600 Millionen Euro für Ausbau des Bundeskanzleramtes

Foto: Pixabay

Eren Gültekin

Der endgültige Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin wurde mit der Fertigstellung des Bundeskanzleramtes 2001 besiegelt. Als erster Kanzler durfte Gerhard Schröder einziehen, ehe Angela Merkel, die Nachfolgerin, seitdem dort beheimatet ist.

Das Bundeskanzleramt, das die Regierungszentrale der deutschen Bundesregierung ist, soll nun zusätzlich ausgebaut werden. Das bemerkenswerte dabei: Es ist jetzt schon das größte Regierungshauptquartier der Welt. Es ist achtmal größer als das Weiße Haus in Washington und zehnmal als das Dowing Street in London mit mehr als 25.000 Quadratmetern Nutzfläche. Der Komplex, der voraussichtlich 2027 fertiggestellt und 2028 bezugsfertig sein soll, soll somit eine doppelt so große Nutzfläche von 50 000 Quadratmetern haben. Hierfür waren mehr als 400 Millionen Euro veranschlagt worden, aber inzwischen ist die Rede von 600 Millionen Euro. Auch das Bundesrechnungshof blickt auf diese zahlen kritisch und ist sich sicher, dass auch die aktuelle Erwartung der Ausgaben überschritten wird. Laut Prüfung und Berechnungen wird somit ein Quadratmeter Nutzfläche 18.529 Euro kosten. Im Vergleich mit anderen Gebäuden, wie bspw. das Innenministerium von 6.499 Euro pro Quadratmeter, ist der gewaltige Unterschied nicht zu übersehen.

Was wird bis 2028 ausgebaut?

Für über 14 Millionen Euro sind neun Wintergärten, die auf fünf Etagen verlaufen sollen, geplant. Hierfür sollen die Verglasungen, die Befahranlagen zur Glasreinigung und der Sonnenschutz der Wintergärten neu bzw umgebaut werden. Für rund 400 MitarbeiterInnen soll die Bürofläche ebenfalls verdoppelt werden. Auch eine neue Kanzlerwohnung von 250 Quadratmeter Größe soll entstehen. Jedoch gibt es bereits im Kanzleramt eine 200 Quadratmeter große Kanzlerwohnung. Die Gesamtkosten für die Ausstattung soll 22. 500 Euro nach den Schätzungen des Rechnungshof kosten. Mit Ausstattung sind nur Sofas, Schrankwand sowie Lampen gedacht. Für 18,1 Millionen Euro ist eine zweite Fußgängerbrücke über der Spree zum 200 m entfernten Hauptgebäude geplant. Auch ein neuer Kindergarten soll gebaut werden kommen für gerade mal 15 Kinder der Angestellten des Kanzleramtes. Kosten soll es 2,8 Millionen Euro. Ebenso darf ein Hubschrauberlandeplatz für 10 Millionen Euro nicht fehlen. Bisher sind die Regierungshubschrauber, im Park gelandet, jetzt sollen sie auf einer Runden Plattform in 22 meter Höhe landen, das auf dem Büroriegel angebracht werden soll. Dies sind lediglich nur einige wenige konkrete Kostenpläne, die bekannt wurden.

Es ist kein Geld für Kitas und Pflege da!

Das mit 600 Millionen Euro sinnvolleres machbar ist, fällt wohl der Bundesregierung nicht in den Sinn. Das ausgerechnet jetzt während der Corona-Krise solch ein Vorhaben nicht gestoppt, sondern angegangen wird, ist kritisch zu betrachten. Viele der Menschen, die im Transportwesen, Pflege, Betreuung oder ähnlichen Bereichen arbeiten, können jetzt zurecht angepisst sein, wenn sie mitkriegen, dass sie nur beklatscht wurden für ihre wertvolle Arbeit, aber die Bundesregierung so eine erhebliche Summe zum Ausbau ihres Komplexes ausgibt, ohne dabei rot zu werden.