Warum kein „Distanzarbeiten“?

Özgün Önal

Seit Beginn der Pandemie gehören Schülerinnen und Schüler zu der Personengruppe, die am meisten leiden. Ständig werden neue Beschlüsse erlassen und Änderungen eingeführt, die meist von kurzer Lebensdauer sind. Dabei bringen diese Beschlüsse Eltern, Schülerinnen und Schüler und natürlich die Schulen in große Bedrängnis. Nach den Ferien ist nicht vor den Ferien. Wechselunterricht, Distanzunterricht, Testpflicht zerrt an Geduld und Nerven von allen Beteiligten, vor allem von Schülerinnen und Schülern, erst recht, wenn sie noch klein sind uns eine gewisse Struktur im Alltag brauchen oder in einem Abschlussjahrgang sind und im Dunkeln gelassen werden, wie es weitergehen soll.

Schulpsychologin Birgit Reppmann fasst die problematische Seite des Distanzunterrichts folgendermaßen zusammen: „Viele Belastungen der Schüler werden durch den Schulbesuch, mit der damit verbundenen Tagesstruktur und vielfältigen Hilfsangeboten aufgefangen. Jetzt verfestigen sich psychische Gefährdungslagen leicht durch den Wegfall dieser Unterstützung. Nicht einfach ist es auch für die Grundschüler. Manche kennen Schule nur in Krisenzeiten. Ein normaler Schulalltag ist ihnen unbekannt“.

Bei einer willkürlichen Inzidenz von über 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen gilt der Wechselunterricht in Abschlussklassen und Förderschulen, Distanzunterricht mit Notbetreuung für Grundschulen und die anderen Jahrgänge. Doch sehr viele Landkreise, Städte oder gar Bundesländer sind weit über 165 und somit sehr entfernt von einem normalen Alltag und alles deutet daraufhin, dass die Schulen noch eine Weile geschlossen bleiben bzw. auf Notbetreuungs-Basis funktionieren werden.

Coronapolitik ist nicht kindgerecht

Auch Elternvereinigungen äußern sich sehr kritisch zum Thema Distanzunterricht.

Nele Flüchter von der Initiative „Familien in der Krise“ hat in einem Interview des Deutschlandfunks klar gemacht, dass die Coronapolitik Deutschlands vor allem nicht kindgerecht ist. Auch der Aspekt des Homeschoolings und Homeoffice sei faktisch nur dann möglich, wenn die Großeltern oder Verwandte zu Hilfe eilen, also das Gegenteil von dem, was man braucht: Risikopatienten, die man angeblich zu schützen beabsichtigt müssen von Familien eingeplant werden. Zum Thema Testpflicht für Kinder steht Flüchter auch kritisch, da Kinder statt Angst eine Sicherheit brauchen. Wichtiger sei es, wenn vor allem Arbeiter und Angestellte, die keine Möglichkeit haben, in Homeoffice zu gehen, die Möglichkeit bekommen müssten, getestet zu werden.

Es ist schon skandalös, dass Schülerinnen und Schüler, die keine Tests machen, nicht zur Schule dürfen, während diese Regelung in Betrieben nicht gilt. Genau andersherum müsste es eigentlich sein.

Bildungsgerechtigkeit nicht mehr gegeben

Allerorts werden Elternbeiräte laut, beispielsweise an der Grundschule Icking in Bayern. Dort haben sie einen offenen Brief an den Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) geschrieben, in dem sie ihre Frustration und den Unmut gegenüber der Coronapolitik darlegen.

In dem Brief heißt es vor allem, wie mühsam sich Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut bringen lassen: „Egal, wie verständnisvoll der Chef ist und wie sehr sich Eltern und Kinder zuhause auch im Einzelfall bemühen, die Bildungsgerechtigkeit ist einfach nicht mehr gegeben.“ Die Unterstützung der Kinder sei zuhause aus verschiedensten Gründen ungleich verteilt.

Während Unternehmen weiterhin munter die Maschinen laufen lassen, sollen Kinder und Jugendliche Zuhause bleiben. Das Scheitern der Coronapolitik in Deutschland zeigt sich erneut daran, dass wieder wenig Wert auf Bildung und Mensch gegeben wird und dafür die Profite der Wirtschaft weiterhin beschützt werden. Am Anfang der Pandemie hieß es, dass Luftfilter in den Schulen installiert werden. Ein Jahr und 2 Monate später hat sich nichts diesbezüglich getan, stattdessen leiden Schüler, Eltern aber auch Lehrer unter diesen willkürlichen Maßnahmen, erst recht, wenn sie finanziell nicht gut aufgestellt sind.

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