Wohnungen in Bremen nur für Weiße?

Anna Lena Kauf

Bremen ist eine Stadt voller Menschen verschiedener Herkunft. Praktisch wie die meisten bundesdeutschen Städte. Ausgerechnet hier erschüttert in den letzten Wochen ein Rassismus-Skandal die Stadt. Gibt es etwa Wohnungen in Bremen nur für Weiße?

Das zumindest ergibt sich aus geheimen und internen Dokumenten einer Bremer Wohnungsbaugesellschaft, die Ende Mai aufgedeckt und veröffentlicht wurden. Offenbar vermietet die Brebau bewusst nicht an Menschen mit Migrationshintergrund. Medienberichten zufolge liegen schriftliche Anweisungen vor, die dazu auffordern, Wohnungen nicht an People of Color zu vermitteln. Die Mitarbeiter haben anscheinend mit Hilfe von Abkürzungen und Codes kommuniziert und so Bewerbungen von „Menschen mit Migrationshintergrund“, „westlich integriert“ usw. kontrolliert. Zum Beispiel gibt es das Merkmal „KT“ für denjenigen, die „Kopftuch“ tragen. Bei Schwarzen und dunkelhäutigen Menschen wird „E40“ vermerkt. Dazu gehören auch Sinti und Roma, Bulgaren und Rumänen.

Name benachteiligt bei der Wohnungssuche!

Das Ganze begann mit einem Experiment des Nachrichtensenders ARD. Vier junge Männer, ungefähr gleich alt, Studierende und berufstätig, sollen sich in Bremen auf Wohnungssuche machen: Felix Arndt, Tim Schoenian, Karim El Korhaly und Livingsoul Dupe. Während Felix und Tim mehrere Wohnungen angeboten bekommen, gehen Karim und Livingsoul leer aus. Ihnen werden Absagen erteilt oder man ignoriert sie komplett. Die Männer bringen die gleichen Qualifikationen mit; der einzige Unterschied ist ihr Name. Rassismus in der Wohnungssuche ist in Deutschland nicht Neues und dennoch werden immer wieder Fälle wie dieser öffentlich.

Dass eine Baugesellschaft Auskunft über beruflichen Stand und Einkommen der Bewerber haben möchte, könnte noch verständlich sein. Die Kriterien, die bei der Brebau aber eine Rolle spielen, übersteigt jegliche Legitimität – und auch die Vorstellungskraft. Hier werden die Bewerber anscheinend nach absurden Merkmalen in Kategorien eingeteilt; Herkunft, Staatsangehörigkeit, Hautfarbe, ob das Aussehen gepflegt ist oder Sprachkenntnisse werden zu Ausschlusskriterien für People of Color. Am Ende ist es aber die logische und konsequente Schlussfolgerung von strukturellem Rassismus in der Gesellschaft.

Konsequenzen müssen folgen!

Die Brebau reagiert mit einer Pressemitteilung und kündigt ein mehrstufiges Sofortprogramm an, um den Vorwürfen entgegenzutreten. In einem ersten Schritt wurden alle nicht von der Geschäftsführung autorisierten Prozesse gestoppt, so dass das Vergabesystem zukünftig transparenter sei. So erhofft sich die Brebau, schnellstmöglich für Aufklärung und eine Verbesserung der Zustände zu sorgen. Geschäftsführer Bernd Botzenhardt betont: „Die Vorwürfe machen uns sehr betroffen. Es ist unser Bestreben, Menschen unterschiedlicher Herkunft ein Zuhause zu geben.“

Wie viele Menschen von der Diskriminierung betroffen waren, ist bis jetzt ungeklärt. Sicher ist nur, dass Livingsoul und Karim nicht die Ersten waren und auch nicht die Letzten sein werden, die solche Erfahrungen machen mussten. Denn, während das ganze Land nun auf Bremen blickt, geht die Diskriminierung auch in anderen Teilen Deutschlands weiter. Sicher sind die Reformen in der Brebau notwendig – wahrscheinlich längst überfällig – aber um eine nachhaltige Bekämpfung des Problems muss sich letztendlich die Politik bemühen. Denn es steckt auch ein System dahinter. Rassismus kann und darf in Deutschland nicht geduldet werden.