistic“ aufgebaut. Diese nimmt kleine und mittelständische Kurierdienste unter Vertrag. Nach dem Bericht der Welt sollen derzeit rund 13000 Subunternehmer-Kuriere für Amazon alleine hierzulande unterwegs sein. Das heißt laut Handelsblatt für die DHL, dass diese bis 2022 rund 154 Millionen Pakete weniger für Amazon ausliefern werde, als heute.

Nicht nur innerhalb der Städte gibt es eine enorme Entwicklung, was die Spezialisierung und Investition anbelangt. Amazon ist gerade dabei, in die internationale Containerschifffahrt einzusteigen. Auch ist das Unternehmen innerhalb weniger Jahre unauffällig mit ihrem Drohnenprogramm „Airline Prime Air“ zur fünftgrössten Frachtfluggesellschaft der Welt aufgestiegen. Das Resultat dieser ganzen Investition bleibt natürlich nicht unbemerkt; Von 2013 bis 2019 hat Amazon seinen Umsatz von 74 auf 233 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Somit auch die Zahl der Angestellten von 117300 auf rund 650000. Und täglich kommen ca. 300 Menschen dazu. 2013 waren es 49 Versandlager in acht Ländern und heute sind es inzwischen mehr als 1.000 Standorte in 22 Ländern.

GEWERKSCHAFTEN: „AMAZON ALLIANCE“

Auch die Gewerkschaften haben in den vergangen sechs Jahren des Arbeitskampfes neue Strategien entwickelt, um gegen den Großkonzern anzugehen. So gründete die internationale Dienstleistungsgewerkschaften UNI Global Union 2015 ihre „Amazon Alliance“. Diese bestand anfänglich in Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Großbritannien, Polen und Tschechien. Heute ist diese Alliance jedoch nicht mehr nur auf Europa beschränkt, so kamen Anfang diesen Jahres in Berlin 70 Delegierte aus 16 Ländern zusammen, darunter auch aus den USA und Lateinamerika. Fazit dieses gemeinsamen Schrittes war es, Aktionen über Grenzen hinweg zu koordinieren. Schon seit 2014 bestehen z.B. Kontakte zwischen Verdi-Vertrauensleuten bei Amazon Bad Hersfeld zu Kolleginnen und Kollegen der CTG an französischen Standorten. Neben dem Kampf mit der Verdi für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon kritisiert die Gewerkschaft auch in Deutschland die langen Laufstrecken der Lagerarbeiter mit mehr als 24 Kilometern am Tag, sowie dass der Notarztwagen regelmäßig außerhalb des Firmengeländes warten muss, um die Beschäftigten aufzusammeln. Das klingt zwar im ersten Moment komisch, jedoch wenn man liest und hört was für Beschwerden die Angestellten bei Amazon haben, kommt man ins Grübeln. So kann man auf der Homepage von Verdi lesen, dass sich viele Angestellte „als Teil einer Maschine“ fühlen, entsprechend sei auch die Krankenquote hoch (an manchen Tagen teilweise bis zu 20% und darüber). Neben Muskel- und Skeletterkrankungen sind auch psychische Erkrankungen häufig, Amazon arbeitet nach dem Prinzip des „Standard Work“ d.h. alle Arbeitsprozesse werden nach bestimmten Regeln und an jedem Standort identisch durchgeführt. Zudem ist der Großteil der Beschäftigten in Deutschland nur befristet eingestellt, die meisten bis zu zwei Jahre, was eine unsichere Zukunft bedeutet.

MEHR ALS NUR EIN ONLINE-HÄNDLER

Zusätzlich möchte Amazon auch auf die Politik Einfluss nehmen. In Seattle, dem internationalen Hauptquartier des Konzerns, wurde einem Stadtrat-Kandidaten 1,5 Millionen Dollar gespendet, womit der Konzern sich mehr in politische Geschehnisse einmischen wollte. „Wir steuern etwas zu dieser Wahl bei, da uns die Zukunft Seattles sehr am Herzen liegt“, beschrieb der Amazon Sprecher Aaron Toso. Es beschränkt sich nicht nur auf die kommunale Ebene. Der Vizepräsident und Leiter der Rechtsabteilung Amazons lud für den kommenden Monat einen der Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei, Joseph Biden. Ziel dabei ist es, Biden den Rücken zu stärken und mehr Spenden zu sammeln und natürlich mehr politischen Einfluss zu gewinnen. Seit längerem kritisieren Bürgerrechtler Amazon stark, weil sie ihre Gesichtserkennung-Software der Polizei zum Einsatz freistellt.

Der Kampf Arbeiter gegen Amazon ist ein Kampf David gegen Goliath, der unsere Unterstützung braucht. Deshalb gilt es sicherlich auch, das nächste Mal den Schritt zum Geschäft in der Stadt zu machen, auch wenn der Klick vom Laptop einem leichter fällt. Auch die Politik ist natürlich hierbei gefragt -denn Konzerne wie Amazon zahlen kaum Steuern- Schritte zu unternehmen, diese ernsthaft zu Besteuern und Handelsabkommen mit diversen Ländern zu unterbinden, die vor allem dazu führen, die Arbeitsverhältnisse der Menschen hierzulande zu verschlechtern.