Studierende in Corona-Zeiten

Die Corona-Pandemie ist an Studierenden, auch wenn sie eine der weniger oft behandelten Gruppen in den öffentlichen Diskursen sind, nicht spurlos vorbeigegangen. Corona hat vielen die finanzielle Grundlage genommen. Denn das BAföG alleine reicht zum Leben nicht aus. Wer keine Eltern hat, die finanziell unterstützen können, muss neben dem Studium arbeiten gehen. Doch was tun, wenn der Nebenjob plötzlich wegfällt, weil Bars, Cafés oder Kinos aufgrund der Pandemie geschlossen sind? Mögliche Überbrückungshilfen sind keine Dauerlösung. In Befragungen geben deshalb Studierende immer wieder an, unter Existenzängsten zu leiden.

Einsamkeit im Studium

Zusätzlich zur finanziellen Frage kommt die soziale Problematik. Besonders für Studienanfänger ist diese Zeit keine leichte. Unterricht von Zuhause aus, kein Kennenlernen von Kommilitonen auf Ersti-Partys oder in der Mensa. Der Studienbeginn bedeutet für viele einen Neuanfang. Oft kennt man niemanden und lernt erst bei Vorlesungen oder Seminaren Leute kennen. Mit dem Wegfall all dieser Dinge stellt sich bei vielen eine Verlorenheit und Einsamkeit ein. Deshalb wurden u.a. an der Universität Heidelberg schon Referate gegen die Einsamkeit gegründet, die Studierenden, besonders in Wohnheimen, Hilfestellungen bieten wollen, wenn sie sich einsam fühlen.

Studiengebühren, Reformen und Proteste

Bis jetzt waren die Proteste der Studierenden zu ihrer Lage noch gering. Grund genug dazu gäbe es eigentlich. Denn nicht nur die Auswirkungen der Corona-Pandemie bedrohen die Entfaltung und Lehre von Studierenden, sondern auch andere Dinge. So wurden z.B. in Baden-Württemberg vor einigen Jahren die Studiengebühren wieder eingeführt – für ausländische Studierende. Die Abschaffung der Studiengebühren war eine Errungenschaft der Bildungsstreikbewegung. Schüler und Studierende sind damals monatelang immer wieder auf die Straße gegangen, haben Hörsäle besetzt und haben gemeinsam gegen Studiengebühren, G8 und das Bachelor & Master System gekämpft. Die Gebühren wieder für eine bestimmte Gruppe einzuführen, ist nicht nur unsolidarisch gegen diese Gruppe, sondern öffnet auch die Tore für allgemeine Einführung. Dass dies in einem Bundesland, wie Baden-Württemberg, wo die studentische Mitbestimmung nicht so stark verankert ist, wie in anderen Bundesländern, damit begonnen wird, ist kein Zufall. Dass es nicht das letzte Bundesland sein wird, zeichnet sich bereits ab.

Auch in Bayern wird im Rahmen der Novellierung des Hochschulgesetzes über eine Einführung der Studiengebühren für ausländische Studierende gesprochen, ebenso wie über die Verpflichtung zum „Transfer in die Wirtschaft“ von Hochschulen. Zudem gibt es die Debatte, die Hochschulen zu Körperschaften des öffentlichen Rechts zu erklären, die sich selbst Satzungen geben. In diesen Satzungen kann auch die studentische Mitbestimmung geregelt sein.

Gegen all diese Dinge regt sich aber natürlich auch Widerstand. In Stuttgart haben sich Proteste angekündigt und auch in Bayern gibt es seit dem Herbst letzten Jahres immer wieder Demonstrationen und Aktionen gegen die geplante Reform.