„Wir generieren die Umsätze des Unternehmens“

Die Corona Krise ist auch im Textil-Einzelhandel mit aller Wucht eingeschlagen. Doch die Modeunternehmen ließen sich viel Zeit, die Beschäftigten vor der Pandemie zu schützen. So waren in den ersten Tagen nahezu alle Geschäfte geöffnet. Während einerseits in der Gesellschaft die Rufe lauter wurden, Hygienevorschriften einzuhalten und sich vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, schienen die Uhren in den Mode- und Warenhäusern stillgestanden zu haben. Verkäuferinnen und Verkäufer, Kassiererinnen und Kassierer mussten unter den gleichen Bedingungen weiterarbeiten, wie vor Corona. Ohne Schutz vor Ansteckung. Kein Bereitstellen von Hygienemitteln, keine Vorkehrungen, die Beschäftigten vor einer Ansteckung zu schützen. Ein Brief, der bei unserer Redaktion einging, gibt einen konkreten Einblick auf die Zustände im Einzelhandel in den ersten Tagen der Pandemie.


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir melden uns im Namen der Beschäftigten der KG ZARA Deutschland BV&Co.

Bereits seit über zwei Wochen stellen der Gesamtbetriebsrat ZARA Deutschland, die Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates, sowie örtliche Betriebsräte Fragen zu Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten in den deutschen Filialen und erhalten keine Informationen von dem Geschäftsführer, dem Personalchef, der Leitung der Rechtsabteilung.

Die Führungskräfte in den Filialen vor Ort können keine Auskünfte erteilen, weil sie bis dato keine Informationen erhalten.
Die Anfragen gingen von dem Tragen von Handschuhen und Masken, über die Frage, warum Desinfektionsmittel nur in Nebenräumen geraten waren, bis hin zur Frage, warum Kollegen und Kolleginnen, die vor kurzem aus Krisengebieten wie beispielsweise Italien zurückkamen, im Betrieb beschäftigt werden bis letztlich heute, wie die Situation der Beschäftigten ist, deren Kinder zu Hause bleiben müssen.

Da bis jetzt keine Kommunikation an den Gesamtbetriebsrat ging, stellen wir zum einen fest, dass die Geschäftsleitung ZARA Deutschland ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber den rund 4200 Beschäftigten nicht nachkommt und der Mutterkonzern in Spanien keine ausreichenden Schutzmaßnahmen vornimmt.

Uns ist bekannt, dass in Madrid die Anproben für Kunden geschlossen wurden!
Warum wird eine solche Maßnahme nicht in Deutschland eingeführt?
* Warum müssen Kollegen und Kolleginnen, die Kinder haben, unbezahlt der Arbeit fernbleiben?
* Warum kann nicht eine Maßnahme getroffen werden, die einem extremen finanziellen Einschnitt der Beschäftigten entgegenwirkt?
* Warum können Betroffene Eltern unter bestimmten Voraussetzungen nicht in bezahlte Freistellung gehen?
* Warum dürfen die Beschäftigten in Deutschland nicht mit Handschuhen und oder Masken arbeiten?
* Warum müssen alle Kassen in den Filialen eingezählt werden?
* Warum sind viele Kassen geöffnet?
* Warum sind die Anproben für Kunden geöffnet?
* Warum werden Leute beschäftigt und nicht freigestellt, die sich vor kurzem in einem Krisengebiet aufhielten und sich damit eine Gefährdung für die restliche Belegschaft erhöht?
* Warum werden die Kollegen, die der Empfehlung der Regierung folgen und nach Aufenthalten in Krisengebieten zuhause bleiben, nicht von ihrem Arbeitgeber umfassend informiert?
* Warum werden die Führungskräfte in den Läden nicht ausführlich über den Umgang und Verhaltensmöglichkeiten in der Krisenzeit informiert?
* Warum werden die Beschäftigten der Firma High Strategie, die überwiegend aus Italien stammen und möglicherweise in letzter Zeit dort im Urlaub waren, nicht informiert?
* Warum fordern Regionale Teams Manager dazu auf, Warenkonzepte umzusetzen, obwohl bereits schon jetzt eine signifikante Krankheitsquote zu verzeichnen ist?
* Warum wartet das Unternehmen auf einen Ausnahmezustand, statt im Vorfeld Maßnahmen einzuleiten?
* Warum ist die einzige Reaktion der Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz die Empfehlung der Reduzierung von Reisen?
* Warum wurden Beschäftigte nach dieser Empfehlung quer durch Deutschland zur Unterstützung und zu Workshops gesendet?

Letztlich stellt sich die Frage warum die Geschäftsleitung in Deutschland die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit dem Gesamtbetriebsrat und örtlichen Betriebsräten boykottiert? Steht dies nicht im Zwiespalt zum Verhaltenskodex der INDITEX? Warum teilt die Arbeitgeberin einem Betriebsrat mit, dass sie nicht mit dem Betriebsrat zum Thema Maßnahmen und Umgang mit dem CoVid-19 kommunizieren wird? Das Verhalten der Geschäftsleitung ZARA Deutschland ist eine Unverschämtheit und absolut inakzeptabel, verletzt nicht nur ethisch die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die in Deutschland gesetzlich geboten ist, sondern ignoriert damit die Fragen und Sorgen der Beschäftigten deutschlandweit! Denn Betriebsräte sind die gewählten Repräsentanten der Beschäftigten!

Wir fordern Sie hiermit auf, ausreichende und geeignete Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten in Deutschland und in Spanien zu treffen! Auch möchten wir als Gesamtbetriebsrat über alle einzuleitende Maßnahmen umfassend und sofort informiert werden und bitten Sie, die Geschäftsleitung hierzu anzuhalten!

Die Beschäftigten sind nicht einfach „Ameisen, die Produkte von A nach B springen“, sondern Menschen, die die Umsätze mit ihrer Arbeit generieren und sich mit dem Unternehmen identifizieren. Es ist das Recht aller ZARA Beschäftigten, weltweit menschenwürdig beschäftigt, informiert und geschützt zu werden!

Mit freundlichen Grüßen
in Namen der Kolleginnen und Kollegen der KG ZARA Deutschland

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