Gedenken an NSU Opfer in Dortmund 

Foto: Yeni Hayat

Zeki Kandil

Am 4. April haben mehr als 250 Menschen unter strengeren Corona-Maßnahmen an einer Kundgebung  hinter dem Dortmunder Hauptbahnhof  teilgenommen. Thema war das Gedenken an NSU Opfer: Vor 15 Jahren, am 4. April 2006 war der Dortmunder Mehmet Kubaşık vom NSU in seinem Kiosk ermordet worden.

Nachdem bekannt wurde, dass Mehmet Kubaşık und weitere neun Menschen vom NSU ermordet wurden, finden seit 2012 Gedenken an Mehmet Kubaşık in Dortmund statt. Das diesjährige Gedenken wurde von der Initiative „Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich“ und weiteren Organisationen und Initiativen organisiert.

Bei den Redebeiträgen wurde nochmal darauf hingewiesen, dass bei dem NSU Prozess die wichtigsten Fragen offenblieben. Wie konnten die Rechtsextremen Täter unauffällig so lange so viele Menschen ermorden? Haben sie Unterstützer oder Mittäter gehabt? Wie haben sie ihre Opfer ausgesucht? Was wusste der Verfassungsschutz?

Im Namen der Initiative „Tag der Solidarität – Kein Schlussstrich“ wurde folgende gekürzte Rede gehalten:

„Seit 2012 gedenken wir, ein Bündnis aus rund 30 Organisationen, an diesem Tag Mehmet Kubaşık und allen Opfern rassistischen und rechten Terrors. Nach dem Ende des ersten NSU-Prozesses sind unzählige Fragen offen. Das Versprechen auf Aufklärung wurde

gebrochen. Wir gedenken, erinnern und fordern politisches Handeln!

Der Mord an Mehmet Kubaşık war der achte in einer Reihe von rassistischen Morden,

begangen von drei Rechtsterroristen und unterstützt von einem internationalen NeonaziNetzwerk. Neben den Morden ist das „NSU“-Netzwerk verantwortlich für drei

Bombenanschläge und mehr als ein Dutzend Überfälle. Die Mordserie mitten in Deutschland

wurde, zumindest in der Mehrheitsgesellschaft, fast nicht wahrgenommen. Erst als der „NSU“  sich 2011 selbst enttarnte, wurde das rassistische Motiv endlich öffentlich anerkannt.

Dass das Kerntrio elf Jahre lang unerkannt bleiben konnte, lag nicht nur daran, dass es durch

Neonazistrukturen unterstützt wurde, die Geld, falsche Papiere und Waffen besorgten. Es lag

auch am gesellschaftlichen Klima, in dem Rassismus geleugnet und rechte Gewalt

verharmlost wurde – und bis heute wird. In diesem Klima fanden die Betroffenen kein Gehör.

Dies änderte sich auch nach der Selbstenttarnung lange nicht. Nach wie vor gibt es eine starke Fokussierung auf die Täter. Ignoriert wurden stattdessen die Hinterbliebenen der

Getöteten und viele Betroffene der Bombenanschläge, die früh auf ein rassistisches Motiv

hingewiesen hatten. Stattdessen wurden sie bzw. die Opfer selbst verdächtigt, „Kriminelle“

gewesen zu sein. Unzählige Medien übernahmen die rassistische Haltung der

Ermittlungsbehörden. Überlebende sprachen in diesem Zusammenhang auch von einem

>Anschlag nach dem Anschlag<. Das darf sich nicht wiederholen!“