Rechte in den sozialen Medien

Alev Bahadir

Dass Hassreden, Beleidigungen und Bedrohungen durch Rechte in den sozialen Medien ein Problem sind, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Dass Facebook, Twitter und Co. von Rechten genutzt werden, um für sich selbst zu werben und gleichzeitig politische Feinde anzugreifen, dürfte niemandem unbekannt sein. Nun hat aber das Recherchezentrum „Correctiv“ eine breite Recherche zu rechten Inhalten auf Instagram veröffentlicht. Die Plattform, die sich besonders auf Fotos konzentriert und ebenfalls Facebook gehört, ist das meistgenutzte soziale Netzwerk unter Jugendlichen. Bislang spielte die Nutzung durch Rechte auf Instagram keine große Rolle. Denn: mit Fotos kann man doch keinen „großen“ politischen Schaden anrichten, oder doch? Und selbst wenn, worauf Rechte stehen, passt nicht in das Ästhetik-Verständnis der meisten Instagram-Nutzer, oder nicht? Und überhaupt gibt es doch Nutzungsbedingungen und Filter, die hetzerische Inhalte entfernen. Die Recherche zeigt, dass all diese Punkte nicht zutreffen.

Dass rechte Gruppen längst nicht nur mit den klassischen rechten Bildern, mit der klassischen Kleidung, wie Bomberjacke und Springerstiefeln uvm. auftreten, ist spätestens seit der Entstehung der Gruppe „Identitäre Bewegung“ (IB), deutlich geworden. Diese sticht vor allem mit einer jugendlicheren und moderneren Ästhetik ins Auge. Mit in Szene gesetzten Fotos von jungen Menschen wirken auch die Instagram-Profile rechter „Influencer“ oder Seiten auf den ersten Blick mehr wie Freizeit- und Modeblogs, als rechte Propaganda. Doch wie die Correktiv-Recherche zeigt, sind vor allem junge Menschen, die bei der IB oder bei der Jungen Alternative (JA), der Parteijugend der Alternativen für Deutschland (AfD), Mitglied sind, stark miteinander vernetzt und benutzen vor allem die gleichen Hashtags, mit denen sie junge Menschen anziehen. Das sind dann Hashtags, wie #heimatliebe oder #patriotisch. Wenn man dann einmal zu oft Beiträge mit diesen Hashtags oder von bestimmten rechten Influencern angeschaut hat, landet man ganz schnell in der Algorithmus-Falle von Instagram. Denn der funktioniert genauso, wie auf der anderer Seiten: du bekommst ähnliche Dinge vorgeschlagen, wie die, die du dir regelmäßig anschaust. Bald bekommt man also nur noch solche Seiten vorgeschlagen. Nazisymbole tauchen hier, wenn überhaupt, nur versteckt auf. Erst wenn man als „enger Freund“ markiert ist, sieht man die typischen Hitlerbilder, erzählt eine junge Aussteigern, die zuvor bei der IB war und auf Instagram aktiv war, in der Recherche. Generell wird in der Recherche deutlich, dass besonders junge Frauen gezielt genutzt werden, um auf Instagram Likes zu akquirieren und Kontakt aufzubauen. Diese posten stylische Fotos von sich selbst, die Mitgliedschaft in der IB oder JA ist oftmals zunächst gar nicht zu erkennen. Außerdem ist Instagram zwar sehr schnell, was die Entfernung von Nacktfotos etc. angeht, doch, was nicht gerade ein Hakenkreuz oder ein Hitlerbild ist, wird schnell nicht als rechtes Symbol erkannt und evtl. erst nach Aufforderung entfernt. So können Rechte nicht nur quasi ungehindert ihre Hasspropaganda verbreiten, sondern auch junge Menschen für sich einnehmen. Nach Angaben eines Mitglieds des Vorstands der JA-Berlin, sei die Hälfte der Neuzugänge im vergangenen Jahr auf Instagram zurückzuführen, so Correctiv. Deshalb würden auch Fotoworkshops im Landesverband der JA angeboten.

So nutzen rechte Rapper Instagram ganz gezielt dafür, sich in Szene zu setzen. In der Recherche werden vor allem Chris Ares (mit 23.000 Followern) und Prototyp (8.000 Follower) benannt. Auch diese nutzen Hashtags, vor allem #nds, was für „Neuer Deutscher Standard“ steht, aber auch #deutschrap, um neue Leute, die diesem Hashtag folgen, anzusprechen. In ihren Songs haben beide jedoch eindeutig rassistische Texte. Prototyp ist bei der IB in Nordrhein-Westfalen, Ares ist bei Coronaleugner-Demos in Berlin ganz vorne mit dabei gewesen. Instagram nutzen sie übrigens nicht nur dafür, neue Leute anzusprechen, sondern auch die eigene Musik und Merchandise darüber zu verkaufen.

Was neben Deutschrap ebenfalls stark auf Instagram von der rechten Szene beworben wird, ist Kampfsport. So folgen der Seite des Kampfsportevents „Kampf der Nibelungen“ (KdN) 7.000 Menschen. Die Veranstaltung wurde bereits mehrmals verboten u.a. wie in der sächsischen Stadt Ostritz mit der Begründung, die Veranstaltung habe keinen Sportcharakter, sondern diene der rechtsextremen Kampfertüchtigung und damit der Vorbereitung eines politischen Kampfes. Im Vordergrund der Instagram-Seite von KdN stehen auf den ersten Blick Sport, Fitness, ein durchtrainierter Körper. „Das Leitbild des KdN ist eine gewalttätige Männlichkeit. Das Event will für Nationalismus, Wehrhaftigkeit und Fitness stehen und über das soziale Umfeld neue Mitglieder für die Szene ansprechen. Auf ähnliche Weise hat die Szene schon vor 30 Jahren rekrutiert“, so Robert Claus, Autor des Buches „Ihr Kampf: Wie Europas extreme Rechte für den Umsturz trainiert“. Auch KdN veräußert auf Instagram Merchandise, Tickets uvm.

Auch rechte Bekleidungsmarken, wie „Peripetie“ werben und verkaufen über Instagram. Eins ihrer Werbegesichter ist niemand anderes als Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag und Gesicht der am offensichtlich rassistisch auftretenden Teile der AfD. Auch Prototyp und Chris Ares gehören zu denjenigen die Kleidung des Labels auf ihren Accounts bewerben.

Die rechte Szene ist längst auf Instagram aktiv. Mitglieder der Szene vernetzen sich über die Plattform, sprechen damit neue, vor allem junge Menschen an und nutzen ihre Präsenz darauf, um Geld zu verdienen. Genauso, wie die Aktivität von Rechten auf Plattformen, wie Facebook, auf dem Radar von fortschrittlichen Gruppen ist, müssen es auch jene auf Instagram sein.