Verzicht ist keine Option!

ver.di fordert mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten im Handel.

Sidar Carman

Die Tarifverhandlungen für die bundesweit 5,1 Millionen Beschäftigten im Handel sind gestartet. In den letzten Wochen haben die ver.di Tarifkommissionen in den jeweiligen Tarifbezirken ihre Forderungen beschlossen. ver.di fordert für die rund 3,1 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel 4,5% plus 45 Euro mehr Lohn, für den Groß- und Außenhandel, mit knapp 2 Millionen, Beschäftigten liegen die Forderungen je nach Tarifgebiet zwischen 4,5% und 1 Euro mehr pro Arbeitsstunde.

Handel: Tarifflucht, Flexibilisierung, Befristungen…

Im Handel tobt seit Jahren einer der härtesten Verdrängungswettbewerbe und einer der ausgeprägtesten Konzentrationsprozesse. Krisen sind seit Jahren im Handel an der Tagesordnung. In der laufenden Tarifauseinandersetzung kündigt ver.di daher an, dass sie nicht zulassen wird, dass Unternehmen die Pandemie als Vorwand nutzen, um ihre Interessen gegen die Beschäftigten im Handel durchzusetzen. Durch Tarifflucht, Ausweitung von befristeten Arbeitsverträgen und (unfreiwilliger) Teilzeit ist der Handel zunehmend von niedrigen Einkommen und schlechten Arbeitsbedingungen geprägt. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten schafft skandalöse Arbeitsformen moderner Tagelöhner. Rund 1,5 Millionen Beschäftigte arbeiten auf Abruf – ein Großteil im Einzelhandel, überdurchschnittlich viele Frauen. Weil Frauen mit Kindern für die Arbeitgeber nicht flexibel abrufbar sind, werden sie explizit – wie aktuell bei H&M oder ZARA – als erste vor die Tür gesetzt.

Corona: Rekordumsätze vs Rekordarbeit

Trotz Corona und Lockdowns hat der Einzelhandel insgesamt betrachtet kräftige Umsatz- und Gewinnsteigerungen erreicht. Der Handel verzeichnete in 2020 einen Gesamtumsatz von 1.9 Billionen Euro. Laut dem statistischen Bundesamt liegen die Umsätze des Einzelhandels 2020 nominal zwischen 5,1 und 5,5 Prozent über denen des Jahres 2019. Selbst nach Abzug der Preissteigerung bliebe so ein reales Umsatzplus von etwa 4,1 Prozent. Dabei ist bereits der Lockdown in der zweiten Dezemberhälfte berücksichtigt. Das Umsatzplus geht keinesfalls ausschließlich auf den Onlinehandel zurück. Auch der Umsatz in Verkaufsräumen stieg in den Monaten Januar bis November 2020 nominal um 2,9 Prozent (real 1,3 Prozent). Rekordumsätze im Einzelhandel führten zu Rekordarbeit für die Beschäftigten. Gleichzeitig senkt die steigende Inflation die realen Gehälter. In manchen Betrieben mussten die Beschäftigten spürbare Gehaltskürzungen durch Kurzarbeit über Monate hinnehmen. Auch die Umsatzentwicklung im Groß- und Außenhandel ist trotz der Pandemie positiv. Preisbereinigt ist der Umsatz im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent gestiegen.

Deshalb erwarten die Beschäftigten Respekt und Wertschätzung für ihre Arbeit, die sich in einer Erhöhung der Entgelte ausdrückt. Denn von Applaus alleine füllt sich kein Kühlschrank und zahlt sich keine Miete.

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