Zahlenspielchen mit Arbeitslosenstatistiken

Bülent FALAKAOĞLU

Das Türkische Statistikamt (TÜIK) hat die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht und einen Rückgang der Quote von 13,8 % im September auf 13,4 % im Oktober zurück festgestellt. Regierungsnahe Medien vermeldeten den Rückgang in großen Lettern. Sicherlich kann man sich über eine solche frohe Botschaft freuen, wenn sie denn die Realität wiedergäbe. Ansonsten besteht kein Grund zu Freude, wenn sich die Botschaft als Betrug herausstellt.

Schauen wir uns das Ganze aus der Nähe an: Die Zahl der Beschäftigten ging im Vergleich zum Vorjahr um 522.000 zurück. Und der Anstieg der Arbeitslosenzahl beträgt im Jahresvergleich 608.000. D.h. im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosenquote um 1,8 Prozent. Wenn man aber wie TÜIK nur die Vergleichszahlen zum Vormonat veröffentlicht, wird daraus eine Erfolgsmeldung. Eine Erfolgsmeldung, die ausblendet, dass die Zahl der Beschäftigten im Jahresfrist um gut eine halbe Million zurückging.

Staatspräsident Erdoğan kritisierte jüngst, dass die Menschen nicht in jungem Alter heiraten. Dabei ist diese Entscheidung nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass die Jugendarbeitslosigkeit bei 25 % liegt. In der Altersgruppe 15-24 Jahre stieg sie im Jahresvergleich um 3 auf 25,3 Prozentpunkte. Ihre Zahl stieg inzwischen auf über 2 Mio.

Auch bei Frauen stieg die Arbeitslosenquote überdurchschnittlich. Über 20 Mio. Frauen im Erwerbsalter nehmen nicht am Erwerbsleben teil, was einem historischen Rekord entspricht.

Die Zahl der Jugendlichen, die weder in einem Arbeits- noch im Ausbildungsverhältnis stecken, beträgt aktuell 3 Mio. Die Quote der informellen Beschäftigung beträgt 34,9 %.

Vor Beginn der Verhandlungen über die Festsetzung des Mindestlohns versprach Erdoğan den Beschäftigten eine großzügige „Geste“: „Auch dieses Jahr werden wir dafür sorgen, dass die Erhöhung des Mindestlohns nicht unter der Inflationsrate bleibt. Damit steigt der Mindestlohn in diesem Jahr um 75 Lira.“ So sieht also ihre Geste aus.