Die GEW zeigt der Bildungspolitik die rote Karte!

Suphi Sert

Die Warnungen und Forderungen der Lehrergewerkschaft GEW werden seit Jahren von den unterschiedlichen Landesregierungen, aber auch der Bundesregierung nicht ernst genommen. Die Entscheidungsträger der Kommunen und des Bundes sind nicht bereit, nötige Investitionen in die Bildung zu tätigen, somit sind sie für die Notlage von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschule verantwortlich. Ankündigungen werden nicht realisiert, trotz wirtschaftlicher Stärken ist die Bildungsrealität von einer Mangelverwaltung geprägt und es wird mit der Zukunft der Schüler gespielt. Daher schlägt die GEW seit vergangenem Jahr mit verschiedenen Aktionsformen Alarm. Sie fordert kleinere Klassen, Kurse und Kitagruppen, sowie eine Aufstockung der Lehrer- und Erzieherstellen; eine bessere Bezahlung in den Kitas, Schulen, im Offenen Ganztag und der Weiterbildung bei allen Trägern, eine gleiche Vergütung bei gleichwertiger Arbeit im Bildungswesen; „die Besetzung aller offenen Stellen und ein Ende der Befristungspraxis und Scheinselbstständigkeit durch Festanstellungen“; sowie einen Ausbau städtischer Schulen und Kitas, da Bildungseinrichtungen in die öffentliche Hand gehören.

Nun ist es so, dass genau wie in allen anderen Bereichen der Gesellschaft auch sich die Missstände in den verschiedensten Bildungsbereichen in der Corona-Krise viel deutlicher zeigen. Wie der unhaltbare Betreuungsschlüssel in Kitas und Schulen, welche sich durch die Maßnahmen des Infektionsschutzes und dem Wegfall der Risikogruppen verschärft gezeigt haben. Genauso die unhygienischen Zustände bspw. von Sanitäranlagen in Schulen, der zu vollen Klassen in zu kleinen Räumen oder der fehlenden vertraglichen und finanziellen Sicherheit im Offenen Ganztag, der Schulsozialarbeiter, der Lehrbeauftragten an Hochschulen oder anderem Personal, welche alle bei den momentanen Öffnungen der Bildungseinrichtungen lange nicht mitbedacht wurden und teilweise gekündigt oder mit vollständigen Verdienstausfällen eine existenziellen Bedrohung erleben. Zudem verschärft die Corona-Krise immer weiter die Bildungsungerechtigkeit, denn Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien sind offensichtlich die größten Verlierer des Distanzlernens.

All diese Missstände sind nur kleine Teilaspekte, auf welche die GEW in Fortsetzung ihrer „Bildungsalarm“ Kampagne am 06.06.20 in Köln mit einer Kundgebung auf die Straße gegangen ist. Es wurden von knapp 60 Lehrern, Erziehern, Uni-Dozenten und VHS-Honorarkräften stellvertretend für verschiedenen Bildungseinrichtungen und hunderte Kollegen der GEW Forderungen gesammelt und auf roten Karten öffentlich gemacht, um diese den Verantwortlichen und Entscheidungsträgern aus Kommune, Land und Bund deutlich zu machen. Der Bildungspolitik wurde so die rote Karte gezeigt.

KollegInnen und Kollegen kamen am offenen Mikrofon zu Wort, unter anderem berichteten Honorarkräfte und Stadtmitarbeiter von ihren prekären Arbeitsbedingungen und verbeamtete Lehrpersonen und Festangestellte über die noch größere Überlastung durch Corona, die Grenzen der Arbeitszeit seien mit Sonntagsarbeit schon lange nicht mehr gegeben.