Der 8. März während der Corona-Pandemie

Foto: Yeni Hayat / Hamburg

Alev Bahadir

Der internationale Frauentag wird jedes Jahr mit den unterschiedlichsten Aktionen begangen. Demonstrationen, Kundgebungen, kreative Aktionen und Kulturveranstaltungen sind Beispiele hierfür. Im vergangenen Jahr waren Zehntausende noch unter dem Motto #frauenstreik auf die Straßen gegangen. Damals war der Corona-Virus zwar schon längst in Deutschland angekommen, doch hatte noch nicht mit voller Wucht zugeschlagen. Der Lockdown kam eine Woche später. Nach einem Jahr Pandemie hatte der Kampfgeist der Frauen aber keinesfalls abgenommen. Eher im Gegenteil: die Gründe auf die Straßen zu gehen, haben sich nur verschärft. 

Denn die Pandemie hat viele der Probleme der Frauen in Deutschland sichtbarer gemacht, aber auch zugespitzt. So hat die Zahl der häuslichen Gewalttaten besonders im ersten Lockdown zugenommen. Im Sommer meldeten Beratungs- und Hilfsstellen einen Zuwachs der Beratungsanrufe dahingehend. Doch die Hilfsmöglichkeiten sind gering. Schon vor der Pandemie fehlten tausende Plätze in Frauenhäusern, das ist jetzt nicht besser geworden. Weiterhin sorgen die Paragraphen 218 und 219 für die andauernde Kriminalisierung von Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden – aber auch für ihre Ärzte, wie im Fall von Kristina Hänel. Genauso schonungslos sind es meist Frauen, die in der Pflege oder im Einzelhandel, unter unsicheren Bedingungen den Alltag aufrecht erhalten. Es sind vor allem Frauen, die in a-typischen Beschäftigungsverhältnissen beschäftigt sind und die sich zusätzlich um die Care-Arbeit zuhause kümmern müssen. All diese Dinge sind Grund genug, um am 8. März auf die Straßen zu gehen. Und das haben die Frauen im gesamten Bundesgebiet auch getan – trotz Pandemie. 

Gleichheit ohne Rassismus und Sexismus

Diese Aktionen waren dieses Jahr aufgrund der Pandemie oft anders, als die Jahre zuvor. So gab es am 8. März in Großstädten wie Köln, Berlin oder Stuttgart gleich mehrere Aktionen parallel. Das waren dann Demonstrationen oder Kundgebungen, an denen mehrere hundert bis tausende Personen teilnahmen. In manchen Städten, wie z.B. Nürnberg, gab es Aktionswochen, in denen eine Woche lang die unterschiedlichsten Aktionen durchgeführt wurden, um nicht alles auf wenige Tage zu begrenzen. Unter der Einhaltung von Schutzmaßnahmen waren im Jahr 2021 wieder tausende Frauen auf den Straßen, um für ein Leben in Sicherheit und Gleichheit, ohne Rassismus, Ausbeutung und Sexismus einzustehen. 

„Egal ob auf der Arbeit, zu Hause oder in der Freizeit – die Pandemie hat uns alle getroffen, aber eben nicht gleichermaßen! Bei der Arbeitszeit, beim Einkommen wie auch bei der Betreuungs- und Pflegearbeit sind wir Frauen stärker als Männer betroffen. Wir Frauen arbeiten größtenteils an der vordersten Front, wie es so schön gesagt wird: in der Pflege, in den Krankenhäusern, in KITA´s und Schulen wie auch im Einzelhandel. Doch an unseren schlechten Löhnen, der Arbeitsbelastung und ungünstigen Arbeitszeiten hat sich nichts geändert“, so wird es im Redebeitrag von DIDF Köln zusammengefasst. „Wir wollen keine warmen Worte – wir fordern gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Mit Applaus lassen sich keine Mieten zahlen, Kühlschränke füllen oder Kinder betreuen. Wir kämpfen für mehr Löhne, um heute und im Alter sicher leben zu können!“.

Bundesverband Migrantinnen feiert „Kämpfen-Bewegen-Verändern!“

Auch wenn die kulturellen Veranstaltungen nicht wie gewohnt dieses Jahr stattfinden konnten, gab es Alternativen. So veranstaltete der Bundesverband der Migrantinnen am 7. März ein Online-Event unter dem Motto „Kämpfen-Bewegen-Verändern!“. Darin fanden sich Fotostrecken, musikalische Acts, Grußworte und Redebeiträge wieder. „Liebe Frauen, lasst uns gemeinsam und solidarisch für unsere Rechte und die Gleichberechtigung kämpfen und uns für Selbstbestimmung, politische Teilhabe, Solidarität und Zusammenhalt einsetzen. Für ein Leben in sozialer Gerechtigkeit, ohne Gewalt, ohne Rassismus, ohne Diskriminierung und Ausgrenzung!“, betonte Ceyda Tutan, Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Migrantinnen in Deutschland in ihrem Redebeitrag. Es gab Grußworte von Kolleginnen aus der Pflege oder Gewerkschaften, wie der IG BAU oder der IG Metall. Musikalische Beiträge von jungen Musikerinnen und Musikern waren genauso Teil des Programms, wie das Vortragen von Gedichten. „In den vergangenen Jahren ist der Rassismus in unserer Gesellschaft erstarkt. Der rechte Terror macht auch Frauen, wie Mercedes Kierpacz zu Opfern. Gleichzeitig ethnisieren rechte Kräfte die bestehende sexualisierte Gewalt diesem System und befeuern ihr rassistisches und hasserfülltes Weltbild… Dazu sagen wir: wir Frauen, egal welcher Religion oder Herkunft lassen uns nicht spalten! Wir lassen uns nicht von Rechten instrumentalisieren! Wir lassen uns nicht zu Opfern des rechten Terrors machen!“, so Hatice As, von der Frauen AG der DIDF-Jugend in ihrem Grußwort.

DIDF-TV Live-Schaltung zu Aktionen

Am 8. März diskutierten Ece Yıldırım-Zimmer und die Vorsitzende von DIDF, Zeynep Sefariye Ekşi, mit Frauen aus Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart, Krefeld, Dortmund, Bielefeld, Hamburg und Berlin über die Forderungen, die in ihren Orten hervorgestochen sind, ihre Aktionen, die Beteiligung und vieles mehr. Auch wenn der 8. März in diesem Jahr vielerorts anders verlaufen ist, als in den Jahren zuvor, haben es sich die Frauen nicht nehmen lassen, für ihre Forderungen auf die Straßen zu gehen. Für ihre Forderung nach einem Leben ohne Gewalt. Für ihre Forderung nach einem Leben, in dem sie den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen. Für ihre Forderung nach einem Leben, in dem sie nicht alleine die Care-Arbeit zuhause stemmen müssen. Dafür werden Frauen weiterhin kämpfen! Weiterhin etwas bewegen und verändern!