“Arbeiter, erkenne deine Macht”

Foto: Yeni Hayat

Die zweite Warnstreikwoche in der Metall- und Elektroindustrie geht mit einer hohen Mobilisierung der Beschäftigten weiter. Insgesamt haben sich bundesweit mehr als 227 300 Beschäftigte mit über 500 Aktionen an den Warnstreiks beteiligt. Eine Menge Kollegen mit Wut im Bauch protestieren und kämpfen für mehr Lohn und sichere Arbeitsplätze. Die IG Metall fordert vier Prozent mehr Geld für zwölf Monate, das zur Sicherung von Beschäftigung und Einkommen eingesetzt werden soll. Neben betrieblichen Zukunftstarifverträgen sind auch ein tarifliches Angleichungsgeld und die Verbesserung der Übernahmeregelungen für Auszubildende Thema in den Tarifverhandlungen. Die Hauptforderung der Kolleginnen und Kollegen ist es, die Arbeitgeber-Seite zu einem fairen Angebot zu bewegen.

Die IG Metall sieht die hohe Teilnehmerzahl an Warnstreiks als klares Zeichen ihrer Handlungsfähigkeit auch in Pandemiezeiten, während Gesamtmetall-Chef Wolf bereits mehrfach betonte: „Es ist logisch, dass es in der laufenden Tarifrunde nichts zu verteilen gibt“. Komisch nur, dass die Weihnachtsboni der Großaktionäre mitten in der Pandemie verteilt werden konnten und die Kolleginnen und Kollegen, die den Mehrwert schaffen, nichts zu beißen kriegen sollen! Oder wurde mit den Aktionärsboni schon alles verteilt, dass nichts mehr übrig blieb? Wohlmöglich! 

Die Arbeitgeberseite wird den Kolleginnen und Kollegen der Elektro-, Metall- und Stahlbranche nichts schenken. Lediglich „harte Verhandlungen“, die als dieser Artikel verfasst wurde, noch liefen, und noch härtere Streiks können dafür sorgen, dass die Kolleginnen und Kollegen ihr Recht bekommen.

Schon letztes Jahr hatte die Führung der IG Metall auf Lohnerhöhungen und Arbeitskämpfe verzichtet, um „gemeinsam durch die harte Zeit der Pandemie zu gehen“.  Mit Zähneknirschen hatten die Kolleginnen und Kollegen das hingenommen: Das Argument, die Arbeitsplätze seien in Gefahr, bremste die Kolleginnen und Kollegen aus. Doch mit dem Vorwand der Pandemie haben Kolleginnen und Kollegen, Werktätige aller Arbeitsbereiche und Branchen bereits auf viel zu viel verzichtet. In vielen Fabriken und Konzernen verzichteten Kolleginnen und Kollegen auf Weihnachts-, und Urlaubsgeld und Prämien, sie gingen millionenfach in Kurzarbeit bei enormen Gehaltseinbußen und verloren als Leiharbeiter oder Teilzeitkräfte ihre Arbeitsplätze.

Eine wachsende Zahl von Kolleginnen und Kollegen fordert von ihrer Gewerkschaft zu Recht, dass die volle gewerkschaftliche Kampfkraft eingesetzt werden soll. Und die wäre mit vier Millionen Kolleginnen und Kollegen der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie eine mächtige Walze und würde klare Verhältnisse schaffen. 

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