‘Die Beschäftigten können nicht alleine die Last der Corona-Krise tragen!’

IG BAU merkez yönetim kurulu üyesi Ulrike Laux

Das Interview führte Mahir Sahin

Zur Lage der Beschäftigten der Gebäudereinigung konnten wir ein Interview mit Ulrike Laux führen, sie ist Mitglied des Bundesvorstandes der IG BAU unter anderem verantwortlich für die Branchen- und  Tarifpolitik in den Dienstleistungsbranchen der Gewerkschaft (Gebäudemanagement, Gebäudereiniger-Handwerk, Industrielle Dienstleistungen, Wohnungswirtschaft und Architektur- und Ingenieurbüros)

Wie stark sind die Beschäftigten der Branche Gebäudereinigung von der Corona-Krise betroffen, gerade im Hinblick als Teil des Niedriglohnsektors?

Sie sind unmittelbar und in großem Ausmaß betroffen, da sie in Schulen, Industrieanlagen, Büros arbeiten, die aktuell weitgehend geschlossen sind. Solange sie ihre Arbeitskraft anbieten, müssen sie den vollen Lohn erhalten, aber wenn sie in Kurzarbeit gehen, sind es nur 60% oder bei mindestens einem Kind 67 % des letzten Netto.

Das ist bei den niedrigen Einkommen unter dem Existenzminimum.

Was sind die Auswirkungen auf die Beschäftigten?

All diejenigen, die arbeiten, müssen sich besonders schützen, neben den aktuellen Regeln müssen sie ohne Ausnahme den Arbeits- und Gesundheitsschutz einhalten. Schutzkleidung ist besonders wichtig, nicht nur in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, sondern grundsätzlich.

Wie sollten sich die Reinigungskräfte verhalten wenn das Objekt geschlossen ist, und man die Arbeit nicht aufnehmen kann oder in Zwangsurlaub geschickt werden?

Die Beschäftigten müssen ihre Arbeitskraft gegenüber der Firma anbieten, mit der sie den Arbeitsvertrag haben. Am besten schriftlich, ein Formular gibt es bei der IG BAU, auch auf der Internetseite www.sauberkeit-braucht-zeit.de.

Resturlaub muss man nur aus 2019 nehmen, nicht den aktuellen Urlaub. Die Firma kann Kurzarbeit anmelden, wenn es einen Betriebsrat gibt, muss dieser gefragt und mit ihm eine Betriebsvereinbarung erstellt werden. Da das Kurzarbeitergeld gering ist, fordern wir alle Betriebsräte auf mit der Firma eine Zusatzzahlung zu vereinbaren – Aufstockung zum Kurzarbeitergeld, damit die Beschäftigten nicht in die Armut fallen.

Die Reinigungskräfte die noch weiterarbeiten, wie sieht es da mit Arbeits- und Gesundheitsschutz aus? Wie lauten die Forderungen der IG BAU?

Alle Firmen müssen ihren Beschäftigten die angemessene Schutzkleidung zur Verfügung stellen, Masken, Handschuhe u.s.w. Wer in der Desinfektion eingesetzt ist, bekommt einen Ganzkörperschutz und spezielle Gesichtsmasken. Der Schutz der Beschäftigten muss an oberster Stelle stehen.

Was für Auswirkungen wird das Kurzarbeitergeld von 60% bzw. mit Kind 67% haben? Was fordert die IG BAU zur Kurzarbeit?

Eine Auswirkung ist sicher, dass die Menschen zu wenig Geld haben für die Miete und den Lebensunterhalt. Wir fordern eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 90 %. Die Gelder, die die Bundesregierung zur Verfügung stellt, dürfen nicht nur an die Firmen verteilt werden, sondern müssen die Existenz der Beschäftigten sichern.

Die Firmen werden während der Kurzarbeit die Sozialversicherungs-beiträge zu 100 % erstattet bekommen, das steht schon fest. Dann müssen sie einen Teil davon den Beschäftigten zukommen lassen. Die Betriebsräte müssen eine Aufstockung zum Kurzarbeitergeld fordern – gerechte Verteilung der Gelder, das muss in dieser Krise selbstverständlich sein.

In Sachen Kurzarbeit muss der Arbeitgeber wo vorhanden mit Betriebsräten eine Betriebsvereinbarung vereinbaren, wie sieht es mit Zuschlägen seitens Arbeitgeber aus?

Zurzeit weigern sich die meisten Firmen, eine Aufstockung zum Kurzarbeitergeld zu verhandeln. Das kann nicht so bleiben, die Betriebsräte müssen hartnäckig sein und darauf bestehen. Die Firmen müssen erkennen, dass die Beschäftigten nicht alleine die Last der Corona-Krise tragen können. Besonders nicht in der Gebäudereinigung, in der mindestens 450.000 Beschäftigte einen Stundenlohn von aktuell Euro 10,80 brutto haben.

Wie sollten die Arbeiter*innen Gegenwehr leisten? Muss man nicht gerade jetzt die Gewerkschaften stärken?

Mitglieder der Gewerkschaft haben eine Beratung und rechtliche Unterstützung, gerade in dieser Krisenzeit. Die Politik und die Unternehmen hören einer Gewerkschaft zu, die viele Mitglieder hat und stark ist. Es hat auch für die Zukunft nur Vorteile, je mehr wir sind, umso mehr können wir erreichen.