Fauler Kompromiss und Nullrunde in der Metall- und Elektro-Industrie

Foto: Yeni Hayat

Mehr als 700.000 Metallerinnen und Metaller streikten bundesweit, waren für ihre Arbeitsplätze und für eine Lohnerhöhung von bescheidenen 4 % auf die Straßen gegangen. Vor allem Azubis und junge KollegInnen kämpften ganz vorne und entschlossen mit! 

So konnten die massiven Angriffe des Kapitals auf Mehrarbeitszulagen und andere tarifliche Rechte zumindest abgewehrt werden, auch sollen Dual-Studierende mit betrieblicher Ausbildung in die Tarifverträge einbezogen werden. Das sind positive Aspekte der Ergebnisse, aber im Großen und Ganzen entspricht der faule Kompromiss einer Nullrunde insbesondere vor dem Hintergrund, dass Wirtschaftsexperten eine Inflation von über 2% erwarten. Am Ende hat man sogar weniger in der Tasche, als vor einem Jahr.

Dabei hat die enorme Kampfbereitschaft der KollegInnen gezeigt, dass nach der Nullrunde vom Corona-Jahr 2020 die KollegInnen bereit sind, für mehr Lohn und Rechte zu streiken und zu kämpfen. Deswegen macht sich in den Betrieben auch Unmut bereit. Viele KollegInnen sind sauer und frustriert.

Vereinbart wurde eine Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro, die Ende Juni einmalig ausgezahlt werden soll, aber eben keine tabellenwirksame Erhöhung ist. Hinzu kommt ein Plus von 2,3 Prozent ab Juli 2021 in Form eines Transformationsgeldes, welches aber nicht ausgezahlt, sondern nur „angespart“ wird. Im Februar 2022 soll das angesparte Geld in Höhe von 18,4% des Monatsentgelts (8 Monate x 2,3%) ausgezahlt oder „im Falle wirtschaftlicher Probleme im Betrieb“ in betriebliche Arbeitszeitverkürzung bis zur 4-Tagewoche umgewandelt werden. Ab 2023 soll das Transformationsgeld auf 27,6 Prozent (12 Monate x 2,3 %) erhöht werden. Zur „Sicherung von Arbeitsplätzen“ können die Betriebe das Transformationsgeld ebenfalls in Freizeit umwandeln. Praktisch eine Arbeitszeitverkürzung bzw. Kurzarbeit auf Zuruf des Managements. Eine weitere bittere Pille für junge KollegInnen: Azubis erhalten lediglich 60 % der Zahlungen, bei ihnen können diese aus gesetzlichen Gründen nicht einmal in Freizeit umgerechnet werden. 

Noch wurden die Abschlüsse nicht von der Tarifkommission gebilligt, ein „Nein“ würde in Urabstimmung und bundesweiten Streik führen! Das möchte die IG-Metall-Führung aber keinesfalls und empfiehlt, den Abschluss anzunehmen. Doch viele KollegInnen wollen nicht annehmen und sind zumindest bereit, zu kämpfen. Am 1. Mai werden sie ihre Entschlossenheit sicherlich auf den Straßen zeigen.

Arbeiten unter Pandemiebedingungen fällt vielen KollegInnen schwer, aber jeder versucht, seiner Verpflichtung nachzukommen. Aber während ArbeiterInnen und Werktätige Nullrunde über Nullrunde bei Tarifauseinandersetzungen bekommen, zählte Forbes 2020 weltweit 2095 Milliardäre, die zusammengenommen 8.000 Milliarden US-Dollar besitzen. 107 von diesen stammen aus Deutschland und kommen auf ein Vermögen von fast 450 Milliarden US-Dollar. Und ein Großteil von diesen verdient in der Elektro- und Stahlindustrie und würde sich nie mit einer Nullrunde zufrieden geben. Den KollegInnen predigen sie Wasser, trinken selber aber reinsten Wein, ohne auch nur einen Finger zu rühren.