Streik der Azubis in den Asklepios-Krankenhäusern und im UKE in Hamburg

Hanna Malen Lubcke

Im Rahmen des Tarifkonfliktes im öffentlichen Dienst hatte die Gewerkschaft Verdi bundesweit zu einem Azubi-Streiktag aufgerufen. In Hamburg beteiligten sich die Auszubildenden in den Asklepios-Kliniken und am UKE am Streik. Unter dem Motto: „Uns wird es zu bunt“, haben rund 120 Streikende mit einer Farb-Aktion vor dem Gewerkschaftshaus auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Auszubildenden-Gehälter und Praktikantenvergütung um 100 Euro monatlich sowie die Kostenübernahme eines ÖPNV-Tickets durch den Arbeitgeber. Zudem kämpft sie für eine Verlängerung der tarifvertraglichen Regelung zur Übernahme von Auszubildenden nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung. Dass der Fachkräftemangel insbesondere in der Pflege gravierend ist, hat der Ausbruch der Corona-Pandemie allen vor Augen geführt. Ver.di möchte deshalb auch, dass für die Pflege-Azubis ebenfalls eine Zulage gezahlt wird, um die Ausbildung attraktiver zu machen.

Wir haben auf dem Streiktag mit einigen Azubis über ihre Situation und Beweggründe gesprochen.

Warum bist du heute hier und was forderst du?

Alex H.: Ich bin hier, weil ich hoffe, dass es auch für Azubis Anerkennung gibt für das, was wir machen. In der Praxis müssen wir teilweise genauso mit jobben, wie die Fertigen und unsere Bezahlung müsste mehr sein. Ich erhoffe mir besonders, dass die Leute, die in der Chef-Etage sitzen, ein bisschen ihre Arroganz verlieren, dass sie die gütigen Menschen seien, die uns einen Job geben würden, denn die brauchen uns und wir sie nicht! Da muss ein Umdenken stattfinden, das finde ich wichtig.

Klara S.: Also, ich bin hier, weil ich Ver.di-Mitglied bin und dafür bin, dass sich die Bedingungen für Auszubildende in der Pflege oder auch im sozialen Bereich weiter verbessert werden.

Daria S.: Also ich erhoffe mir hier, dass den Azubis mehr Beachtung geschenkt wird oder dass wir auch auf die Straße gehen und den Leuten zeigen, dass wir auch noch da sind und für die Zukunft stehen.

Valentin L.: Ich erhoffe mir hier von dem Streik, dass sich die Bedingungen in der Pflege deutlich verbessern, eben auch gerade, weil jetzt die Aufmerksamkeit auch so auf die Pflege gerückt ist. Wegen Corona haben wir echt ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen, deswegen ist es grade jetzt heute praktisch diesen Streik noch zu nutzen, um bisschen diese Aufmerksamkeit auch aufrechtzuerhalten und auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen.

Wenn du in die Zukunft guckst, bist du eher hoffnungsvoll oder resignierst du?

Alex H.: Man hört regelmäßig immer mehr von Leuten, dass sie das wirklich als ein Unding empfinden, dass die Pflege schlecht bezahlt ist oder Krankenhauspersonal schlechte Arbeitsbedingungen hat. Aber dafür müssen die Leute auch den A… hoch kriegen und nicht nur am Balkon klatschen, sondern auf die Straße gehen.

Klara S.: Jein, also einerseits denke ich schon, dass sich Dinge noch verändern werden, es gibt ja keinen Stillstand, was das angeht. Aber ob sich jetzt so konkret da wirklich was abzeichnet, dass die Bedingungen richtig gut sind, sag ich mal, weiß ich nicht, ob das jetzt so in der näheren Zeit ersichtlich ist.

Daria S.: Ich weiß nicht so richtig, ehrlich gesagt. Ich glaube, da sind wir noch weit von entfernt, dass sich in Zukunft auch richtig viel ändern wird, also ich glaube da müssen wir noch einiges tun, damit wir auch in Zukunft einen guten Pflegestand haben.

Valentin L.: Ja, schon auf jeden Fall. Man muss auf die Straße gehen, um eben für Veränderung zu kämpfen, dafür einzustehen und gerade jetzt mit der Aufmerksamkeit, könnte man das positiv nutzen.

Bist du sonst in Jugendbewegungen oder sozialen Bewegungen aktiv?

Alex H.: Mit 16 trat ich in die SPD ein und war da mehr oder weniger aktiv. Aber nun habe ich mir gedacht: Jetzt kann man doch wieder aktiv werden, auch wenn man sich fragt, wie viel Sinn es hat, zu streiken, aber irgendwer muss es ja machen!

Klara S.: Also ich bin seit Beginn meiner Ausbildung, vor knapp zweieinhalb Jahren jetzt, Mitglied der Ver.di. Die Gewerkschaft hat uns auch unterstützt, dass wir bezahlt werden in der Ausbildung als ErgotherapeutInnen.

Daria S.: Das ist heute das erste Mal, dass ich an so einer Aktion teilnehme, weil das aber auch jetzt besser geregelt wurde mit unseren Fehlzeiten in der Schule. Da müssen wir ja auch immer drauf gucken, dass wir nicht zu viele Fehlzeiten haben.

Valentin L.: Gewerkschaftlich bisher noch nicht, aber ich bin in der Grünen Jugend und auch bei den Grünen. Da war ich schon ab und zu aktiv, bei Seebrücke-Demos und ähnliches, aber bisher eher weniger für die Pflege.

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