Der 1. Mai im Pandemiejahr

Foto: Yeni Hayat / Krefeld

Alev Bahadir

Jedes Jahr gehen tausende Menschen am 1. Mai, dem historischen Tag der Arbeiterbewegung, auf die Straßen. Auch in diesem Jahr gab es genug Anlass dafür. Während die Corona-Pandemie noch lange nicht im Griff ist, wurde im vergangenen Jahr immer deutlicher, wer die Lasten der Pandemie und der Wirtschaftskrise tragen soll: die Beschäftigen. Die Pflegerinnen und Pfleger, die unter den schwierigsten Bedingungen in den Krankenhäusern die Kranken versorgen und die mit Einmalzahlungen statt Lohnerhöhungen abgespeist wurden. Die Angestellten in den Supermärkten, die weiterhin jeden Tag an den Kassen arbeiten oder die Regale auffüllen müssen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken und sonstigen Betrieben, die in vielen Fällen noch immer auf engstem Raum produzieren müssen, trotz Pandemie. Die Azubis, die nach Ende der Ausbildung nicht übernommen werden. Die Studierenden, die ihre Nebenjobs verlieren und im Online-Semester vereinsamen. Die Schüler, die das ewige Hin und Her zwischen Home-Schooling, Wechselunterricht, Regelunterricht, Abschlussprüfungen uvm. durchmachen. Es sind nicht Quandts oder Bezos‘, die die aktuelle Situation trifft, eher im Gegenteil, auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter, der Angestellten und Arbeitslosen verdienen sie sich in der Pandemie dumm und dämlich. Deshalb gab es genug Gründe, am 1. Mai auf die Straßen zu gehen. Nachdem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Jahr 2020 den 1. Mai nur Online durchgeführt hatte, hatten bereits im letzten Jahr viele andere Organisationen die Initiative ergriffen, den Tag der Arbeit weiterhin auf den Straßen zu begehen. In diesem Jahr hatte der DGB den Beschluss wieder auf den Straßen zu sein. In manchen Städten hat er das umgesetzt, in anderen wurden die Demonstrationen von anderen Organisationen gestaltet. Wir geben einen kurzen Überblick über die Aktivitäten in einigen Orten.

Berlin: In der Hauptstadt gab es mehrere Aktionen, an denen über 10.000 Personen teilgenommen haben. Diese begannen teilweise bereits am Vorabend des 1. Mai. So wurden in unterschiedlichen Stadtteilen unterschiedliche Schwerpunkte hervorgehoben. Von der Wohnungspolitik, über Frauenproteste, gewerkschaftliche Kundgebungen und Demonstrationen, Fahrraddemos, Aktionen von Kulturschaffenden, Autocorsos uvm.

Hamburg: In der Hansestadt wurden etwa 40 verschiedene Aktionen durchgeführt. Dass dies so möglich war, erforderte viel Durchsetzungskraft durch die organisierenden Gruppen, denn im Vorfeld wurden durch die Stad immer wieder Aktionen nicht genehmigt. Die Kundgebung des DGB, bei der der Vorsitzende Reiner Hoffmann sprach, war auf 200 Personen begrenzt. Nichtsdestotrotz waren Tausende bei den 40 Aktionen in ganz Hamburg. Auch ein Jugendbündnis, bestehend aus DIDF-Jugend, Internationaler Jugendverein, Gewerkschaftsjugenden etc. hat eine eigene Aktion organisiert.

Braunschweig: In Braunschweig nahmen an der DGB Kundgebung etwa 1000 Personen teil. Inhaltlich ging es vor allem um den Zustand des Gesundheitssystems.

Essen: Antifaschistisch ging es in Essen zu. Nachdem der DGB eine Auto-Demo durchgeführt hatte, zog es viele Teilnehmer weiter. Denn NPD und Die Rechte hatten eine Demonstration angemeldet. Dagegen gab es an mehreren Punkten Gegendemonstrationen organisiert von „Essen stellt sich quer“. Ca. 2000 Antifaschisten nahmen an den Gegenaktionen teil. Zudem wurde eine Eröffnungskundgebung zum KrankenhausEntscheid durchgeführt. Gesammelt wurden Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt von Kliniken.

Dortmund: Auch in Dortmund war die DGB Kundgebung auf 200 Personen beschränkt, doch nahmen bis zu 400 Beschäftigte daran teil. Auch in Dortmund gab es eine Gegendemonstration gegen eine Demonstration von Die Rechte.

Köln: Auch hier gab es eine Aktion vom DGB, die zwar auf 200 Personen begrenzt war, aber an der knapp 1500 Personen teilnahmen. Eine zweite Demonstration wurden von linken Gruppen durchgeführt, an der ebenfalls 1500 Leute teilnahmen.

Krefeld: Der DGB hat die geplante Kundgebung abgesagt. Daraufhin haben kämpferische Gewerkschafter eine eigene Demonstration angemeldet, an der 300 Personen teilnahmen.

Frankfurt am Main: 4000 Menschen sind bei der Demonstration des DGB gelaufen. Auch die Beschäftigten vom Frankfurter Flughafen, wo aktuell Kündigungen durchgeführt wurden, waren mit einem Transparent dabei. Besonders präsent war der Jugendblock, wo viele Jugendliche mitgelaufen sind.

Kassel: Der DGB hat in Kassel zu einer Kundgebung aufgerufen. 1000 Personen haben daran teilgenommen. Es gab auch noch andere Aktionen, wie eine Demonstration, organisiert von linken Parteien und Organisationen, auch mit Rednern der Einzelgewerkschaften und der Gewerkschaftsjugend.

Stuttgart: Über 2000 Menschen waren auf der Demonstration des DGB. Versuche der Stadt die Demonstration außerhalb der Stadt zu legen, hat der DGB abgewehrt. So haben die Gewerkschaften mit vielen anderen Organisationen in Stuttgart demonstriert. Themen waren die Kämpfe in der Gastronomie, in der Gesundheitsbranche, aber auch Antirassismus, die Situation der Frauen uvm.

Nürnberg: Der DGB hat die Kundgebung wenige Tage vorher abgesagt. Eine zweite Demonstration, organisiert von autonomen und anderen linken Gruppen, wurde aber durchgeführt. Mehrere tausend Menschen nahmen an der Demonstration teil, die in drei verschiedene Blöcke aufgeteilt war. Zuvor hatte die Stadt versucht, die Demonstration auf 200 Teilnehmer zu beschränken, die Organisatoren hatten aber erfolgreich dagegen geklagt.

Natürlich gab es in vielen anderen Städten, die hier nicht explizit erwähnt wurden, wie Mannheim, Marburg, München, Hannover usw. ebenfalls Aktionen und Demonstrationen. Tausende Menschen haben gezeigt, dass sie es sich nicht nehmen lassen, am 1. Mai auf der Straße zu sein. Für Arbeit, Bildung und Zukunft.

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