Umgang mit der Corona Pandemie bei Volkswagen in Kassel

Kurz nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr wurden auch bei VW verschiedene Maßnahmen getroffen, um die Ansteckungsgefahr im Betrieb zu reduzieren und damit die Produktion am Standort weiter aufrecht zu halten. Wie im Allgemeinen, waren die ersten Schritte im Betrieb auch eher chaotisch. Viele KollegInnen wurden in Kurzarbeit, die die Homeoffice machen konnten, nach Hause geschickt. Der Betriebsrat arbeitete mit der Unternehmensleitung eine Betriebsvereinbarung aus. Ziel dieser Vereinbarung war es, den werksübergreifenden Wiederanlauf der Produktion während der Corona Pandemie zu sichern. Nachdem z.B. Abstandslinien auf den Boden gezogen und Kantinenregeln angepasst wurden, startete die Produktion erneut. Einen Monat später im Mai wurde die Produktion fast auf den Stand von vor der Corona Zeit hochgefahren.

Die damals anstehenden Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber wurden ohne Beteiligung der KollegInnen auf die Schnelle abgeschlossen. Das Ergebnis: eine enttäuschende Nullrunde bis 31.01.2021. Eine Zusatzvereinbarung sollte die Flexibilität erhöhen (KollegInnen können mehrere Monate zuhause bleiben und diese Zeit über Gehaltsreduzierung kompensieren). Sämtliche Informationsveranstaltungen finden seitdem kaum statt. KollegInnen die seit März im Homeoffice arbeiten, sind bis auf wenige Informationen über Intranet fast komplett von Einbeziehung der Vertrauenskörper und den Betriebsräten ausgeschlossen. Die Unzufriedenheit der Kollegen über die Gesamtsituation ist spürbar: Auf der einen Seite wegen den „Tarifverhandlungen“ und auf der anderen Seite wegen dem Umgang im Betrieb.

Nach etwas Entspannung seit Mai ist die Situation seit Mitte November wieder sehr angespannt. Denn seit Mitte November werden die Vergehen gegen die Corona Regeln mit Sanktionen belegt. Die Sanktionen können von Personalausschuss bis hin zu weiteren Maßnahmen je nach Vergehen variieren. Die Einhaltung der Corona Regeln sind oft jedoch nicht möglich wie z.B. Abstände zu Pausenzeiten in der Kantine oder zum Schichtwechsel in den Waschkauen zu gewährleisten.

Die Situation der Homeofficeler ist aus Sicht der betroffenen KollegInnen auch desolat. Die Arbeitsplatzgestaltung ist bei vielen nicht ausreichend. Es wird von Hockerarbeitsplätzen am Küchentisch berichtet, die sicherlich auch Auswirkung auf die Gesundheit haben. Auch die Vermischung der Arbeitszeit mit Privatleben, Arbeitsverdichtung, soziale Isolation, doppelte Belastung durch Kinder im Haushalt, usw. sind Probleme, über die Kolleginnen und Kollegen berichten. Viele KollegInnen berichten, dass sie nicht abschalten können und bis spät in die Nacht arbeiten müssen, „wenn die Kinder soweit versorgt“ seien. Eine Lösung ist hier nicht in Sicht. Auch das Interesse der Betriebsräte sowie die Vertrauenskörperleitung an einer Lösung scheint nicht vorhanden zu sein.

Um die Pandemie im Interesse der Gesundheit der KollegInnen einzudämmen, müsste die sofortige Einstellung der Produktion für einige Wochen durchgeführt werden. Nur damit wären die Kontaktbeschränkungen sichergestellt und Infektionsketten durchbrochen.

Nun stehen wieder Tarifverhandlungen an, aber die Forderungen wurden wieder ohne Beteiligung der KollegInnen festgelegt. Nichtsdestotrotz unterstützen die meisten Kolleginnen und Kollegen die Forderung für 4 % Lohnerhöhung, Festschreibung von 1700 Auszubildenden und die Forderung nach 6 Tagen Sonderurlaub respektive eine Einmalzahlung. Wir wünschen uns und diskutieren, sofern es möglich ist, mit den Kollegen über die Durchsetzung der Forderung und sind bereit, auf die Straße zu gehen.

* Ein Kollege bei VW Kassel

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