Streik bei Thyssenkrupp Steel Europe

Berfe Budak

Bei der Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) in Duisburg-Hamborn sind am 20.06.20 Beschäftigte der Frühschicht des Kaltwalzwerkes 1 (KW1) aus Solidarität zu ihrem Kollegen in den Streik getreten.

Der konkrete Anlass für den Streik war, dass einer der Mitarbeiter, der seit drei Jahren mit einem befristeten Vertrag als Kranführer im international bekannten Stahlkonzern arbeitet, nun gekündigt werden soll. Die Beschäftigten stellen sich gegen diese Maßnahme des Arbeitgebers und den Versuch, die Auswirkungen der Krise bei den Arbeiterinnen und Arbeitern abzuwälzen. Für die Beschäftigten soll der Streik aufmerksam auf alle befristeten Verträge, die Azubis und Leiharbeitenden machen. Denn trotz internationaler Stärke sind viele Bereiche im KW 1 unterbesetzt.

Die Spätschicht übernahm anschließend den Streik und setzte ihn fort. Nicht lange dauerte es, bis sich die Seite der Arbeitgeber bemerkbar machte und versuchte die Streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter unter Druck zu setzen, sowie sie gegeneinander auszuspielen. Erst versuchten sie den Streik mit leeren Versprechen einzudämmen, anschließend argumentierten sie, dass der Platz des Kollegen angeblich einem ausgelernten Azubi zugesagt worden sei. Dass der Stahlkonzern bereits vor COVID-19 Finanzsorgen hatte, ist allen schon lange bekannt. Erst im Februar kündigte der Konzern an das Werk in Duisburg-Hüttenheim zu schließen oder zu verkaufen. Im Zuge dessen wurde damals gleichzeitig angekündigt, 2800 Stellen abzubauen.

Das letzte Argument der Arbeitgeberseite im KW1 in Hamborn am Samstag war nämlich, dass die „freien“ Stellen mit Kollegen aus dem Werkteil in Duisburg-Hüttenheim besetzt werden soll, die kurz vor der Schließung stehen. Der Versuch des Konzerns, Mitleid zu schöpfen, scheiterte, denn den Streikenden ist bewusst, dass die Leidtragenden die befristet Beschäftigten, die Leiharbeitenden und die Azubis sein werden und nicht die Konzernspitze.

Die Beschäftigten sind während der Streikphase massivem Druck ausgesetzt und wurden zum Teil von der Personalleitung zu Einzelgesprächen zitiert. Diese Vorgangsweise macht deutlich, dass mit weiteren Angriffen zu rechnen ist und weitere Sparmaßnahmen auf Kosten der Belegschaft folgen werden.

Am gleichen Abend gegen 18 Uhr solidarisierten sich auch Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Industrie von z.B.  TKSE aus Dortmund und Witten, Opel Rüsselsheim und Bochum, Daimler Mannheim und Düsseldorf, VW Kassel und Ford in Köln auf der Kundgebung mit den Streikenden.

Die Beschäftigten sind sich bewusst, dass die Krise gerade erst begonnen hat und sie möchten um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Ziel ist, dass der Kollege übernommen wird und sich mehr Kolleginnen und Kollegen aus anderen Werkteilen an dem Streik zu beteiligen.