Einladung zum großen Tisch der Pandemiebekämpfung

Foto: Yeni Hayat

Ines Kiriaki Tsartsaris

Am 29. April fand eine Bundespressekonferenz statt, gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn und dem Chef des RKI, Lothar Wieler. Zudem war ein weiterer Sprecher eingeladen: Ricardo Lange, Intensivpflegekraft aus Berlin. Er sollte einen Einblick in die Situation der Intensivstationen geben und Herr Spahn wollte sich vermutlich pofilieren. Aber es ging nach hinten los.

Ricardo berichtete von überlastetem Pflegepersonal, das sowohl psychisch als auch physisch seit über einem Jahr an der Belastungsgrenze arbeitet, von Intensivstationen die schon vor Covid-19 überfüllt waren und von schweren Schicksalen der PatientInnen und deren Angehörigen.

Eigentlich keine Neuigkeiten. Nichts, was nicht im letzten Jahrzehnt von Pflegekräften und Gewerkschaften immer und immer wieder angesprochen wurde.

Genesung abhängig von Personalressourcen

Ricardo betont: die Intensivstationen waren schon vor der Pandemie ausgelastet, sie waren immer fast vollständig belegt. Dabei gäbe es keinen „Interpretationsspielraum“. Jetzt kommen halt viele schwerkranke Covid-19 PatientInnen dazu, die wirklich instabil und aufwendig zu pflegen sind und meist auch ein Beatmungsgerät benötigen. Um nun Platz für sie zu schaffen, werden andere intensivpflichtige Menschen auf „provisorische“ Intensivstationen, die weder mit dem nötigen Material noch mit dem richtigen Fachpersonal ausgestattet sind, verlegt. Für die ÄrztInnen und Pflegekräfte eine überfordernde und belastende Situation, denn die Genesung ist von den Ressourcen des medizinischen Personals abhängig. Betten gibt es eigentlich genug, aber eben nicht genügend Personal, dass die PatientInnen versorgt.

Da hilft es auch nicht, an der bisherigen Strategie der Bundesregierung festzuhalten, sich nur an der Inzidenz zu orientieren. Und wenn man es ernst meinte mit dieser Strategie, dann sollte man die Inzidenz auf ein Minimum drücken mithilfe eines konsequenten Lockdowns. Das würde dann aber bedeuten, dass die Wirtschaft zweitrangig priorisiert werden müsste und das ist in unserem jetzigen Gesellschaftssystem unmöglich, dort haben Wirtschaft und Profit Vorrang vor allem!

Tag der Pflege am 12. Mai

Am 12. Mai ist wieder internationaler Tag der Pflege. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft zu betrieblichen und lokalen Aktionen auf und bringt mit der Kampagne „Rote Karte für diese Politik!“ ihre Forderungen erneut auf die Straße, in die Betriebe und ins Netz. Es muss endlich ein wirksames Personalbemessungsgesetz geschaffen werden, um die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu verbessern und sie somit zu entlasten. Denn immer mehr KollegInnen reduzieren ihre Arbeitszeit oder kehren der Pflege ganz den Rücken, sei es im Krankenhaus oder im Altenheim. Zusätzlich wird eine flächendeckende Tarifbindung gefordert, damit ein guter Lohn garantiert werden kann.

Wertschätzung kann zwar durch nette Worte und Klatschen ausgedrückt werden, verändert aber nachhaltig nichts an der Situation. Wenn Pflegekräfte wirklich wertgeschätzt werden sollen, dann ist ein erster richtiger Schritt, sie auch angemessen zu vergüten und darauf zu achten, dass die Arbeitsbedingungen so sind, dass sie mehrere Jahre arbeiten können, ohne an Burnout zu erkranken oder andere körperliche Schäden davon zu tragen. Es wird berechtigterweise immer wieder gesagt: früher oder später werden wir alle einmal auf Pflegepersonal angewiesen sein, also geht es auch uns alle etwas an. Werden wir also laut und zwingen Politik und Wirtschaft endlich zum Handeln für die Pfleger und medizinischen Angestellten und nicht für Profite von Krankenhaus- und Pharmakonzernen.

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