25. November: „Gewalt an Frauen und Mädchen manifestiert sich“

Özgün Onal

Jedes Jahr finden am 25. November überall auf der Welt Aktionen, Proteste oder Konferenzen gegen Gewalt, konkreter wegen der andauernden Gewalt gegen Frauen statt. Entwicklungen zeigen aber, dass dieses Problem immer noch sehr akut ist.

Das Problem der Gewalt ist sicherlich auch immer eine Einzelentscheidung, letzten Endes aber ist es ein gesellschaftliches Problem. Und in einer Gesellschaft, in der die Prämisse Mehrwert schaffen ist, Machterhalt und Macht Erweiterung an erster Stelle steht, ist Gewalt in unterschiedlichster Form ein unverzichtbares Mittel um diese Ziele zu erreichen. In so fern steht Gewalt immer in einem engen Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Widersprüchen und Verwerfungen zusammen, was die Verantwortung des Einzelnen nicht ausklammert.

Jede dritte Frau erfäht Gewalt

Gewalt an Frauen und Mädchen manifestiert sich auf verschiedene Weise und an unterschiedlichen Orten. Es kann sich hier um sexuelle, psychische und physische Gewalt im öffentlichen, aber auch privaten Raum, d.h. zu Hause, handeln.

Viele Statistiken zeigen, dass die Peiniger immer die am nahestehendsten Personen, wie Ehemann, (Ex-)Freund, Vater oder Bruder sind.

Weltweit erfährt jede dritte Frau körperliche und sexuelle Gewalt von ihrem Partner. 2017 wurden sogar 3 von 5 getöteten Frauen von ihren Partnern oder einem Familienmitglied ermordet.

Nach polizeilicher Kriminalstatistik sind auch hier zu Lande ca. 140.000 Menschen Opfer von Gewalt seitens des Partners. Davon sind 80% Frauen (Stand 2018). Oft drückt sich diese Gewalt in Form von Vergewaltigungen aus.

15 Millionen zum Sex gezwungen

Eine Statistik der UNICEF aus dem Jahre 2017 hält fest, dass ca. 15 Millionen junge Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren mindestens einmal erzwungenen Sex hatten. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich viel höher.

Eine Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte aus dem Jahre 2014 zeigt, dass 45% bis 55% der Frauen in der EU ab ihrem 15. Lebensjahr irgendwann einmal sexuelle Belästigung erfahren.

Unter die sexuelle Gewalt zählt zudem der Menschenhandel, von der vor allem junge Frauen und Mädchen sehr stark betroffen sind. Nach internationalen Hochrechnungen und Schätzungen sind 72% der Opfer Frauen und Mädchen.

Ein weitere Gewalttat an Frauen ist die weibliche Genitalverstümmelung. Diese führt sowohl zu physischen als auch psychischen Schmerzen. Zudem ist dieser meinst nicht medizinisch überwachte Eingriff mit vielen Risiken verbunden, einschließlich dem Tod durch Verbluten.

Migrant*innen und Gewalt

Vor allem Frauen mit einer Migrationsgeschichte sind Gewalttaten stärker ausgeliefert.

Sie erfahren häufig auch verbale Gewalt, indem sie oft nur auf ihrer ethnische und kulturelle Herkunft reduziert und rassistisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Unter der Belagerung sowohl der allgemeinen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bedingungen als auch der Traditionen, Bräuche, religiösen und kulturellen Grundsätze kämpfen Frauen als direkte Ziele von Gewalt und Unterdrückung ums Überleben.

In vielen Ländern werden aufgrund religiöser und konservativer Maßnahmen einige Teilrechte, die Frauen aufgrund langer Kämpfe erlangt haben, zerstört. All diese Maßnahmen stärken die von Männern dominierte Familien- und Gemeinschaftsstruktur und führen zu einer Zunahme der Gewalt an und gegen Frauen.

Die Zahl der Unterkünfte und Unterstützungsinstitutionen, die die einzigen geschützten Orte sind, an die Frauen, insbesondere bei häuslicher Gewalt, gelangen können, nimmt jedes Jahr ab und der Staat kürzt die Förderungen für diese Frauenhäuser und Einrichtungen. Dies verschlechtert die Situation von Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind, noch weiter.

Der 25. November

Aus dieser Realität heraus ist der 25. November -vor allem- für Frauen weltweit ein bedeutender Tag. Der Ursprung von diesem Tag geht zurück bis in die 1960er Jahre. Es geht hierbei an das Gedenken an die, im Auftrag des damaligen dominikanischen Diktators Rafeal Leónidas Trujillo Molina ermordeten Mirabel-Schwestern. Diese wurden vom militärischen Geheimdienst entführt und monatelang vergewaltigt, gefoltert und anschließend umgebracht. Seit 1999 ist der 25. November auch von den Vereinten Nationen als offizieller internationaler Gedenktag anerkannt.

Seither gehen viele Frauen, Frauenorganisationen geschlossen am 25. November auf internationaler und bundesweiter Ebene auf die Straßen, um ein Zeichen gegen diese Art der Menschenrechtsverletzung zu setzen.

Auf Bundesebene gab es an dem Tag sehr viele Demonstrationen und (Gedenk-) Aktionen in hunderten deutschen Städten. Auch die Frauenorganisation „Migrantinnenverein e.V.“ rief zum Aktionstag auf. Hierbei wurden viele Forderungen laut, u.a. „Nein zu Gewalt an Frauen!“, „Nein zum Krieg! Nein zur Aufrüstung!“, „Stoppt Rassismus, Hass und Diskriminierung!“, „Nein zu Paragraph 218 und 219!“ oder „Mehr Budget für Frauenhäuser“ und „Für die Stärkung des Partizipationsrechts für Migrantinnen“ etc.