Mafiaboss packt aus

Foto: Ekran Görüntüsü

Düzgün Altun

Wo auch immer sich das „große Geld“ bewegt, sind direkt oder indirekt Vertreter der herrschenden Politik und ihre Regierungen mit im Spiel. Auch Deutschland ist davon nicht ausgenommen, erinnern wir uns doch an den Maskenskandal unserer Bundesregierung. In den USA, Lateinamerika und Europa gibt es genug Beispiele, wo kriminelle Strukturen eine Verbindung zum (Tiefen-)Staat, und Beziehungen zu Vertretern der Regierungen haben. Mal ist es der Sohn, der einen Deal mit der Regierung anleiert, mal ist der Partner zufällig im Aufsichtsrat einer Beratungsfirma, der zwischen Regierung und einer Firma vermittelt. Wenn dann am Ende günstige Kredite für eine Riesenvilla herausspringen, war es am Ende trotzdem alles legal! Das sind keine Verschwörungstheorien. Diese Verkettungen reichen von Drogen- über Waffenhandel bis hin zur Müllmafia. Wäre ja blauäugig zu glauben, dass Vertreter der politischen Führung und Kapitalkreise völlig außerhalb des Geschehens wären, wo hunderte Milliarden im Spiel sind und die Dimension internationalen Charakter trägt.

Auch die Türkei ist davon nicht ausgenommen. Seit Wochen beschäftigen sich die Schlagzeilen türkischer Medien mit den bisher fünf YouTube-Folgen des „Gangsters“ und Möchte-Gern-Paten Sedat Peker. Weitere sieben Folgen seien geplant, unter anderem „brisante Enthüllungen zu Syrien“. Diese selbstherrlichen und inszenierten Drehbuch-Auftritte grenzen zum Teil mit an Lächerlichkeit, wenn da nicht brisante Informationen und Schilderungen zu den Machenschaften von Personen wären, die aus prominenten Kapitalkreisen stammen oder in der Regierung waren oder weiterhin sind: So z.B. der frühere Innenminister Mehmet Agar, ebenfalls eine bekannte Mafiafigur und Verantwortlicher für „tausend Operationen“ oder der aktuelle Innenminister Süleyman Soylu.

Sedat Peker ist unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vorbestraft und stand mehrmals wegen Mord, Mordversuch, Entführung und anderen Vorwürfen vor Gericht und soll seit einiger Zeit in Dubai leben. Er ist ein Faschist und Verfechter des großen „Türkentums“ und hatte schon immer enge Beziehungen zu den Grauen Wölfen und der nationalistischen MHP. Als Nationalist und selbsternannter „Kämpfer für die große türkische Sache“ hatte er erst letztes Jahr „Akademiker für eine friedliche und demokratische Lösung des kurdischen Problems“ bedroht, sie in ihrem eigenen Blut ertränken zu lassen. Im Januar 2020 floh er überstürzt ins Ausland – kurz darauf wurde sein Rivale aus der türkischen Unterwelt, Alaattin Cakici, auf Betreiben von Erdogans rechtsnationaler Koalitionspartei MHP aus dem Gefängnis entlassen. Cakici habe seitdem Pekers Platz als staatsnaher Mafiaboss übernommen, kommentierten die Medien.

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, Peker möchte mit diesen Videos die AKP-Regierung und deren Verstrickungen zu den kriminellen Kreisen und Machenschaften für Erhalt ihrer Macht anprangern und abrechnen. Doch in allen bisherigen fünf Folgen kritisiert er mit keinem Wort den Präsidenten Erdogan. Im Gegenteil, er macht den Anschein, dass Erdogan ein großer Mann sei, aber von falschen Leuten umgeben wäre. Auch immer wieder beteuert er seine Loyalität zum Staat. Es ist weder eine „Abrechnung“ mit der Politik von Erdogan und der AKP-Regierung, noch eine Kritik dem Staat gegenüber. Trotzdem sind diese Vorwürfe sehr brisant. Ein Konglomerat von Staat- Politik-Mafia und Kapital, ist in diese kriminellen Praktiken verstrickt und sich reinzuwaschen wird für Erdogan und seine Schergen umso schwieriger, wenn interne Information nach außen dringen.